Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat die große Chance verpasst. Statt mit einem Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 bis auf vier Punkte an die Tabellenspitze aufzuschließen, trennen die "Werkself" nun nach der 0:1-Heimpleite satte neun Punkte vom neuen Primus aus Mainz.

Es war ein spannendes Spiel, dieses Spitzenspiel des Dritt- gegen den Zweitplatzierten. Ein gutes Spiel war es eher nicht. Das Tempo war nicht sonderlich hoch, aufregende Ballstafetten gab es selten, und auch Torchancen blieben die Ausnahme.

Bayer kann Ausfälle nicht kompensieren

"Es war ein klassisches 0:0-Spiel", fand dann auch Bayer-Keeper Rene Adler: "Mit dem einen Punkt hätten beide Mannschaften ganz gut leben können." Doch es kam anders. Die Gäste aus Mainz konnten dem vor sich hinplätschernden Spiel durch zwei Einwechslungen neue Impulse und die entscheidende Wende geben. Auf Vorlage des eingewechselten Andre Schürrle gelang Joker Andreas Ivanschitz das "goldene Tor".

Bayer 04 hatte nichts mehr hinzuzusetzen. Die vielen kräftezehrenden Spiele und Reisen der letzten Wochen forderten ihren Tribut. Und die unglaublich lange Verletztenliste, die mit absoluten Leistungsträgern bestückt ist. An diesem Tag konnte Bayer das Fehlen von Stammkräften wie Sami Hyypiä, Gonzalo Castro, Michael Ballack, Renato Augusto oder Stefan Kießling nicht mehr kompensieren.

"Wir hatten schon ein ordentliches Pensum", erklärte Simon Rolfes: "Und mit den ganzen Ausfällen merkt man, dass viele Spieler sehr häufig ran müssen. Wenn man dann auch noch einem Rückstand hinterher laufen muss, wird es schwer."

Völler fehlt das Feuer

Die Frische fehlte und auch die Power. Trainer Jupp Heynckes hatte defensiver spielen lassen, seinen Stürmer Patrick Helmes zunächst auf der Bank gelassen. Die Rechnung ging nicht auf. "Wir waren nicht so feurig wie in den letzten Spielen", konstatierte Bayer-Sportchef Rudi Völler: "Der eine oder andere hatte schwere Beine. Mitte der zweiten Halbzeit war bei uns ein bisschen die Luft raus. Und das ist völlig atypisch für uns zuhause."

Doch die mäßigen Darbietungen vor eigenem Publikum ziehen sich in der Bundesliga wie ein roter Faden durch die Saison. Nur eins der fünf Heimspiele konnte Bayer gewinnen, nur fünf Punkte in der BayArena einfahren. Das ist zu wenig, um in der Tabelle höhere Ansprüche anzumelden.

Auswärts dagegen trumpft Bayer groß auf. Da trifft es sich gut, dass die "Werkskicker" am Mittwoch im Pokal in Mönchengladbach gegen die schwächelnde Borussia antreten dürfen. Mit den "Fohlen" hat Bayer noch ein Hühnchen zu rupfen. Am 2. Spieltag unterlag die Elf von Jupp Heynckes zuhause mit 3:6 gegen die Gladbacher.

Heiß auf Revanche

"Das wird ein heißes Match. Wir haben alle noch das Spiel im Hinterkopf", sinnt Kapitän Rolfes auf Revanche. "Wir haben in Gladbach noch etwas gut zu machen. Wir wollen unbedingt eine Runde weiterkommen", fordert Adler. So bleibt Bayer keine Zeit zum Durchschnaufen. "Ehrlich gesagt hätte ich jetzt lieber eine Woche Pause gehabt bis zum Samstag-Spiel auf Schalke", gesteht Völler: "Wir müssen jetzt die Kräfte sammeln. Dann wollen wir im Pokal in die nächste Runde einziehen."

Auch in der Bundesliga ist für Bayer noch nichts verloren. Gerade einmal ein gutes Viertel der Saison ist absolviert. "Es ist noch nichts passiert, auch wenn die Distanz zu den beiden führenden Clubs im Moment enorm ist. Das ist ja wirklich unglaublich. Aber es ist noch eine lange Saison. Und irgendwann kommen auch die verletzten Spieler zurück", hofft Völler. Und dann wird Bayer die Spitze sicherlich noch einmal angreifen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski