Luca Toni ließ seinen Frust nach der 0:1-Pleite zum Rückrundenauftakt beim Hamburger SV mit der Faust an einer Tür in den Katakomben der HSH Nordbank Arena aus. Und Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sowie Manager Uli Hoeneß gingen mit zorniger Miene in Richtung Kabine. Eine Wutrede à la Franz Beckenbauer lag in der Luft.

Doch allem Anschein nach kam es anders. Denn auch wenn die Niederlage den Spielern und Verantwortlichen sicherlich nicht besonders gut schmeckte, so nagte diese keinesfalls am Selbstvertrauen des FC Bayern München.

Hoeneß hat Geduld

"Wir wollen nicht am 18. Spieltag Deutscher Meister sein, sondern am 34. Da können Sie sicher sein, dass wir oben stehen werden", erklärte Hoeneß den Journalisten.

Torwart Michael Rensing attestierte den Gastgebern eine "starke Leistung" und prophezeite, dass der HSV oben mitspielen werde. Doch bei der Titelvergabe ließ er keinen Zweifel aufkommen, wer am Ende jubeln darf: "Deutscher Meister werden wir!"

Ribery glücklos

Dass die Bayern in der ersten Halbzeit weit hinter ihren Möglichkeiten blieben, nahmen die Beteiligten zwar zur Kenntnis. Die nach dem Pausenpfiff zahlreich vergebenen Torchancen standen in der Analyse aber deutlich im Vordergrund.

"Wir hatten genügend Chancen, das Tor der Hamburger zu korrigieren, aber der Ball wollte irgendwie nicht rein", meinte FCB-Trainer Jürgen Klinsmann.

Und Super-Star Franck Ribery, der sich in Hamburg nur selten in Szene setzen konnte, fand eine einfache Begründung für die Niederlage: "Solche Abende hat man mal. Das Glück war einfach nicht mit uns."

Mit einem Sieg alles wieder im Lot

Dieses Glück soll nun am kommenden Spieltag gegen Dortmund wieder zum Rekordmeister zurückkehren. Philipp Lahm sieht die Bayern nach der Auftaktpleite aber nicht unter Zugzwang. "Beim FC Bayern stehen wir immer unter Druck. Ob das nun gegen Dortmund ist oder das Wochenende darauf in Berlin. Wir müssen immer gewinnen", sagte Lahm.

Sollten die Münchner gegen den BVB die drei Punkte holen, ist die Bilanz auch wieder bereinigt. So sieht es zumindest Kapitän Mark van Bommel: "Wenn wir jetzt gegen Dortmund gewinnen, haben wir einen Punkt mehr als in der Hinrunde." Damals startete der FCB mit zwei Unentschieden in die Saison.

"Untergiesing gegen Obergiesing"

Nur einer fand wieder einmal deutliche Worte und kritisierte die Einstellung der Bayern-Spieler bis zum Siegtreffer von Mladen Petric in der 44. Minute.

"Das war Standfußball. Früher hätte ich gesagt, das war Untergiesing gegen Obergiesing. Aber damit würde ich die Hamburger beleidigen", sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer bei "Premiere".

Aus Hamburg berichtet Michael Reis