Exakt 96 Tage ist es nun her, seit Luca Toni das letzte Mal an seinem Ohr schrauben konnte, seinem typischen Jubel nach einem Torerfolg.

Gleich drei Mal war der Italiener am letzten Spieltag am 17. Mai gegen Berlin erfolgreich und holte sich mit 24 Treffern gleich in seiner ersten Bundesliga-Saison die Torjägerkanone. Doch seitdem konnte "Il Bomber" nicht mehr schrauben.

Bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz blieb der 31-Jährige glück- und torlos und hat seitdem kaum gespielt. Eine langwierige Verletzung an der Wade hat den Weltmeister von 2006 außer Gefecht gesetzt, doch jetzt meldet sich Luca Toni zurück: "Ich fühle mich fit und habe auch mit der Mannschaft trainiert, aber der Trainer entscheidet, ob ich spielen werde."

Einsatz von Luca Toni noch fraglich

Diese Entscheidung hat Jürgen Klinsmann aber noch nicht getroffen: "Der Einsatz von Luca ist noch fraglich, aber er wird auf alle Fälle mit nach Dortmund reisen. Wir haben drei Stürmer im Kader und einer davon wird auf der Bank Platz nehmen müssen. Wer das sein wird, das werden wir dann am Samstag sehen".

Schlecht stehen die Karten für Luca Toni jedoch nicht, ist er doch so etwas wie der "Angstgegner" der Dortmunder. In drei Begegnungen gegen die Borussen traf der Bayern-Stürmer gleich vier Mal. Das letzte Mal am 19. April in Berlin, als der Italiener im Pokalfinale gegen die "Schwarz-Gelben" doppelt einnetzte und am Ende den ersten Vereinstitel seiner Karriere feiern konnte.

Und so brennt Luca Toni förmlich auf seinen Einsatz gegen Dortmund. "Ich kann es kaum erwarten, wieder zu spielen: Ich brauche es einfach, auf dem Feld zu stehen und wieder das Adrenalin im Blut zu spüren."

Auch seiner Torflaute will er endlich ein Ende setzen. "Natürlich will ich unbedingt am Samstag treffen. Ich will auch wieder Torschützenkönig werden. Wichtig ist aber, dass wir ein gutes Spiel machen und gewinnen", gibt sich der Italiener gegenüber bundesliga.de zielorientiert.

Demichelis überraschend wieder im Training

Und damit verfolgt er die selben Ziele wie sein Trainer Jürgen Klinsmann, der an eine mögliche Niederlage im Ruhrpott keinerlei Gedanken verschwendet: "Mit der Denkweise, das Spiel zu verlieren, fahren wir überhaupt nicht nach Dortmund. Wir wollen das Spiel ganz klar gewinnen und am Ende vier Punkte auf unserem Konto haben."

Hilfe könnte Klinsmann dabei von Martin Demichelis bekommen. Völlig überraschend konnte der Argentinier, der an einer Unterschenkelverletzung laborierte, wieder mittrainieren. "Die Ärzte haben Micho gestern wieder grünes Licht gegeben und er ist sofort ins Mannschaftstraining eingestiegen", zeigt sich Klinsmann gegenüber bundesliga.de ob der überraschend schnellen Heilung seines Innenverteidigers erfreut. Ob Demichelis allerdings schon am Samstag wieder auf dem Platz stehen wird, ließ Klinsmann offen.

Auch die anderen Betten im teilweise vollbesetzten Bayern-Lazarett verwaisen so langsam. Hamit Altintop meldete sich nach einer leichten Sprunggelenksverletzung ebenso fit, wie Toni Kroos, der unter einem Bluterguss im Oberschenkel litt.

Einsatz von Podolski "kein Problem"

Auch der Einsatz von Lukas Podolski, dessen Brust nach einer Kung-Fu-Attacke des belgischen Nationalkeepers Stijn Stijnen zwei knallrote Striemen zieren, ist nach Aussage von Klinsmann "kein Problem".

Damit kann der Bayern-Coach im Sturm wieder aus dem Vollen schöpfen, mit der Hoffnung, dass sich das bisherige Problemkind des Rekordmeisters wieder auf dem Weg der Besserung befindet. "Jeder Stürmer hat mal eine kleine Durststrecke, dennoch haben wir hier einen sehr guten Sturm und Jürgen Klinsmann hat die Qual der Wahl", gibt sich Luca Toni bei bundesliga.de positiv.

Und sollte bei den Bayern weiterhin Sturmflaute herrschen, hat der Italiener auch schon einen Plan B in der Tasche. "Jürgen war früher selbst ein Weltklasse-Stürmer. Wenn es bei uns nicht läuft, muss er sich vielleicht mal selbst einwechseln", lacht "Il bomber".

"Wir freuen uns auf Dortmund"

Die Stimmung ist also - trotz der verlorenen Punkte gegen Hamburg - locker und gelassen und man ist heiß an der Säberner Straße auf das Duell mit dem Rivalen aus dem Ruhrpott. "Wir freuen uns alle auf Dortmund, auf ein volles Haus und ein tolles Publikum. Für jeden Spieler ist es ein Highlight in der Saison vor über 80.000 Zuschauern zu spielen", sagt Jürgen Klinsmann und wischt alle Bedenken ob des verlorenen Testspiels im Signal-Iduna-Park Ende Juli sofort vom Tisch.

"Das war ein Testspiel ohne Vergleichmöglichkeiten. Unsere Späteinsteiger waren gerade Mal sechs Tage im Mannschaftstraining, deswegen kann man aus diesem Spiel keine Schlüsse für Samstag ziehen", so der ehemalige Bundestrainer zu bundesliga.de.

Eines ist den Bayern jedoch klar: "Es wird sicherlich ein sehr schweres Spiel, aber wir müssen versuchen, in Dortmund zu punkten. Es ist der Anspruch der Bayern, immer jedes Spiel zu gewinnen", so Luca Toni, der am Samstag gegen Dortmund wieder so gerne an seinem Ohr rumschrauben würde.

André Wagner