Gelsenkirchen - Als der Weltstar sich die Ehre gab, wurden die Mitspieler zu Fans. Nach dem Traum-Debüt der spanischen Torjägerlegende Raul für den deutschen Vizemeister Schalke 04 beim Vorbereitungsturnier im eigenen Stadion erstarrten die neuen Teamkollegen vor Ehrfurcht. "Raul den Ball zu geben, ist so, als würde man sein Geld einer Schweizer Bank anvertrauen", sagte Ivan Rakitic voller Bewunderung über den Spanier, dem im Finale gegen den deutschen Meister Bayern München gleich ein "Doppelpack" gelungen war.

Während Raul sich sympathisch, höflich und gleich auch wieder enorm torgefährlich zeigte, trauten sich die anderen Spieler kaum, ihm in die dunklen Augen zu schauen. "Mit so einem mal zu spielen, davon habe ich mein Leben lang geträumt", sagte Alexander Baumjohann und ergänzte: "Bisher kannte ich ihn nur von der Playstation."

Begrüßt wie ein Heilsbringer

Das Idol selbst dagegen ist tatsächlich so bescheiden und freundlich, wie es ihm immer zugeschrieben wurde. "Ich freue mich sehr, dass ich hier so warmherzig empfangen worden bin. Vor allem die Zuwendung der Fans habe ich sehr genossen", sagte der 33 Jahre alte Stürmerstar, der bei Real Madrid Legendenstatus besitzt. 228 Tore in 550 Ligaspielen sprechen für sich.

Die Schalker Fans begrüßten Raul wie einen Heilsbringer. Beinahe jeder Ballkontakt wurde von 30.000 Zuschauern bejubelt, langgezogene "Rauuuuul"-Sprechchöre gab es im Minutentakt, Hunderte trugen schon die Nummer 7 auf dem Rücken. Vielleicht, das ist die Hoffnung, führt Raul die "Königsblauen" ja zum ersten Meistertitel seit 1958. "Die Stimmung war sehr gut", sagte Raul dann auch brav, "ich war freudig überrascht."

Und Schalke-Trainer Felix Magath sah keinen Anlass, die Euphorie um seinen Königstransfer zu bremsen. "Sein Pass zum zweiten Tor war genial", sagte Magath nach dem 2:1 im Halbfinale gegen den Hamburger SV. 24 Stunden später setzte der Spanier noch einen drauf und ließ im Endspiel gegen Bayern München (3:1) einen "Doppelpack" inklusive Traumtor folgen.

Nicht einmal eine Woche nach Bekanntgabe seines Wechsels hatte Raul bewiesen, was sowieso niemand bezweifelte: Der Spanier wird eine Top-Verstärkung sein und dem Schalker Spiel eine neue Qualität verleihen. Dabei ist er noch gar nicht richtig im Training. "Ich muss jetzt versuchen, sehr hart zu trainieren und so schnell wie möglich topfit zu werden", sagte er.

"Ein Spieler von sehr hoher Qualität"

Der Eindruck ist: Die Abwehrreihen in der Bundesliga müssen sich warm anziehen. "Er ist ein Spieler von sehr hoher Qualität. Er wollte unbedingt spielen, dabei wollte ich ihn noch gar nicht aufs Feld lassen", sagte Magath und wirkte fast ein wenig überrascht von solcher Professionalität.

Für Raul beginnt nun die Eingewöhnung. Gelsenkirchen statt Madrid, das muss erst einmal verdaut werden. Wohnen wird Raul im Ruhrpott jedenfalls nicht - er hat mit seiner Ehefrau Mamen Sanz und den fünf Kindern, die er allesamt nach Fußball-Stars benannt hat, ein Haus in Düsseldorf bezogen. Auf der Straße werden seine neuen Teamkollegen ihm also nicht begegnen.