Köln - Der 1. FC Köln hat dank eines überzeugend herausgespielten 4:2-Heimsiegs gegen den 1. FSV Mainz 05 die Abstiegsränge verlassen und sich auf Platz 13 vorgeschoben. Lukas Podolski und Milivoje Novakovic sorgten mit ihren beiden "Doppelpacks" für eine ausgelassene Karnevalsstimmung im RheinEnergieStadion.

Was ist denn nur mit diesem 1. FC Köln passiert? Innerhalb von acht Wochen mutierte der Traditionsverein vom Patienten der Intensivstation zu einem quicklebendigen Springinsfeld, der mit spektakulärem Offensivfußball die Fans in einen kollektiven Rausch und die Liga in großes Staunen versetzt.

Köln hat wieder eine Festung

Sieben Wochen ist es erst her, dass der FC nach einer desolaten Vorstellung vom Zweitligisten MSV Duisburg im eigenen Stadion gedemütigt und aus dem Pokal verabschiedet wurde. Jetzt fegen die Kölner mit Werder Bremen (3:0), Bayern München (3:2) und Mainz 05 (4:2) nacheinander drei aktuelle Champions-League-Teilnehmer oder -kandidaten aus der neuen Festung.

Bereits vor dem Spiel gegen Mainz hatte die Kölner Boulevardzeitung "Express" den Abschied von der einstigen "Folterkammer" RheinEnergieStadion verkündet. Vergessen sind die unzähligen Darbietungen magerster Fußballkost der letzten zweieinhalb Jahre, als die Kölner bis zum Dienstantritt von Frank Schaefer unter ihren Coaches Christoph Daum und Zvonimir Soldo lediglich acht von 38 (!) Heimspielen siegreich gestalten konnten und auch dabei nur ganz selten spielerischen Glanz verbreiteten.

Unter Frank Schaefer gewannen die Geißböcke nun fünf ihrer sieben Heimpartien. Inzwischen wird der FC nach zuletzt vier Heimsiegen in Folge in der Heimtabelle sogar schon an Position 6 geführt. Nur drei Vereine (Bayern, Stuttgart und Hoffenheim) haben zudem im eigenen Stadion mehr Tore erzielt als die Kölner.

Grundsteinlegung in Belek

Was also ist passiert in den vergangenen Wochen? Eine ganze Menge. Drei neue Spieler sind da, ein neuer Mannschaftskapitän wurde bestellt, ein neuer Sportdirektor ist gekommen und ein neuer Teamgeist schweißt die Mannschaft zusammen. Im Trainingslager im türkischen Belek wurde die Basis für die neuen Erfolge gelegt, berichtet Christian Eichner.

"Wir hatten in Belek eine Aussprache. Jeder hatte seinen Rucksack mit seinen Sorgen und Vorstellungen mit sich herumgeschleppt. In Belek ist dann alles auf den Tisch gekommen", blickt der aus Hoffenheim gekommene Außenverteidiger zurück.

"Wir mussten als Mannschaft daran arbeiten, dass wir eine geschlossene Einheit werden. Da hatten wir noch einen enormen Nachholbedarf. Wir haben im Trainingslager Tag für Tag versucht, das zu verbessern. Da haben wir den Grundstein für den momentanen Erfolg gelegt", glaubt Christian Eichner.

Neuzugänge schlagen voll ein

Nicht nur Neuzugang Eichner tut der Mannschaft gut, auch die Verpflichtungen des Torhüters Michael Rensing und des im rechten Mittelfeld aktiven Slawomir Peszko erwiesen sich bislang als Volltreffer. "Manchmal passen Transfers direkt. Manchmal brauchen sie etwas Zeit. Unsere haben direkt gepasst. Alle drei haben gespielt und das sehr gut", freut sich Lukas Podolski, der neue FC-Kapitän. "Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ende."

Das weiß auch Trainer Frank Schaefer, der Architekt des sportlichen Erfolges, der sich nach der Inthronisierung des neuen Sportdirektors Volker Finke wieder ganz auf seine tägliche Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren kann. "Ich bin immer vorsichtig mit Prognosen", wehrt der bescheidene Coach alle Komplimente ab und die damit verbundene Hoffnung auf eine frühzeitige Rettung des Vereins, der erstmals in dieser Saison zwei Spiele hintereinander gewann.

Schaefer will auch auswärts punkten

"Wir haben erst den 22. Spieltag und stecken immer noch mitten im Abstiegskampf", sagt Schaefer. "Wir müssen hochkonzentriert weiterarbeiten und jetzt auch einmal auswärts punkten." Denn in der Auswärtstabelle steht der FC noch immer auf dem letzten Platz.

Am kommenden Samstag gastiert der 1. FC Köln in Hoffenheim. Dort gelang in der vergangenen Saison ein 2:0-Auswärtssieg. Wenn die Kölner in der Rhein-Neckar-Arena auch noch den dritten Sieg am Stück landen, dürfte in der Domstadt der Rosenmontag zwei Wochen vorverlegt werden.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski