Köln - Zu den Aufgaben und Leistungen der Fanprojekte gehört es unter anderem, jungen Fans politische Fortbildungs- oder Aufklärungsangebote zu unterbreiten. Das Fanprojekt Leverkusen präsentierte jüngst in Kooperation mit dem Fan-Dachverband "Nordkurve12" eine Lesung mit dem Berliner Journalisten Ronny Blaschke, der in seinem neuen Buch "Angriff von Rechtsaußen" Einblicke in ein nicht zu unterschätzendes Problemfeld gab.

Um Akzeptanz ihrer menschenfeindlichen Positionen bemühen sich Rechtsextremisten heutzutage nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch im alltäglichen Umfeld.

Einstündige Lesung plus Diskussion

Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist Rechtsradikalismus keineswegs aus allen Fußballstadien verschwunden. Landesweit sei braunes Gedankengut nach wie vor - mal mehr, mal weniger - trauriger Bestandteil der Kurvenkultur, so Blaschke, der sich in seinem Buch umfassend mit diesem Thema beschäftigt hat.

Mehr als 40 Bayer 04-Fans fanden sich in der Fankneipe "Stadioneck 12" in der Nähe der BayArena zusammen, um die einstündige Lesung des Berliner Journalisten zu verfolgen. Mithilfe von einprägsamen Bildern gelang es Blaschke, seine gewählten Passagen aus seinem Buch zu untermalen und mit zahlreichen Beispielen zu fundieren.

Öffentlich wenig bekanntes Problemfeld

Blaschke berichtete von seinen Recherchen, die er in seinem Buch zusammengetragen und dokumentiert hat. Eindrucksvoll machte er auf die rechtsradikale Szene aufmerksam, die versucht, immer mehr Einfluss bei Fußballfans zu gewinnen und somit den Sport als Plattform für rechtextreme Einstellungen in Form von Aktivitäten und Äußerungen zu missbrauchen.

Während seiner Nachforschungen sprach Blaschke ebenso mit Neonazis wie mit Sozialarbeitern, Forschern und Vertretern aus Politik und Verfassungsschutz. Blaschke gewährte Einblicke in ein Problemfeld, über das öffentlich wenig bekannt ist.

In Leverkusen keine Chance

In der anschließenden lebendigen Diskussionsrunde hatten alle Besucher die Gelegenheit, über Blaschkes Aussagen zu sprechen und Meinungen und Erfahrungen auszutauschen. Schnell stellte sich heraus, dass das Thema in der Leverkusener Fanszene eher eine kleinere Rolle spielt, auch wenn viele Beteiligte unterschiedlichen Erfahrungen gemacht hätten. So wurde vereinzelt berichtet, dass rechte Organisationen versuchten, Kontakte zu Fans zu schließen. Letztlich ohne Erfolg, so dass diese Versuche in Leverkusen schnell wieder aufgegeben worden seien.