Tourrettes - Über "Klein-Holland" geht es zur EM: "Die Schweiz ist für uns jetzt ein sehr guter Gegner, sie sind so etwas wie das kleine Holland", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der sich die Wackelkandidaten und die Anwärter auf die Stammplätze am Samstag im Länderspiel in Basel gegen die Eidgenossen (ab 17.45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) noch einmal genau anschauen will: "Das ist ein gutes Testspiel, um weitere Erkenntnisse zu sammeln."

Drei Tage nach dem vorletzten Test vor der Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli), der exakt zwei Wochen vor dem ersten EM-Spiel am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal über die Bühne geht, muss Löw vier Spieler aus seinem Kader streichen. Am Ende werden 23 Profis ein EM-Ticket erhalten. Die Aussortierten, die sich derzeit noch im Trainingslager im südfranzösischen Tourrettes quälen, sollten das nach Ansicht Löws aber nicht als das Ende der Welt begreifen.

Draxler erhält Chance



"Diese Streichung wird mir ein bisschen zu negativ gesehen. Natürlich tut das auch mir weh, alle haben zwei Wochen um die EM-Plätze gekämpft", sagte der Bundestrainer, der am Vorabend seiner Pressekonferenz am Freitag mit dem gesamten Betreuerstab ein wenig Entspannung im einem malerischen gelegenen Restaurant gesucht hatte: "Der ein oder andere Spieler wird auf das, was in Zukunft kommt, vorbereitet. Alle Spieler haben die Chance, in Zukunft bei der Nationalmannschaft dabei zu sein."

Das gilt für die Streichkandidaten Julian Draxler, Marcel Schmelzer, Cacau, Sven und Lars Bender, Ilkay Gündogan sowie die Torhüter Ron-Robert Zieler und Marc-Andre ter Stegen. In der Partie gegen die Schweizer Auswahl von Trainer Ottmar Hitzfeld dürfen sich auf jeden Fall Draxler, der sein Debüt feiern wird, Schmelzer und Gündogan beweisen. Das kündigte Löw an.

Löw probiert aus



Insgesamt wird der Großteil der Profis, die derzeit in Tourrettes schwitzen, die Möglichkeit zum Schaulaufen bekommen. Da die acht Nationalspieler von Rekordmeister Bayern München als Folge der bitteren Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea noch fehlen, stehen nur 19 Spieler zur Auswahl. Auf die Bayern-Profis kann Löw erst bei der EM-Generalprobe am 31. Mai in Leipzig gegen Israel zurückgreifen.

Bei der Partie in Basel steht aber nicht nur für die von einer möglichen Ausmusterung betroffenen Profis viel auf dem Spiel. Auch sichere EM-Fahrer müssen den Bundestrainer im Kampf um einen Stammplatz von sich überzeugen. So will Per Mertesacker unter Beweis stellen, dass er trotz seiner langen Verletzungspause den Job des Abwehrchefs übernehmen kann. Der Innenverteidiger des FC Arsenal hat aufgrund seiner Knöchelverletzung seit Februar kein Spiel mehr absolviert.

Auch für Miroslav Klose, der als Ersatz für Kapitän Philipp Lahm das Team anführen wird, ist das Schweiz-Spiel wichtig. Der 33 Jahre alte Torjäger von Lazio Rom, der zuletzt wegen diverser Probleme im Training kürzer treten musste, will "sehen, wo ich stehe". Die beiden spanischen Meister Mesut Özil und Sami Khedira werden laut Löw nicht das komplette Spiel absolvieren.

Letzte Phase der EM-Vorbereitung



Nach dem Schweiz-Spiel beginnt endgültig die heiße Phase der Vorbereitung. Wenn die Spieler am frühen Sonntagmorgen wieder im Teamhotel in Südfrankreich eintreffen werden, können sie endlich auch die Bayern-Profis begrüßen. Als erste Integrations-Maßnahme für die Münchner steht am Sonntag der Besuch des Formel-1-Rennens in Monaco auf dem Programm. Am Montag werden Lahm, Bastian Schweinsteiger und Co. dann ins Training einsteigen.

"Die schwierigen Etappen kommen jetzt. Dabei werden mannschaftstaktische Dinge im Vordergrund stehen, die Bayern müssen ein bisschen was nacharbeiten. Die alles entscheidende Woche wird die vor dem ersten Spiel sein", sagte Löw, der den Bayern-Profis einen Freifahrtschein ausstellte: "Die Bayern-Spieler haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Leistungsträger sind. Man kann davon ausgehen, dass sie auf jeden Fall dabei sind."

Die Niederlage im Finale der Königsklasse spielt für Löw keine Rolle mehr. "Ich sehe die Sache als völlig abgehakt an. Ich habe mit den Bayern-Spielern gesprochen, dabei haben alle von neuen Zielen und neuer Motivation gesprochen", sagte der Trainer, der die leichten Verletzungen von Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng nach Rücksprache mit der medizinischen Abteilung der Bayern als "problemlos" ansieht.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung für das Schweiz-Spiel:

Wiese - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Schmelzer - Khedira, Gündogan - Götze, Özil, Podolski - Klose