52 Bundesliga-Spiele, 22 Torbeteiligungen, 18 Jahre: Kai Havertz - © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA
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Bundesliga

Bayer Leverkusens Kai Havertz: "Ich habe noch gar nichts erreicht"

Leverkusen - Er ist gerade einmal 18 Jahre alt und hat doch schon deutliche Zeichen gesetzt. Kai Havertz ist eines der größten Talente, nicht nur bei Bayer 04 Leverkusen, sondern in der Bundesliga überhaupt. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der offensive Mittelfeldspieler über die Chancen seiner Mannschaft, sich nach den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen doch noch für die Champions League zu qualifizieren, über seine Scorer-Statistik und über Bescheidenheit, Mathematik und klassisches Klavierspiel.

bundesliga.de: Herr Havertz, wie erklären Sie sich die enttäuschenden Auftritte gegen Dortmund und Stuttgart nach zuvor zwei glanzvollen 4:1-Siegen in Leipzig und gegen Frankfurt?

Kai Havertz: Diese Niederlagen, auch die gegen den FC Bayern im DFB-Pokal, waren sehr bitter für uns, keine Frage. Gegen Stuttgart aber waren wir im Gegensatz zu den Spielen gegen die Bayern und in Dortmund über 90 Minuten wieder die klar bessere Mannschaft. Das beweist schon alleine der Blick auf die Torschuss-Statistik: 24:4. Aber die Kaltschnäuzigkeit hat uns gefehlt. Wir werden in den verbleibenden beiden Spielen noch einmal alles geben, um die Champions League doch noch zu erreichen.

bundesliga.de: Allerdings benötigt man dafür auch fremde Hilfe. Sollte es nicht klappen, wäre die Europa League für Sie persönlich eine Enttäuschung?

"Und wenn es dann am Ende die Europa League werden sollte, werden wir versuchen dort den Titel zu holen"

Video: Havertz- Bayers neuer Ballack

Havertz: Wir waren zuletzt so oft unter den vier Teams, die sich qualifizieren, dass man zwangsläufig schon von der Champions League geträumt hat. Und ich denke, die Champions League sollte auch unser Anspruch sein. Nichtsdestotrotz ist es nach einer Saison wie der letztjährigen nicht selbstverständlich unter die besten Vier zu kommen. Und wenn es dann am Ende die Europa League werden sollte, werden wir in der kommenden Saison Gas geben und versuchen dort den Titel zu holen.

bundesliga.de: Sie sind gerade einmal 18 Jahre alt, haben aber bereits 52 Bundesliga-Spiele absolviert. Macht man sich bisweilen Gedanken darüber, was einen das gekostet hat und worauf man alles verzichten musste?

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Havertz: Ja, das macht man hin und wieder. Junge Spieler, die es in die Bundesliga schaffen wollen, müssen auf Vieles verzichten, was sich andere Jugendliche vielleicht gönnen können. Zumindest war das bei mir der Fall. Andererseits darf ich heute von mir sagen, dass ich Fußball-Profi bin. Zudem war es von Anfang an mein Ziel, meiner Familie etwas zurückzugeben. Die hat ebenfalls viel für meinen Traum investiert. Meine Eltern haben mich immer zum Training und zu allen Turnieren gefahren. Und besonders für meine Mutter war es nicht so einfach, damit klarzukommen, dass ihr 15-jähriger Sohn plötzlich aus- und zu einer Gastfamilie gezogen ist, um bei Bayer 04 spielen zu können.

bundesliga.de: Besonders gut sollen Sie sich heute mit Julian Brandt verstehen...

Havertz: Julian ist derjenige aus der Mannschaft, mit dem ich wohl die meiste Zeit auch außerhalb des Fußballs verbringe. Praktisch ist, dass wir nicht weit voneinander entfernt wohnen, so dass wir eigentlich jeden Tag etwas miteinander unternehmen. Wir liegen oft auf einer Wellenlänge.

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"Meine Eltern haben mir vermittelt, dass Arroganz oder Hochnäsigkeit nun wirklich nichts Erstrebenswertes sind"

bundesliga.de: Brandt hat sagt, dass Sie das "Zeug zum Weltstar" hätten, andere Experten sehen in Ihnen bereits den "neuen Ballack". Wie bewahrt man da als 18-jähriger die Ruhe?

Havertz:Das ist gar nicht so schwierig. Ich bin generell so erzogen worden, dass man immer schön auf dem Teppich bleibt. Meine Eltern haben mir vermittelt, dass Arroganz oder Hochnäsigkeit nun wirklich nichts Erstrebenswertes sind. Warum sollten Fußballer auch etwas Besonderes sein? Wir sind ganz normale Menschen wie die meisten anderen auch. Im Übrigen habe ich auch noch gar nichts erreicht. Im Fußball kommt es auf Titel an, und da habe ich bei den Profis noch gar nichts vorzuweisen.

bundesliga.de: Mit Michael Ballack gemein haben Sie jedenfalls die Torgefährlichkeit. So haben Sie in der Junioren-Bundesliga in einer Saison mal 19 und kürzlich in einem U19-Länderspiel vier Tore erzielt. Ist an Ihnen ein Stürmer verlorenen gegangen?

Havertz: Eher nicht. Im Gegenteil: Ich werfe mir selbst relativ häufig vor, dass ich zu wenig Tore erziele und noch zu oft Chancen liegen lasse, die ich eigentlich nutzen müsste.

"Abitur und Fußball? Da war selbst für Frust keine Zeit "

bundesliga.de: Welche Abi-Fächer hatten Sie?

Havertz: Sport und Deutsch waren meine Leistungskurse, Geographie mein drittes Abitur-Fach und Mathematik mein viertes.

bundesliga.de: Hut ab, gerade auch wegen Mathe.

Havertz: Von wegen. (lacht) Ich bin eine Katastrophe in Mathe, hatte aber gar keine andere Wahl-Möglichkeit. Denn Sport als Leistungskurs setzte voraus, dass man auf jeden Fall auch Mathematik als Abi-Fach belegen musste. Meine Rettung war, dass ich Mathe mündlich nehmen konnte. Da ist es nicht so sehr aufgefallen, dass ich in Mathe eine totale Niete bin. (lacht)