In Bremen verheißt ein Blick auf die Tabelle in diesen Tagen wenig Gutes. Platz 10 - Werder Bremen verweilt im Mittelfeld der Bundesliga. Zu wenig für die hohen Ansprüche der ambitionierten Hansestädter. Allen voran die anhaltende Abwehrschwäche ist für den eher mäßigen Saisonstart verantwortlich.

"Das müssen wir abstellen und auch mal zu Null spielen" fordert Außenverteidiger Sebastian Boenisch folgerichtig, da die "Grün-Weißen" ansonsten womöglich Gefahr laufen, schon früh in der Saison den Anschluss an die Spitzenpositionen zu verlieren.

Bange vor Athen?

Und in der Champions League werden die Patzer in der Defensive für gewöhnlich noch schneller bestraft. In der "Königsklasse" wusste die Abwehr bislang aber einigermaßen zu überzeugen.

Doch angesichts von elf Gegentoren in den letzten drei Bundesligaspielen dürfte den Werder-Fans vor dem Auftritt bei Panathinaikos Athen (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) ein bisschen bange werden.

Spagat will nicht gelingen

Der Abwehrschwäche stehen nach acht Spieltagen zwar auch 22 erzielte Treffer gegenüber, aber auch beim 3:3 in der vergangenen Partie gegen Borussia Dortmund zeigte sich, dass Werder der Spagat zwischen erfolgreicher Offensive und sicherer Defensive derzeit nicht so recht gelingen mag.

"Wir spielen offensiven Fußball, das ist unser Stil. Aber die Defensive fängt vorne an und wir müssen alle schneller umschalten. Da passieren zu viele Fehler" analysiert Boenisch. "Wir müssen darüber sprechen und daran arbeiten, damit die Null wieder steht", so der 21-Jährige weiter.

Schaaf findet deutliche Worte

Das Verlangen die Fehler anzusprechen, verspürte ganz offensichtlich auch Werders Cheftrainer Thomas Schaaf. Im direkten Anschluss an die Partie gegen den BVB schickte er seine Spieler nicht wie gewohnt zum Auslaufen, sondern bestellte die gesamte Mannschaft zum Rapport in die Kabine. Nicht zuletzt das mangelhafte Abwehrveralten, das zum 3:3-Ausgleichstreffer für Dortmund führte, dürfte Gegenstand der Unterredung gewesen sein.

"Solche Momente gehören auch dazu, dass man die Mannschaft sofort wachrüttelt und zum Nachdenken anregt", begründet Schaaf die Ansprache. Werders Sportdirektor Klaus Allofs ergänzt: "Es war eine sachliche Ansprache. Es war wichtig, dass man die Dinge gleich anspricht, dass die Spieler darüber nachdenken und man sie nicht so entlässt. Schließlich wollen wir die nächsten Wochen intensiv nutzen, um die Fehler abzustellen."

Werder fehlt die Konstanz

Werder ist in der Tat gut damit beraten, schnellstmöglich in die Erfolgsspur zurückzufinden, um dem Ruf einer Spitzenmannschaft auch tabellarisch wieder gerecht werden zu können. "Wenn man die Tabelle anschaut sind wir momentan nur Mittelmaß", zieht Schaaf ein ernüchterndes Zwischenfazit.

Allofs präzisiert: "Manchmal sind wir ein Spitzenteam, manchmal eben nicht. In München waren wir eins, gegen Dortmund nicht. Die Konstanz fehlt und zu einer Spitzenmannschaft gehört eben auch Konstanz. Die haben wir nicht und das spiegelt sich auch in der Tabelle wieder."

Potenzial ausschöpfen

Bereits am Mittwoch haben die Bremer die Möglichkeit, ihr Spitzenteam-Image aufzupolieren, denn da steht für Werder wieder die Champions League auf dem Programm. In der "Königsklasse", bekanntlich den Top-Teams Europas vorbehalten, gastieren die Grün-Weißen bei Panathinaikos Athen und eine mittelmäßige Leistung dürfte in Griechenland wohl kaum für einen Sieg reichen.

Sollten die Bremer aber ihr Potenzial ausschöpfen und drei Punkte holen, könnten sie in der Tabelle der Gruppe B auf Platz zwei vorrücken. Dann würde zumindest der Blick auf die Champions-League-Tabelle auch in Bremen wieder etwas Gutes verheißen.

Aus Bremen berichtet Timo Strömer