Enttäuschung in Nürnberg, Befreiungsschlag für Hamburg: Während die Lage bei Aufsteiger 1. FC Nürnberg immer bedrohlicher wird, hat sich der HSV nach zuletzt sieben Spielen ohne Sieg eindrucksvoll im Titelkampf der Bundesliga zurückgemeldet.

Nach dem souveränen 4:0 (0:0) beim "Club" war die Welt bei Trainer Bruno Labbadia wieder in Ordnung. Dagegen gehen der 1. FCN und sein Coach Michael Oenning ganz schweren Zeiten entgegen.

Vertrauen in Oenning

Doch auch nach der dritten Pleite in Folge stellte sich der "Club"-Chef hinter den Trainer. Es sei zwar "erschreckend", wie die Mannschaft in der zweiten Halbzeit auseinandergefallen sei, sagte FCN-Präsident Franz Schäfer, aber: "Michael Oenning hat Vertrag bis 2011, den soll er auch erfüllen." Der Verein habe "bisher Ruhe bewahrt. Und wir werden auch jetzt nicht durchdrehen", führte Schäfer weiter aus.

Beim HSV dagegen ist der Knoten geplatzt. "Es ist ein schönes Gefühl: endlich mal wieder ein Sieg. Ansonsten hätten wir ein Problem gekriegt", meinte ein zufriedener Labbadia, nachdem sich sein Team in der zweiten Hälfte im Stile einer Spitzenmannschaft präsentiert hatte.

Jansen und Elija ragen heraus

Der starke Eljero Elia, der überragende Marcell Jansen und Tunay Torun schossen den höchsten Saisonsieg der Norddeutschen heraus. Zuletzt hatten sie am 4. Oktober in Berlin (3:1) gewonnen.

Diese Partie damals war auch das letzte Spiel von Beginn an für Mladen Petric, der in Nürnberg nun seine Rückkehr in die Startformation feierte. Einen Zusammenhang zwischen der Negativserie und seinem Fehlen wollte der Kroate aber nicht herstellen: "Ich bin nur ein Baustein in dieser Mannschaft." Labbadia sah dies schon etwas anders: "Mladen ist ein wichtiger Eckpfeiler. Man hat gemerkt, dass er wieder da ist."

"Wir haben alle Möglichkeiten"

Vier Punkte trennen den HSV nach dem laut Jansen "extrem wichtigen Sieg" von Spitzenreiter Leverkusen. In der Europa League steht nun am Donnerstag das abschließende Vorrundenspiel bei Hapoel Tel Aviv an, am Sonntag kommt es dann zum brisanten Nordderby gegen Werder Bremen.

"In der Europa League wollen wir in unserer Gruppe Erster werden und dann freuen wir uns auf Sonntag. Es liegt an uns, etwas zu holen. Wir haben alle Möglichkeiten", sagte Labbadia zu den Zielen des HSV.

Oenning glaubt an sein Team

In Nürnberg herrschte dagegen "Enttäuschung pur", wie es Oenning ausdrückte. Auch er konnte es nicht fassen, wie sein Team nach dem 0:1 "die Flügel hängen ließ und wir uns ergeben haben. Das zeigt unsere mentale Lage im Moment. Wenn eine Stellschraube nicht greift, brechen die Dämme."

Oenning ist nun vor dem Duell in Köln als Psychologe gefragt. "Wir sind in einer sehr schwierigen Phase, wir müssen als Mannschaft und Verein da durch. In Köln gilt es, mit aller Macht was mitzunehmen. Da haben wir eine neue Chance, in die Spur zurückzukehren", sagte der Coach.

Seine junge Mannschaft sei "gefestigt genug, sich den Dingen zu stellen. Wir wollen weiter an uns glauben", fügte er an und blickte schon einmal ein paar Wochen voraus: In der Winterpause sei "eine Konsolidierung" angesagt, "da müssen wir dann aus unseren Fehlern lernen".