Frankfurt - Olivier Occean kommt als Topscorer der 2. Bundesliga von Fürth zu Eintracht Frankfurt. Ein ebenso erfolgreicher wie ungewöhnlicher Werdegang liegt hinter dem 30-jährigen kanadischen Profifußballer, der auf seiner dritten Station in Deutschland auf seinem Karrierehöhepunkt angekommen ist - vorerst.

Der Sohn haitianischer Eltern wuchs im französischsprachigen Teil Kanadas in Brossard auf und begann dort im Alter von sechs Jahren Fußball zu spielen. Im Besitz eines Stipendiums verließ Occean mit 20 Jahren sein Heimatland und studierte an der Southern Connecticut State University in den USA. Dort ging er fortan für die Universitätsmannschaft sowie für Vermont Voltage in der vierthöchsten Liga Nordamerikas auf Torejagd.

Norwegische Provinz statt New York



Kurz nachdem die ehemaligen New York MetroStars den bulligen Angreifer 2004 im MLS-Superdraft zogen, überzeugte Occean den norwegischen Erstligisten Odd Grenland in einem Testspiel von seinen Fähigkeiten. Von der Millionenmetropole an die norwegische Küste? Kein Rückschritt, wie der Stürmer im Interview mit der "Frankfurter Rundschau" versichert.

"Wenn du in den USA unter Vertrag stehst, hast du keinen Schutz. Die Spieler werden viel hin- und hergeschoben. Da heißt es schnell: Du kannst gehen. Deswegen habe ich das Angebot aus Norwegen angenommen."

Und Occean, der fünf Sprachen spricht, kommt in Nordeuropa gut zurecht. Nach zwei Spielzeiten und 22 Toren wird er vom mehrfachen norwegischen Meister Lillestrom SK für fünf Jahre unter Vertrag genommen. Bis 2010 erzielte der Stürmer 33 Tore und holte 2007 den Pokal mit dem LSK. Trotz der guten Leistungen, folgte der Wechsel in die 3. Liga nach Deutschland.

Collegeboy wird Bundesligaprofi



An den Offenbacher Kickers gefiel Occean vor allem die gelebte Fußball-Tradition, die er so aus Kanada nicht kannte. Nach dem verpassten Sprung in die 2. Bundesliga, hielt es den 1,86 Meter großen Stürmer jedoch nicht mehr in Hessen, weil seine Leistungen höherklassige Vereine überzeugten. Die SpVgg Greuther Fürth erhielt schlussendlich den Zuschlag für den Kanadier, der in Anlehnung an den amerikanischen Sänger Billy Ocean auch mal mit dessen Vornamen gerufen wird.

Mit und dank Occean gelang den "Kleeblättern" dann in der vergangenen Spielzeit der ersehnte Aufstieg. 17 Treffer und zehn Vorlagen steuerte der kanadische Nationalspieler zur Zweitligameisterschaft bei und war damit Topscorer der 2. Bundesliga. Mit dem Wechsel nach Frankfurt und der ersten Saison in der Bundesliga steht für den Kanadier vorerst der Höhepunkt seiner Karriere an.

Mehr als ein Torjäger



Neben der gesammelten Erfahrung zeichnet "Billy" seine Torgefahr ebenso aus wie seine Zweikampfstärke. Diese lag in der vergangenen Spielzeit bei für einen Stürmer beachtlichen 41 Prozent. Zudem ist der Kanadier jemand, der sich immer nur als Teil des Erfolges sieht. So lobte er oft die eigene Hintermannschaft, wenn er selbst durch seine Tore für wichtige Siege sorgte.

"Olivier Occean ist ein sehr torgefährlicher Spieler, der auch vorne die Bälle halten kann - nach solch einem Spieler haben wir gesucht", sagt Eintracht-Coach Armin Veh: "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Transfer klappt, er ist eine echte Verstärkung für das Team."

Vielleicht ist es gerade der ungewöhnliche Karriereverlauf, der Olivier Occean zu dieser speziellen Art Bundesligaprofi werden ließ. Seinem persönlichen Abenteuer wird auf jeden Fall ein neues Kapitel hinzugefügt.

Steffen Hoss