Wolfsburg - Gerade mal acht Minuten war Sebastian Polter auf dem Platz, da bescherte der 20-Jährige dem VfL Wolfsburg und seinen Fans mit dem Treffer zum 1:0-Endstand am Ende einer wenig befriedigenden Vorrunde doch noch ein versöhnliches Weihnachtsfest.

"Ich musste mich korrigieren und einen richtigen Stürmer bringen", erläuterte Felix Magath, warum er den erfahrenen Hasan Salihamidzic bereits 20 Minuten nach dessen Einwechslung zur "Höhststrafe" verurteilte und ihn wieder vom Platz holte.

Ein Glücksgriff. Für den Ex-Bayern kam Polter zu seinem zweiten Bundesliga-Einsatz. Der Rest ist Geschichte. Nach dem Spiel stellte sich der Stürmer strahlend den Vertretern der Medien. Für den Cuxhavener war eine lange Leidenszeit zu Ende gegangen. Immer wieder hatten den Norddeutschen Verletzungen zurückgeworfen. Ans Aufhören habe er aber nie gedacht. "Ich habe immer an mich geglaubt", so Polter.

Frage: Zweites Bundesligaspiel, erstes Tor - und dann so ein wichtiges. Wie fühlen Sie sich?

Sebastian Polter: Ich kann es noch gar nicht realisieren. Ich habe in einer Woche zwei Bundesligaspiele gemacht. Daran war vor einem halben Jahr gar nicht zu denken.

Frage: Was war der Grund?

Polter: Ich habe mir im ersten Testspiel vor der Saison die Schulter ausgekugelt und musste zweieinhalb Monate pausieren.

Frage: Nicht ihre erste Verletzung...

Polter: Stimmt. Im April letzten Jahres hatte ich mich schon einmal an der Schulter verletzt. Daher waren die Ärzte im Sommer auch von einer längeren Pause ausgegangen. Außerdem habe ich mir bereits zwei Mal den Mittelfuß gebrochen. Das hat mich immer wieder zurückgeworfen. Es war zum Verzweifeln.

Frage: Haben Sie mal ans Aufhören gedacht?

Polter: Nein. Ich habe immer an mich geglaubt. Außerdem haben meine Frau und meine Familie mich immer unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Frage: Vor der Einwechslung haben sowohl Trainer Felix Magath als auch Co-Trainer Bernd Hollerbach lang mit Ihnen geredet. Was gab es zu besprechen?

Polter: Der Trainer hat gesagt, ich soll Gas geben wie letzte Woche in Bremen. Und Bernd Hollerbach hat mir noch einmal meine Position und die Laufwege bei Standards erklärt.

Frage: Beim Tor standen Sie dann ja goldrichtig. Zufall?

Polter: Nein. Marcel Schäfer hat mir erklärt, in welchem Moment der Pass kommt, wenn er in den Strafraum eindringt. So hat er in den letzten Jahren für Edin Dzeko viele Tore vorbereitet. Und auch Mario Mandzukic hat in dieser Saison schon solche Treffer erzielt. Marcel hat mir sehr geholfen, seit ich beim VfL bin. Er gehört neben Hasan Salihamidzic und Christian Träsch zu meinen Ansprechpartnern im Team. Von ihnen habe ich viel gelernt.

Frage: Ausgerechnet für Salihamidzic sind Sie eingewechselt worden. Der war selbst erst 20 Minuten zuvor für Yohandry Orozco ins Spiel gekommen...

Polter: Das war bestimmt hart für "Brazzo". Aber er ist Profi durch und durch. Keiner im Team hat so viel Erfahrung. Das wird ihn nicht umwerfen.

Frage: Zwei Spiele in Folge. Und ausgerechnet jetzt kommt die Winterpause...

Polter: Das ist auf der einen Seite wirklich schade. Andererseits freue ich mich auf die Pause. Ich werde erstmals eine Vorbereitung mitmachen können. Das wir mir helfen, mich weiterzuentwickeln.

Frage: Wo müssen Sie denn noch besser werden?

Polter: Ich bin noch ein junger Spieler. Ich kann in allen Belangen dazulernen.

Frage: Felix Magath hat angekündigt, in der Winterpause Verstärkungen zu holen. Auch für die Offensive. Ein Nachteil für Sie?

Polter: Für mich wäre es natürlich nicht schön, wenn ein Stürmer kommen würde. Aber man muss den Verein verstehen. Wir sind in der Vorrunde weit hinter unseren Erwartungen zurükgeblieben. Aber egal, ob ein neuer Stürmer kommt oder nicht: Ich werde weiter Gas geben und auf meine Chance bauen. Felix Magath hat bewiesen, dass er auf junde Spieler baut. Nehmen Sie nur Julian Draxler und Joel Matip bei Schalke 04 oder Bjarne Thoelke bei uns.

Frage: Sie sagten es gerade: Der VfL ist hinter den Erwartungen zurükgeblieben. Befürchten Sie wieder Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag?

PPolter: Nein. Felix Magath hat in seiner Laufbahn viel Erfolg gehabt und wird auch diese Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurükbringen.

Frage: Es ist Winterpause. Werden Sie Ihr erstes Tor groß feiern?

Polter: Nein. Ich werde mit meiner Frau essen gehen. Ich freue mich, dass sie im Stadion dabei war. Sie hat auch schon mein Trikot. Das wird zuhause bestimmt einen Ehrenplatz bekommen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs