Köln - Noch Minuten nach dem Schlusspfiff hallte das berühmte "Kölle Alaaf, Alaaf" durch das RheinEnergieStadion. Obwohl die närrischen Tage seit Aschermittwoch offiziell vorbei sind, hat der 1. FC Köln den Karneval kurzerhand verlängert. Nach dem 4:0 gegen Hannover 96, dem sechsten Heimsieg in Folge, kommen die Fans aus dem Feiern nicht mehr heraus. Eine solche Serie gab es zuletzt vor 23 Jahren.

Der in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade erfolgsverwöhnte Traditionsclub schunkelt sich momentan von einem Sieg zum nächsten. Nach Frankfurt, Bremen, Bayern, Mainz und Freiburg gab es auch für den Tabellendritten aus Hannover in der Domstadt nichts zu holen.

Erst Kamelle, dann Punkte für "Prinz Poldi"

Nachdem er am Rosenmontag noch auf dem Festwagen der "Roten Funken" durch die Straßen gefahren war, lief Lukas "Prinz Poldi" Podolski auch auf dem Rasen zu großer Form auf. Zunächst holte er den Freistoß zum 1:0 heraus, das 2:0 erzielte er nach tollem Solo höchstpersönlich und das 3:0 bereitete er für Milivoje Novakovic mustergültig vor.
Als Belohnung wechselte ihn sein Trainer Frank Schaefer in der 86. Minute aus, um ihm die "Standing Ovations" der begeisterten Zuschauer zu gönnen.

"Rosenmontag Kamelle geschmissen, heute drei Punkte geholt, das sind schöne Erlebnisse", kommentierte Podolski seine perfekte Woche.

Gefährliches Sturmduo

Mit sieben Treffern ist der 25 Jahre alte Nationalstürmer momentan der erfolgreichste Torschütze in der Rückrunde. Gemeinsam mit Novakovic bildet er eines der gefährlichsten Sturmduos der Liga. Beide haben jeweils elf Treffer auf ihrem Konto.

Auch der sonst eher zurückhaltende Slowene scheint derzeit vom rheinischen Partyvirus infiziert. "Vielleicht liegt es am Karneval, dass wir weiterhin zuhause so gut sind. Wenn man sieht, wie die Fans mitgehen und uns unterstützen, macht es einen Riesenspaß", sagt "Nova", der in drei der letzten vier Heimpartien jeweils einen "Doppelpack" erzielte.

Mit Schaefer kam der Erfolg zurück

Seit Frank Schaefer den Verein am 10. Spieltag der laufenden Saison als Tabellenletzter mit fünf Punkten übernommen hat, konnte sich der 1. FC Köln mit 27 Punkten aus 17 Spielen inzwischen akuter Abstiegssorgen entledigen. 22 Punkte holte die Mannschaft dabei allein im heimischen Stadion.

"Die Art und Weise wie wir hinten sicher stehen und dann überlegt nach vorne spielen, ist schon ein großer Unterschied zu früher", antwortete Podolski auf die Frage, was die Handschrift des Trainers ausmache: "Wir sind auf einem guten Weg, die Klasse zu halten. Trotzdem müssen wir noch ein wenig bangen, denn mit einer Niederlage rutscht man schnell wieder unten rein."

Dazu besteht zumindest in der eigenen Arena angesichts der starken Auftritte momentan offenbar keine Gefahr. Auch Trainer Schaefer gerät kurzzeitig ins Schwärmen. "Es ist schon fantastisch, so eine Begeisterung und so einen Zuspruch der Fans zu spüren", sagt der 47-Jährige, um bei aller Freude direkt anzufügen: "Unser Ziel muss es natürlich sein, nun auch auswärts einmal nachzulegen." Der letzte Sieg in der Fremde (1:0 beim VfB Stuttgart) datiert vom 13. Spieltag, seitdem stehen nur zwei magere Punkte zu Buche.

Rensing hält den Kopf hin

"Heimspiele sind die Basis für den Klassenerhalt, aber wir müssen uns auswärts noch steigern. Zuhause können wir uns mit den sensationellen Fans in einen Rausch spielen. Die Gegner kommen mittlerweile mit sehr viel Respekt zu uns", sagte Torwart Michael Rensing.

Der in der Winterpause verpflichtete Schlussmann hat großen Anteil am derzeitigen Höhenflug der Kölner. Der beim FC Bayern zunächst hoch gelobte und später aussortierte Schlussmann zeigte - wie schon in Dortmund - auch gegen Hannover wieder überragende Paraden. Einen Schuss von Jan Schlaudraff wehrte er in der 9. Minute gar mit dem Ohr ab und bewahrte sein Team so vor einem frühen Rückstand. "Es hat danach noch eine Minute gepiept", so Rensing, der den Ball mit voller Wucht an den Kopf bekommen hatte.
Auch sein Coach ist begeistert. "Was Michael hält, ist schon sensationell", sagte Schaefer.

Vertragsverlängerung nur Formsache

Ob der Erfolgstrainer, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, auch in der kommenden Saison auf der Kölner Bank sitzen wird, soll sich in Kürze entscheiden. Für Kapitän Podolski steht fest: "Wenn man sieht wie wir auftreten ist es nur eine Frage der Zeit, bis der neue Vertrag unterzeichnet wird."

Auf einen ähnlichen Auftritt wie gegen Hannover hoffen die Kölner auch am kommenden Spieltag beim schwer angeschlagenen Hamburger SV. Gut möglich, dass dann der kölsche Karneval noch zehn Tage nach Aschermittwoch im hohen Norden Einzug hält.

Aus Köln berichtet Markus Hoffmann