Manuel Neuer (r.) gibt sich in den Gesprächen beim Medientag der Nationalmannschaft zuversichtlich
Manuel Neuer (r.) gibt sich in den Gesprächen beim Medientag der Nationalmannschaft zuversichtlich

Kaum Fortschritte auf Löws Baustellen

St. Martin - Für die angeschlagenen Sorgenkinder Manuel Neuer, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger wird der Kampf um das WM-Ticket ein Rennen gegen die Zeit. Die Baustellen von Bundestrainer Joachim Löw werden nach der ersten Woche im WM-Trainingslager in Südtirol immer größer statt kleiner, zumal sich Hoffnungsträger Sami Khedira bei seinem knapp 60-minütigen Auftritt im Champions-League-Finale für Real Madrid noch weit entfernt von der erhofften WM-Form präsentierte.

Neuer ohne Schlinge um die Schulter

Zwar spielten die deutschen Stars beim traditionellen Medientag im noblen Mannschafts-Quartier Andreus am Sonntag alle Probleme herunter, hinter den Kulissen wird aber bereits an allen möglichen Notfall-Szenarien getüftelt. Dass der künftige Barca-Torwart Marc-Andre ter Stegen frühzeitig in Alarmbereitschaft versetzt wurde, lässt Rückschlüsse auf die Schwere der Verletzung bei Deutschlands Nummer eins Neuer zu, dessen Kapselverletzung in der Schulter einen WM-Einsatz verhindern könnte.

Neuer selbst will davon aber nicht wissen, zumal er am Sonntag erstmals wieder ohne Schlinge in die Öffentlichkeit trat. "Ich gehen davon aus, dass ich die nicht mehr brauche. Ich bin voll im Zeitplan. Für mich gibt es keine Zweifel an einer WM-Teilnahme", sagte der 28-Jährige, der so schnell wie möglich wieder zur Mannschaft stoßen will. Eine genaue Prognose, wann das der Fall sein wird, konnte der Keeper aber nicht geben. In Gesprächen mit DFB- und Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der am Sonntag im Passeiertal eintraf, sollen die nächsten Schritte besprochen werden.

Das gilt auch für die Behandlung von Lahm (Kapselriss im Sprunggelenk) und die nächsten Trainingsschritte von Schweinsteiger (Entzündung der Patellasehne). "Es gibt keinen Zeitplan. Wenn die WM morgen wäre, könnte ich nicht spielen. Ich kann im Moment noch nicht mal laufen", sagte Lahm. Der 30-Jährige fügte aber im selben Atemzug an: "Ich gehe aber davon aus, dass ich bis zum ersten Spiel fit bin."

Täglich Fortschritte bei Schweinsteiger

Auch Lahms Stellvertreter Schweinsteiger hofft, am 16. Juni gegen Portugal wieder einsatzbereit zu sein. "Es geht von Tag zu Tag besser, aber man muss einen Schritt nach dem anderen machen", berichtete Löws emotionaler Leader.

Dass einer dieser prominenten Stammkräfte am Ende passen muss, ist dennoch nicht auszuschließen. "Bei Lahm müssen wir uns noch gedulden, ebenso wie bei Neuer. Wir werden nichts riskieren", kündigte Löw in der "ARD" an. Bis zum 2. Juni muss der Bundestrainer nach dem WM-Aus von Lars Bender seinen aktuell 26-köpfigen Kader noch um drei Profis reduzieren.

Erstes Trainingsspiel gegen die U20

Am Sonntagnachmittag stand für die DFB-Auswahl das erste von drei Spielen gegen die eigene U20 auf dem Programm, die bei den Probeläufen die deutschen WM-Gegner Portugal, Ghana und USA doubeln soll. Letztlich gewannen die Stars deutlich mit 7:1 (Bericht).

Außer Neuer, Lahm, Schweinsteiger und Champions-League-Sieger Khedira, der am Montag oder Dienstag erwartet wird, fehlten Löw in diesem Test auch Marcel Schmelzer (Knieprellung) und Per Mertesacker (Trainingsrückstand). Mesut Özil war nach überstandener Grippe dagegen dabei.