Frost statt Frust: Trotz eines Kalt-Starts und des Totalausfalls von Kaka zittert Rekordweltmeister Brasilien bei der WM in Südafrika nur vor den eisigen Temperaturen.

"Es war furchtbar. Die Kälte ist nicht gut für unser Spiel. Für unsere Mannschaft ist es besser, wenn es etwas wärmer ist. Aber ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Spielen noch überzeugender auftreten und mehr Tore schießen werden", sagte der brasilianische Nationaltrainer Dunga nach dem knappen 2:1 (0:0) der Selecao gegen Nordkorea zum Auftakt in der Gruppe G.

Kälte verjagte Zuschauer

Die Zuschauer im Ellis Park in Johannesburg strömten allerdings nicht nur wegen der WM-Rekordkälte von -1 Grad Celsius bereits weit vor Spielschluss in Scharen aus dem Stadion. Zu uninspiriert war das Spiel des fünfmaligen Weltmeisters, auch wenn die Tore von Maicon (55.) und Elano (72.) zwei genialen Momenten entsprangen. "Ohne Glanz leidet Brasilien, um Nordkorea zu schlagen. Von Kaka war nichts zu sehen. Am Ende wurde der Sieg nur verwaltet", titelte die brasilianische Tageszeitung Folha de Sao Paulo auch mit Blick auf den Gegentreffer zum 2:1-Endstand durch den Nordkoreaner Ji Yu Nam (89.).

Das Selbstbewusstsein der Brasilianer blieb aber auch nach dem insgesamt enttäuschenden Auftakt gegen die Asiaten unerschütterlich. Vor allem Torschütze Maicon, als rechter Außenverteidiger neben Elano bester Spieler der Brasilianer, träumte nach dem Sprung an die Tabellenspitze in der Gruppe der Hochkaräter bereits vom sechsten WM-Titel. "Wir müssen unseren Weg einfach weitergehen. Denn für uns kann es nur ein Ziel geben: das Finale am 11. Juli in Johannesburg", sagte der 28-Jährige vom Triple-Gewinner Inter Mailand und fügte hinzu: "Ich will den Pokal unbedingt mit nach Hause nehmen. Mein Ziel ist es, eine perfekte Saison zu krönen."

Kaka noch mit Steigerungsbedarf

Allerdings braucht Maicon dafür die Hilfe seiner Mitspieler in der Offensive. Insbesondere Mittelfeldstar Kaka von Real Madrid hat noch reichlich Luft nach oben und wurde von Brasiliens Trainer Dunga in der 78. Minute ausgewechselt. Gegen das Bollwerk der Nordkoreaner war Kaka nicht viel mehr als ein Übersteiger in der ersten Minute gelungen. Anschließend folgten zahlreiche Fehlpässe.

"Mir fehlt noch ein wenig die Kraft. Ich bin zwar zu 100 Prozent motiviert, aber ich werde noch ein bisschen brauchen, um meine absolute Topform zu finden. Schon im nächsten Spiel gegen die Elfenbeinküste werde ich mich aber deutlich steigern", sagte der Weltfußballer von 2007, der bis zuletzt wegen Oberschenkelproblemen kaum richtig trainieren konnte. "Deshalb habe ich ihn ausgewechselt. Kaka hat in den vergangenen fünf Monaten kaum ein Spiel über 90 Minuten absolviert", sagte Dunga.

Standfußball statt Laufbereitschaft

Grundsätzlich immer über die komplette Distanz spielt Kapitän Lucio, der seit seinem Wechsel von Bayern München zu Inter Mailand im vergangenen Sommer einen Titel nach dem anderen gewinnt. Und auch wenn die Brasilianer beim WM-Auftakt gegen die Nordkoreaner in der Spitze noch etwas stumpf waren - das bekannte Motto "Defense wins Championships" könnte die Selecao zur "Hexa", zum sechsten WM-Titel führen. "Bisher war es ein fantastisches Jahr. Und es soll auch fantastisch enden", sagte der Innenverteidiger, der als Profi von Inter Mailand in dieser Saison gemeinsam mit Maicon und Keeper Julio Cesar bereits Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann.

Derweil wunderte sich Lucios früherer Teamkollege Oliver Kahn, warum der WM-Mitfavorit trotz der eisigen Temperaturen nicht ins Laufen kam. "War das ein Schuss Überheblichkeit, oder haben die Brasilianer gegen Nordkorea nur geblufft? Oder war es die Kälte? Wenn es an den Temperaturen gelegen hat, dann sollte man sich ja gerade bewegen. Aber Laufbereitschaft fehlte vor allem in der ersten Halbzeit", sagte der ZDF-Experte.