Barcelona - Es war voll, sehr voll. Selbst der ruhmreiche FC Barcelona stieß am Dienstagvormittag bei der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Champions League-Halbfinalhinspiel (Mittwoch ab 20.30 Uhr im Live-Ticker) an seine Grenzen.

Der Presseraum auf dem Trainingsgelände "Joan Gamper" im Stadtteil Sant Joan Despi platzte aus allen Nähten. Nicht nur weil Lionel Messi seine erste Pressekonferenz seit 2013 gab, sondern weil das Interesse an diesem Gipfeltreffen zwischen dem FC Barcelona und den FC Bayern München weltweit riesig ist.

Medieninteresse enorm – Messi hoch motiviert

Wer einen Sitzplatz im Auditorium ergatterte, hatte Glück. Stehen war angesagt für viele Journalisten und warten. Warten auf Barcas Nummer 10. Lionel Messi. Mit 25-minütiger Verspätung bahnte sich der kleine Argentinier und mehrfache Weltfußballer seinen Weg vorbei an den Fotografen. Auch für den 27-Jährigen ist die Partie gegen den deutschen Rekordmeister kein Spiel wie jedes andere, auch weil es gegen seinen alten Coach Pep Guardiola geht: "Ich bin sehr motiviert, vor allem, weil wir gegen ein großes Team spielen. Es ist eine Mannschaft, die von Pep trainiert wird, welches dem Ganzen noch eine spezielle Note gibt und weil wir vor zwei Jahren im Halbfinale gegen Bayern verloren haben", so Messi.

Im Gegensatz zum FC Bayern befindet sich der FC Barcelona derzeit in absoluter Topform. Am vergangenen Wochenende gewannen die Katalanen beim FC Cordoba mit 8:0 und auch in der Champions League haben sie acht Spiele in Folge gewonnen. "Das Team ist zur rechten Zeit am Ende der Saison in Topform. Wir fühlen uns als Team sehr wohl. Jetzt haben wir absolute Kracher-Spiele vor uns, aber wir gehen jetzt einen Schritt nach dem dem anderen", betonte Messi.

Messi: Verletzungsmisere der Bayern keine Ausrede

Bei den Bayern fehlen Mittwochabend, 20.45 Uhr, im Camp Nou wichtige Schlüsselspieler wie Arjen Robben, David Alaba oder auch Franck Ribery. "Das darf keine Entschuldigung für Bayern sein, weil sie ein großer Klub sind, können sie sich darüber nicht beschweren", erklärte der Argentinier, der eine seiner wenigen Pressekonferenzen gab. Eine Favoritenstellung, so Messi, gibt es auch nicht. "In dieser Phase des Wettbewerbes kann es keinen Favoriten mehr geben, es spielen zwei große Teams gegeneinander und beide wollen morgen gewinnen. Beide Mannschaften haben den gleichen Druck."

Duelle der Freunde: Luis Enrique gegen den "fleißigen" Pep

Gut gelaunt trat wenig später Messis Trainer Luis Enrique vor die Presse. Der 44-Jährige spielte mit Pep Guardiola zusammen bei den Katalanen. Zwischen 1996 und 2001 holten die Beiden zwei spanische Meisterschaften, zwei Pokalsiege und 1997 den Europapokal der Pokalsieger. Selbst die Trainerausbildung absolvierten sie gemeinsam. Auf die Frage, wer denn von Beiden der fleißigere und strebsamere war, antwortete Enrique salopp: "Pep, claro".

Enrique könnte gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit das Triple holen, das schaffte nicht einmal Pep Guardiola. Daran denkt Enrique aber lange noch nicht. "Ich höre das Wort Triple sehr gerne. Wir sind zwar noch in drei Wettbewerben und können diese allesamt gewinnen, aber man kann auch schnell mit leeren Händen dastehen", so der in Gijon geborene Enrique.

"Keine Überraschungen", glaubt Enrique

Beide Trainer kennen sie aus dem Effeff. An Überraschungen hinsichtlich der Spielweise beider Teams glaubt Enrique im Übrigen nicht. "Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit so spielen, wie wir die ganze Saison gespielt haben und auch Pep wird mit den Bayern die Spielphilosophie nicht ändern." Großen Respekt, aber keine Angst hat Enrique vor den Bayern, trotz der schwerwiegenden Ausfälle. "Die Bayern können die verletzten Spieler locker verkraften. Die Münchner sind in der Offensive wie in der Defensive exzellent besetzt. Es wird morgen die Tagesform entscheiden", glaubt Enrique.

Vor der Champions League-Saison hatten Enrique und Guardiola sich für das Finale in Berlin verabredet. Diese Konstellation ist nun nicht mehr möglich. Gönnen würden es beide Trainer dem anderen sehr wohl. "Der Verlierer wird dem Gewinner gratulieren, das ist doch selbstverständlich unter Freunden", lächelte Enrique. Fehlen wird dem FC Barcelona am Mittwochabend übrigens Jeremy Mathieu. Der Franzose hat Achillessehnenprobleme am rechten Fuß und fällt aus.

Aus Barcelona berichtet Alexander Barklage