München - Er lernt von seiner Karate-Freundin Akrobatik, wurde von Nuri Sahin "The Body" getauft, ist der meistgefoulte, aber auch meistfoulende Spieler der Bundesliga. In München hat er einen ganz besonderen Fan. Er ist die Speerspitze des Meisters: Robert Lewandowski.

bundesliga.de präsentiert wissenswerte Fakten über den aktuell erfolgreichsten BVB-Torjäger.

Bloß kein Zungenbrecher!

Der Sport liegt den Lewandowskis im Blut. Vater Krystof war polnischer Judo-Meister und spielte Zweitliga-Fußball. Mutter Iwona war Volleyballerin, Schwester Milena ist es heute noch. Dass ihr Spross nicht nur in Polen für Furore sorgen würde, ahnte die Warschauer Familie bereits sehr früh. Um ausländische Journalisten und Fans vor Zungenbrechern wie Andrzej oder Grzegorz zu bewahren, wurde der Bub vorsorglich Robert genannt.

So kann man sich täuschen

"Der passt nicht in unsere Philosophie. Bei uns käme er nur für die Bank infrage." Legia Warschaus Trainer Jan Urban war der junge Stürmer nicht gut genug - der wohl größte Irrtum seiner Karriere. So machte Lewandowski den Dritt- und späteren Zweitligisten Znicz Pruszkow und danach Warschaus Ligakonkurrent Lech Posen mit seinen Toren glücklich. In der dritten, zweiten und ersten polnischen Liga wurde er Torschützenkönig, allein für Posen traf er in 58 Spielen 32 Mal - und die ausländischen Teams standen Schlange. Lech-Besitzer Jacek Rutkowski wehrte sich zunächst dagegen - aber gab dann doch zu: "Er ist schlicht zu gut für die polnische Liga."

Chancentod? Meistertorschütze!

Als "schwierigsten Transfer, den wir je auf die Beine gestellt haben", aber zugleich als "spannendsten polnischen Spieler der letzten zehn, fünfzehn Jahre", beschrieb BVB-Coach Jürgen Klopp seine Verpflichtung. Rechtsfuß Lewandowski musste sich aber zunächst hinter Lucas Barrios anstellen. Der Neuzugang war mit "nur" acht Saisontoren zwar schnell als "Chancentod" verschrien, glänzte aber oft von der Bank aus, war der zweitbeste Joker der Saison. Erst nach der Verletzung von Shinji Kagawa spielte er sich in der Meisterelf fest - und erzielte beim entscheidenden Sieg über Nürnberg, nach dem Dortmund als uneinholbarer Tabellenführer feststand, das erlösende 2:0.

Liebesglück

In seiner Heimat ist Lewandowski ein Superstar, war beispielsweise auf dem polnischen Cover von "FIFA 10" und wurde 2011 "Fußballer des Jahres". Die Klatschpresse verfolgt ihn und seine bildhübsche Freundin, die Karatekämpferin Anna Stachurska (unter anderem WM-Bronze 2008), auf Schritt und Tritt. "Aber wir sind nicht die Beckhams Polens", sagte er der "Bild". Von seiner Anna hat er sich in gemeinsamen Trainingseinheiten einiges an Akrobatik abgeschaut, so glänzte er bei seinem ersten Testspiel für Dortmund gleich mit einem Fallrückziehertor der Marke "Tor des Monats". Trotzdem: "Ich werde nie mit Anna auf die Karate-Matte gehen. Sie hat zu gute Reflexe."

Polonia Dortmund

Seine Eingewöhnung wurde dem Mittelstürmer durch zwei Landsmänner enorm erleichtert: "Lolek und Bolek" (Helden einer polnischen Comicserie), wie Klopp sein dynamisches Duo Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski auf der rechten Seite nennt, nahmen Lewandowski unter ihre Fittiche. In der Meistersaison war nur Piszczek Stammspieler - in dieser Spielzeit ist die "polnische Achse" einer von Dortmunds großen Trümpfen. Die drei Nationalspieler spielen seit Wochen in Bestform. Klopp: "Was ihre Effektivität angeht, tendiert das gegen einhundert Prozent. Ich stehe auf solche Spieler."

Ballermann

Zuerst noch "Chancentod", dann Stammspieler und mittlerweile unangefochtene Nummer eins im BVB-Sturm, mit 16 Toren und acht Vorlagen bester BVB-Schütze und -scorer, und von den bundesliga.de-Usern zum "Spieler der Hinrunde" gewählt - Lewandowski entwickelt sich bemerkenswert schnell. Auch, dass er nun auf seiner "Lieblingsposition" im Sturmzentrum agieren kann, hilft ihm dabei. "Er ist aufgegangen wie eine Blume", sagt Klopp. Und Lewandowski strotzt vor Selbstbewusstsein: Kein Spieler der Bundesliga hat in dieser Saison öfter aufs Tor geschossen (97 Mal).

Hoffnungsträger

Nicht nur beim Deutschen Meister, sondern auch in der polnischen Nationalelf ist Lewandowski als einzige Spitze gesetzt. Seitdem er im September 2008 für sein Land debütierte und direkt knipste, hat er in 40 Einsätzen 13 Tore für Polen erzielt. Dem deutschen Publikum bleibt dabei der 1:0-Führungstreffer beim Einweihungsspiel des EM-Stadions in Danzig in Erinnerung (Endstand: 2:2). Wenn es nach den Polen geht, soll er das beim Turnier gerne wiederholen. Viele Experten trauen der Elf von Trainer Franciszek Smuda bei der Heim-EM 2012 eine Überraschung zu. Lewandowski ist dabei der große Hoffnungsträger des Landes.

"The Body"

Nuri Sahins Spitzname für Lewandowski war schlicht "Der Körper". "Er hat einen muskulösen Body ohne Ende, da staunt die ganze Mannschaft", sagte der Taktgeber der Meisterelf. Und dass sich nicht nur Lewandowskis Teamkollegen am Sixpack des 23-Jährigen ein Beispiel nehmen können, postete er kürzlich Fotos auf seiner Facebook-Seite. Dabei sei nur so viel verraten: Wer diese Bilder sieht, weiß, dass Dortmunds Nummer 9 den Spitznamen nicht umsonst trägt.

Austeilen und einstecken

Dass er seinen Prachtkörper nicht nur geschickt in Stellung bringen und vollstrecken kann, sondern sich auch für Defensivarbeit nicht zu schade ist, zeigen die Statistiken. Lewandowski führte ligaweit die meisten Zweikämpfe und verübte von allen Dortmundern die meisten Fouls. 58 Mal warf er sich unfair dazwischen. Aber wer austeilt, muss auch einstecken können - das gilt auch für den Polen. 64 Mal, so oft wie kein anderer Spieler der Bundesliga, wurde Lewandowski gefoult.

Verhinderter Auftritt

Der beste Knipser des Deutschen Meisters und Tabellenführers ist ein viel gefragter Mann - auch beim Fernsehen. Deswegen sollte Lewandowski auch nach dem Sieg über Bremen im "Aktuellen Sportstudio" auftreten. Der Stürmer war auf dem Weg ins Studio, nur kam er nie dort an. Eine Brücke über der Autobahn wurde abgerissen, Lewandowski steckte in der Vollsperrung. Ein Plan, ihn per Hubschrauber einzufliegen, scheiterte. Der Termin soll nachgeholt werden, Lewandowski kehrte um und sah sich zuhause das "Sportstudio" an.

Grüße aus München

"Er gefällt mir: torgefährlich, ein guter Körper, stark am Ball. Für mich ist Lewandowski Dortmunds bester Spieler, sogar noch wertvoller als Götze." Diese Worte stammen ausgerechnet von Franck Ribery, Star des größten Dortmunder Meisterschaftskonkurrenten Bayern München. Trotz des sportlichen Wettbewerbs zwischen BVB und FCB kam der französische Edeltechniker nicht umhin, Lewandowskis herausragende Saison zu würdigen. "Wenn ein berühmter Kollege eine solche Meinung äußert, dann freut mich das natürlich", antwortete Lewandowski im bundesliga.de-Interview.

Christoph Gschoßmann