Wenn Onkel Dieter im fernen Freiburg seine Trikot-Pakete losschickte, begann für den kleinen Mark Schwarzer in Sydney das bange Warten.

Welcher der WM-Helden würde im Briefkasten landen? "Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Toni Schumacher - ich konnte es kaum erwarten", sagt der Torhüter des australischen Nationalteams - am Sonntag will der "Socceroo" mit deutschem Pass die DFB-Auswahl im ersten WM-Spiel zur Verzweiflung bringen.

"Ich bin zu einhundert Prozent Australier"

Die Helden von damals sind die Gegner von heute. Obwohl seine Eltern Doris und Hans-Joachim 1967 aus Stuttgart nach Australien auswanderten, schlagen keinesfalls zwei Herzen in der Brust von Mark Schwarzer. "Wer das behauptet, ist ein Lügner. Ich bin zu 100 Prozent Australier, und das werde ich auch zeigen. Auf dem Platz kenne ich keine Freunde."

Dennoch wird für den 37 Jahre alten Klasse-Torhüter vom FC Fulham am Sonntag in Durban (ab 20 Uhr im Live-Ticker) ein Traum wahr. "Ich habe schon einige Kinderbücher geschrieben. Aber manche Geschichten sind so unglaublich, dass man sie sich nicht ausdenken kann."

Enge Beziehung nach Deutschland

Dazu gehört vielleicht auch die, dass sich 2008 beinahe der Kreis geschlossen hätte. Ausgerechnet Jürgen Klinsmann wollte Mark Schwarzer nach Deutschland zum FC Bayern holen. Schwarzer zögerte, schwankte, überlegte, dann ließ er den Helden seiner Jugend abblitzen: "Er wollte unbedingt, dass ich komme, aber nur als Nummer zwei. Damit hätte ich meine WM-Teilnahme riskiert."

Die Beziehung zu Deutschland und zur Verwandtschaft in Böblingen und Freiburg ist "ganz eng", das sagt Schwarzer immer wieder. Wie es in "good old Germany" wohl angekommen ist, dass er die deutschen Torhüter attackierte? "Ich denke nicht, dass einer der drei im deutschen Kader eine große Persönlichkeit ist. Es ist nicht mehr so, dass Deutschland einen Oliver Kahn oder einen Jens Lehmann hat, der einen sehr großen Einfluss auf die Leistung hat", sagte er und heizte die Stimmung an.

Dabei hatte er jüngst noch erklärt, wie souverän und ruhig der einst vogelwilde Keeper Mark Schwarzer geworden ist. "Je länger die Karriere andauert, desto entspannter werde ich, da genieße ich jeden Moment." Das Thema Deutschland aber scheint ihn aufzuwühlen. Ob er doch für Deutschland...? "Nein. Ich bin heilfroh, dass ich es so gemacht habe, wie es ist."

"Wir wollen für Furore sorgen"

In England und Australien jedenfalls ist Schwarzer unverzichtbar. Er ist der Ausländer mit den meisten Spielen in der Premier League, mehr als 70 Mal stand er für die "Socceroos" zwischen den Pfosten. Und, darauf baut auch Nationaltrainer Pim Verbeek, er ist ein exzellenter Kenner der deutschen Fußball-Szene: "Vielleicht kann ich dem Coach ein paar Tipps geben."

Bei der WM will Mark Schwarzer noch eine Rechnung begleichen: 2006 scheiterte Australien durch einen unberechtigten Foulelfmeter in der fünften Minute der Nachspielzeit am späteren Weltmeister Italien. "Wir wollen diesmal wieder für Furore sorgen", sagt er.

Und vielleicht wird Mark Schwarzer demnächst selbst ein Trikot-Paket verschicken. Lukas Podolski oder Philipp Lahm? Seine Kinder Amaya und Julian, denen er manchmal Spätzle kocht, können es sicher kaum erwarten.