München - Er kann links wie rechts spielen: Philipp Lahm hat sowohl beim FC Bayern München als auch in der deutschen Nationalmannschaft bewiesen, dass er auf beiden Außenverteidigerpositionen etabliert ist.

Doch Lahm selbst mag die rechte Seite lieber. Die dürfte der FCB-Kapitän in der kommenden Saison aber wohl wieder abgeben, denn mit Rafinha kommt ein klassischer Rechtsverteidiger zum Rekordmeister.

Fünf Spielzeiten im Vergleich

Dass Lahm als Rechtsfuß seine Qualitäten auch auf der linken Seite ausspielen kann, hat der 27-Jährige bereits gezeigt. Aber auf welcher Position ist der Münchner eigentlich besser? bundesliga.de vergleicht die Auftritte des Nationalspielers auf den beiden Seiten seit der Saison 2006/07.

Seit 2008 spielt Lahm bei den Bayern auf der Position des Rechtsverteidigers und hat dabei keine der insgesamt 68 Bundesligapartien verpasst. Zuvor spielte er 79 Partien auf der Linksverteidigerposition.

Deutlich mehr Torschüsse

In Lahms allgemeinen Spieldaten lassen sich keine Veränderungen durch den Seitenwechsel erkennen. Auf links hatte der Nationalspieler im Schnitt 85 Ballkontakte und eine Passgenauigkeit von 88,8 Prozent, auf rechts sind es 87 Ballkontakte und 88,5 Prozent angekommener Pässe. Auch der Scorerwert von vier Toren und sieben Assists in 79 Partien auf links ist dem Wert auf rechts von drei Toren und acht Assists in 68 Partien sehr ähnlich.

Doch ein großer Unterschied wird bei Lahms weiteren Offensivbemühungen deutlich. Als Linksverteidiger gab der Münchner 36 Torschüsse ab, auf rechts sind es lediglich 14 gewesen. Dafür verbuchte er im Schnitt 3,7 Flanken pro Partie, wenn er über die rechte Seite angriff, über links waren es nur 2,6 pro Spiel, von denen allerdings gut ein Viertel angekommen ist. Seine Flankengenauigkeit auf der rechten Seite liegt nur bei etwa 19 Prozent.

Erfolgreiche Zeit als Linksverteidiger

Auch defensiv ist Lahm auf links aktiver gewesen. In den 79 Partien ging er im Schnitt pro Spiel in 9,1 Zweikämpfe, von denen er auch 62,6 Prozent gewann. Auf der rechten Seite waren es mit 6,4 fast drei Zweikämpfe pro Partie weniger und Lahms Erfolgsbilanz in den Duellen liegt "nur" bei gut 58 Prozent.

Zudem hat er in den 68 Partien auf rechts 82 klärende Aktionen durchgeführt, auf links sind es mit 158 deutlich mehr. Mit ihm als Linksverteidiger gelang dem FCB 2007/08 der Rekord von nur 21 Gegentoren in einer Spielzeit.

Außenbahnen gut besetzt

Die Werte aus den letzten fünf Spielzeiten zeigen, dass sich Lahm für den FC Bayern in den vergangenen Jahren defensiv als Linksverteidiger wertvoller erwiesen hat. Allerdings bekamen die Bayern-Fans mit Lahm auf der rechten Seite alle 6,2 Spiele eine Torbeteiligung ihres Kapitäns zu sehen, von der linken Seite scorte Lahm im Schnitt jeweils nach 7,2 Spielen.

Durch die Verpflichtung von Rafinha haben die Bayern aber wieder zwei sehr gute Außenverteidiger, denn auch Rafinha ist in der Lage, offensiv wie defensiv seine Qualitäten einzubringen. Sollte sich Lahm schnell wieder auf der linken Seite einleben, sind die Außenpositionen beim Rekordmeister sehr gut besetzt. Der einzige, dem das vielleicht nicht hundertprozentig gefällt, ist Lahm selbst, da er seine bevorzugte rechte Seite wieder verlassen muss. Neue Erfolge des FC Bayern könnten ihn dafür aber ausreichend entschädigen.

Jessica Pulter