Nach dem Rausch der Vorsaison mit dem knapp geplatzten Meistertraum herrscht bei Hertha BSC mittlerweile Katerstimmung. Spätestens durch das magere 1:1 (1:0) zum Gruppenauftakt in der Europa League gegen den lettischen Meister FK Ventspils sind die Himmelsstürmer der Vorsaison auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

"Unser Selbstvertrauen ist zerstört. Aber wir dürfen nicht jammern, sondern müssen die Ärmel hochkrempeln. Jetzt ist Charakter gefragt", sagte Kapitän Arne Friedrich. Trainer Lucien Favre sprach nach dem Spiel von einer "großen Enttäuschung" und warnte: "Wir sind nicht mehr in der Vorsaison, die müssen wir vergessen."

Stammkeeper Drobny fällt aus

Während in der Europa League trotz des dürftigen Unentschiedens weiter alles möglich ist, steht Hertha in der Bundesliga nach vier Niederlagen in Folge im Duell am Sonntag gegen den SC Freiburg (ab 17 Uhr im Live-Ticker) unter Druck.

Doch ausgerechnet in dieser Situation hat der Tabellenvorletzte Verletzungsprobleme auf der Position des Torhüters. Stammkeeper Jaroslav Drobny zog sich bei einer Rettungsaktion einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu und wird dem Hauptstadtclub voraussichtlich zwei Wochen fehlen.

Der 19-Jährige Sascha Burchert, der nur als Nummer drei hinter Drobny und dem ebenfalls verletzten Christopher Gäng ins Rennen gegangen war, soll am Sonntag wie schon gegen Ventspils das Hertha-Tor hüten. "Sascha ist ein sehr guter Keeper. Er wird seine Chance nutzen", sagte Friedrich.

"Verletzte sind keine Ausrede, aber eine Erklärung"

"Die vielen Verletzten sind keine Ausrede, aber eine Erklärung für unsere Leistungen", meinte Manager Michael Preetz. Gegen den Tabellenzweiten der lettischen Liga wurden die angeschlagenen Gojko Kacar, Raffael, Patrick Ebert und Artur Wichniarek geschont, was wiederum Ventspils-Trainer Nuncio Zavattieri auf die Palme brachte: "Ich bin enttäuscht, dass uns Hertha offenbar unterschätzt hat. Eine der wichtigsten Sachen im Fußball ist der Respekt vor dem Gegner."

Selbst der Führungstreffer durch Lukasz Piszczek (34.) gab der Hertha keine Sicherheit, der Ausgleich durch Edgars Gauracs (48.) fiel mehr als verdient.

Am 1. Oktober reisen die Berliner im zweiten Gruppenspiel zum portugiesischen Traditionsclub Sporting Lissabon, der 3:2 beim SC Heerenveen gewann.