Gelsenkirchen - Es winkt der erste Titel der Saison. Zwei Monate nach dem Triumph im DFB-Pokal will der FC Schalke 04 den Erfolg von Berlin mit einem Sieg im DFL Supercup (Samstag 23. Juli, 20.30 Uhr) veredeln. Im Duell Pokalsieger gegen Meister trifft "Königsblau" in der heimischen Arena auf Borussia Dortmund.

Ein spannenderes Duell um den Supercup kann man sich kaum vorstellen. Wenn der FC Schalke im 138. Revierderby auf den BVB trifft, dürfte der Ruhrpott brodeln. Mitten in der Saisonvorbereitung wird es plötzlich richtig ernst. Neben der sportlichen Standortbestimmung geht es im Revier-Klassiker auch um die ganz großen Emotionen. Dass ausgerechnet einer der beiden Erzrivalen mit einem Titelgewinn in die Saison starten wird, sorgt für zusätzlichen Zündstoff.

"Um die Gefühle der Fans"

"In diesem Spiel geht es nicht nur um den Pokal, sondern auch um die Gefühle der Fans. Mit einem Sieg wollen wir uns erfolgreich auf die Saison einstimmen", sagte Schalke-Trainer Ralf Rangnick auf der offiziellen Pressekonferenz zum Wettbewerb, der nach 14 Jahren Pause im vergangenen Jahr wieder eingeführt worden war.

"Gegen einen sehr starken Gegner wollen wir natürlich zeigen, woran wir gearbeitet haben und wo wir momentan stehen", so der Chefcoach, für den es seit seiner Amtsübernahme in der Rückrunde der vergangenen Saison das erste Derby als Schalke-Trainer sein wird.

Angesichts der Brisanz fordert er von seiner Mannschaft deshalb den gleichen Einsatz wie in einem Bundesligaspiel.

100 Prozent Leistung nötig

Nach drei Wochen Vorbereitung könne man allerdings noch keine genaue Prognose über das tatsächliche Leistungsvermögen der "Knappen" abgeben. Gleichwohl wolle man unbedingt das Gefühl des Pokaltriumphs mit in die neue Saison nehmen.

Neben den körperlichen Grundlagen wurde sehr intensiv im taktischen Bereich gearbeitet. "Die Jungs haben das bislang sehr ordentlich gemacht, obwohl die Art des Trainings für viele schon Neuland war. Um den Pokal hier zu behalten, müssen es die Spieler richtig gut machen." Die Leistung müsse schon in den Bereich von 100 Prozent gehen, denn "wenn wir nur 60 Prozent der Trainingsarbeit umsetzen, wird es gegen Dortmund nicht reichen", sagte der 53-Jährige.

"Die Fans nicht enttäuschen"

Auch Abwehrchef Benedikt Höwedes freut sich auf den ersten echten Prüfstein der noch jungen Saison. "Bei mir kribbelt es schon in den Füßen. Alles Fans freuen sich, dass es endlich wieder los geht. Uns geht es nicht anders. Wir wollen unser fantastisches Publikum nicht enttäuschen", sagte der 23 Jahre alte Innenverteidiger auf der Vereinshomepage.

Ebenfalls im Derbyfieber: Youngster Julian Draxler, der schon als kleiner Junge davon träumte, einmal in der Arena auf dem Rasen zu stehen und gegen den BVB zu spielen. "Es wird kein Freundschaftsspiel werden. In unsere Mannschaft steckt richtig viel drin, deshalb glaube ich, dass wir gute Siegchancen haben", so der 17-Jährige.

Keine Personalsorgen

Für den Showdown im Revier hat Trainer Rangnick fast alle Mann an Bord. Bis auf Christoph Moritz (Kniebeschwerden) und Jefferson Farfan (Muskelfaserriss) stehen alle Spieler, die mit im Trainingslager in Segersbach waren, zur Verfügung. Eine gute Gelegenheit also, um in einem echten Härtetest Rückschlüsse auf die künftige Stammformation einer runderneuerten Mannschaft (sieben Zugänge, neun Abgänge) zu ziehen.

Nach dem Weggang von Torwart Manuel Neuer zum FC Bayern steht sein Nachfolger Ralf Fährmann erstmals besonders im Fokus. "Ich bin mit seinen Trainingsleistungen und Fortschritten zufrieden. Jetzt hat er die Gelegenheit, sich gegen einen starken Gegner zu präsentieren", sagte Rangnick über seinen neuen Keeper.

Raul noch torlos gegen BVB

Spekulationen um Raul, der angeblich von mehreren Vereinen (u.a. Blackburn Rovers), wies er als gegenstandslos zurück. "Raul fühl sich bei uns sehr wohl. Es würde mich wundern, wenn er plötzlich Wechselgedanken bekommen würde", setzt Rangnick weiter auf die Dienste des Spaniers, der in seinem dritten Revier-"Clasico" auf sein erstes Tor und mit allen "Königsblauen" auf den ersten Titel der Saison hofft.

Aus Gelsenkirchen berichtet Markus Hoffmann


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