Berlin - Es sind keine einfachen Tage für Entscheidungsträger, Spieler und Fans von Hertha BSC. Nach der erschreckenden 0:5-Niederlage beim VfB Stuttgart sah sich Geschäftsführer Michael Preetz genötigt, die Reißleine zu ziehen und Cheftrainer Michael Skibbe nach nur vier Bundesliga-Spielen zu entlassen.

Die Bilanz von vier Niederlagen, das Aus im DFB-Pokal und nur ein Pflichtspieltor (bei zwölf Gegentreffern) gaben Preetz nach eigener Aussage keinen Handlungsspielraum mehr: Er musste seinen "Fehler eingestehen", den ehemaligen Bundestrainer als Nachfolger von Markus Babbel nach der Hinrunde installiert zu haben.

"Niederlage gegen den BVB kann man jedem verzeihen"

Während sich Preetz auf die Suche eines neuen Chefcoaches macht, übernehmen zunächst einmal zwei ehemalige Bundesligaspieler den Job auf der Bank: Rene Tretschok und Ante Covic sollen die Berliner auf das nächste Spiel vorbereiten - dann gastiert ausgerechnet Borussia Dortmund im Olympiastadion.

Einer, der Tretschok aus seiner Zeit beim 1. FC Köln kennt, ist Peter Neururer. Als damaliger "Geißbock"-Coach hatte er den Mittelfeldspieler in der Saison 1997/98 unter seinen Fittichen - und kann nur Positives über ihn berichten. "Er hat immer vorbildliche Leistungen gezeigt, war sehr professionell. Allerdings hatte ich damals noch keine Gedanken verloren, ob er irgendwann einmal Trainer wird."

Für die beiden Jung-Trainer ist das Duell gegen den BVB eine Bewährungsprobe mit Paukenschlag-Potenzial - denn einen Berliner Sieg über den Deutschen Meister haben wohl die Wenigsten auf der Rechnung. Ob es allerdings ein Vorteil sein kann, dass das Interims-Duo ausgerechnet gegen den BVB seinen Einstand feiert, lässt Neururer offen. "Eine Niederlage gegen Borussia Dortmund kann man jedem verzeihen, weil sie an der Tabellenspitze stehen. Für Hertha muss es allerdings in der jetzigen Situation egal sein, gegen wen sie spielen. Bei diesem bedrohlichen Abstand zu den Abstiegsplätzen muss man gegen jede Mannschaft punkten."

Viele Titel mit dem BVB - allerdings meist in der zweiten Reihe

Für Tretschok, der als technisch beschlagener Mittelfeldspieler in 180 Bundesliga-Spielen 23 Tore schoss und 31 Torvorlagen gab, kommt es dann zu einem Wiedersehen mit seinem Ex-Club: Als 23-Jähriger wechselte er damals vom Hallescher FC nach Dortmund. Sein Bundesliga-Debüt feierte Tretschok am 24. Oktober 1992 bei einem 4:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Allerdings kam er in seiner ersten Saison nur auf insgesamt vier Einsätze und wurde 1993/94 an Tennis Borussia Berlin ausgeliehen.

Nach seiner Rückkehr 1994 blieb er weitere drei Jahre in Dortmund und feierte dabei große Erfolge: Deutscher Meister 1995 und 1996 sowie den Sieg der Champions League 1997. Echter Stammspieler war Tretschok allerdings nie. In seiner letzten Saison für Dortmund kam er auf 22 Saisonspiele, das war Höchstwert.

"Ein Thema für die Medien"

Das persönliche Highlight für den heute 43-Jährigen war das Champions-League-Halbfinale, als sich Tretschok mit dem 1:0-Siegtreffer gegen Manchester United am 9. April 1997 in die Herzen der BVB-Fans schoss. Nach einer Spielzeit in Köln ging es 1998 zu Hertha BSC - zu dem Club also, bei dem er am Samstag sein Debüt als Bundesliga-Cheftrainer feiern wird.

Dass er seine Premiere als Bundesliga-Coach ausgerechnet gegen seinen Ex-Club bestreiten wird, tangiert Tretschok nicht: "Das ist eher ein Thema für die Medien. Für mich ist das gar nicht interessant. Es sind die zwei Vereine, für die ich die meisten meiner Spiele absolviert habe. Aber diese Dinge muss man ausblenden. Ich lebe seit 14 Jahren in Berlin, bin seit 1998 mit Unterbrechungen bei Hertha."

Den großen Durchbruch nicht geschafft

Neben Tretschok nimmt mit Ante Covic ebenfalls ein Jugendcoach auf der Hertha-Bank Platz. Während sein Partner seit dem 1. Juli 2009 Trainer der U-19-Auswahl ist, betreut Covic die U-15. Der Kroate debütierte 1994 in der Bundesliga, wechselte von Hajduk Split im Alter von 18 Jahren zum VfB Stuttgart und war dort "Joker vom Dienst". In all seinen 13 Spielen wurde er eingewechselt, war dabei an beachtlichen sieben Toren beteiligt (zwei Tore, fünf Torvorlagen).

Nach einer Spielzeit beim 1. FC Nürnberg (ein Tor in 24 Zweitligaspielen) zog es Covic nach Berlin, wo er 1996/97 mit vier Toren in 28 Spielen zum Aufstieg der Hertha seinen Teil beitrug. Anschließend kam Covic nur noch selten zum Einsatz, insgesamt waren es vier Tore in 44 Bundesligaspielen für die Berliner, bei denen er bis 2000 blieb. Nach Stationen in Bochum und Saarbrücken kehrte er 2003 zur Hertha zurück, spielte dann allerdings meistens für die zweite Mannschaft.

So blieb es bei sechs Toren und sieben Torvorlagen in 62 Bundesliga-Spielen - der Flügelspieler hatte letztlich nie den großen Durchbruch geschafft. Die ganz große Karriere als Aktiver blieb demnach sowohl Tretschok als auch Covic verwehrt. Am Samstag fällt der Startschuss für einen neuen Lebensabschnitt - einen Neustart mit Paukenschlag-Potenzial.