Deutsche Torhüter zählen seit Jahrzehnten zu den besten der Welt. Für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika kommen wieder mehrere Bundesliga-Torhüter als Nummer 1 in Frage.

Toni Schumacher (55) stand bei den Weltmeisterschaften 1982 und 1986 im Tor und wurde beide Male Vize-Weltmeister mit Deutschland. Im Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Weltklassetorhüter über die aktuellen WM-Kandidaten für das deutsche Tor.

bundesliga.de: Toni Schumacher, nächstes Jahr findet die WM in Südafrika statt. Wer sind für Sie momentan die deutschen Torhüter mit den besten Aussichten?

Toni Schumacher: Rene Adler, Manuel Neuer, Robert Enke und Tim Wiese. Die vier machen das unter sich aus.

bundesliga.de: Was zeichnet jeden einzelnen aus?

Schumacher: Adler hat einen großen Sprung gemacht. Was mir jetzt gut gefällt, ist seine Körpersprache. Er war am Anfang ein bisschen ruhiger. Aber er hat gemerkt, dass es nützlich ist, wenn man sich als Torhüter auch mal richtig bemerkbar macht. Tim Wiese hat aus meiner Sicht den größten Sprung gemacht, ein sehr guter Mann. Er hat sicher übers Ziel hinausgeschossen, als er sich vor einiger Zeit negativ über seine Kollegen geäußert hat, aber das ist erledigt.

bundesliga.de: Was spricht für Neuer?

Schumacher: Manuel Neuer ist ein guter, junger Torhüter. Er hat in der Saison, in der Schalke in der Champions League gespielt hat, noch den einen oder anderen Fehler gemacht. Aber das ist so: Wenn man im Kreis der Nationalmannschaft steht, wird man kritischer beäugt, da wird auch schon mal ein falscher Abwurf stärker kritisiert. Aber wenn ich sehe, wie weit die jungen Torhüter heute schon sind - auch im Umgang mit der Presse und Öffentlichkeit: Da muss ich schon sagen, das sind richtige Persönlichkeiten. Enke ist von allen natürlich der Erfahrenste.

bundesliga.de: Wer wird sich durchsetzen?

Schumacher: Es wird am Ende nicht derjenige spielen, der an einem Wochenende Weltklasse ist und am nächsten eine schlechte Note bekommt. Es wird sich derjenige durchsetzen - und das war immer so - der auf hohem Niveau sehr, sehr lange spielt. Es kommt natürlich auch entscheidend darauf an, wie die Mannschaft spielt. Davon sind die Torhüter abhängig. Leverkusen hat letztes Jahr sehr stark angefangen und ist später eingebrochen; das war natürlich auch schlecht für Adler. Dann werden dem Torhüter schon eher mal die Gegentore in die Schuhe geschoben.

bundesliga.de: Von den vier Kandidaten spielt nur Tim Wiese nächste Saison international.

Schumacher: Das ist überhaupt nicht gut! Da fehlen die Wettkämpfe auf internationalem Niveau, da sammelt ein Torhüter sonst wichtige Erfahrungen.

bundesliga.de: Aber traditionell muss man sich auf der Torhüter-Position wenig Sorgen machen, oder?

Schumacher: Wir haben eine lange Torhüter-Tradition und es gibt immer wieder viele Kinder, die sich für das Tor begeistern. Es gab und gibt ja auch immer gute Vorbilder. Und die Ausbildung ist hervorragend. Ich war damals noch einer der Ersten, der mit Rolf Herings in Köln einen Torwarttrainer hatte. Das ist jetzt alles sehr professionell geworden, weil immer mehr ehemalige gute Torhüter zu Torwart-Trainern geworden sind. Das freut mich unheimlich, es wäre ja auch eine Schande, wenn diese Ex-Torhüter ihr Wissen und ihre Erfahrung nicht weitergeben würden. Und es kommen immer große neue Talente nach. Wenn man sieht, was in der U17, U19 oder U21 nachkommt, da braucht man sich überhaupt keine Sorgen zu machen.

Das Gespräch führte Stefan Kusche