Asien statt Ruhrpott, Fernsehstar statt Manager in der Bundesliga: "Titan" Oliver Kahn will sich in den kommenden Monaten zunächst voll auf seine Rolle als Entertainer in China konzentrieren, bevor er ab der nächsten Saison möglicherweise einen Posten in der Bundesliga übernimmt.

"Die Aufgabe bei einem Top-Verein wie Schalke 04 war einfach nicht mit meinen Aktivitäten in Asien in den kommenden Monaten zu vereinbaren. Die Sache kam einfach sechs bis acht Monate zu früh", sagte der 39-Jährige, der am Samstag in Leipzig vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als neuer Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung präsentiert wurde.

Einsatz nur mit 100 Prozent

Der dreimalige Welttorhüter hatte am Freitag den "Königsblauen" nach einiger Bedenkzeit endgültig eine Absage für die Nachfolge des entlassenen Ex-Managers Andreas Müller erteilt. Allerdings ließ sich der Vize-Weltmeister von 2002 für die Zukunft bei den "Knappen" eine Hintertür offen.

"Vielleicht liegt in dieser Aufgabe ein Teil meiner Zukunft. Denn es wäre eine sehr interessante Aufgabe gewesen, bei Schalke Manager zu werden. Aber ich wollte diesen Job nicht nur mit 60 oder 70, sondern mit 100 Prozent angehen, und das ging wegen meiner übrigen Verpflichtungen nicht", sagte Kahn, der neben seinen Asien-Aktivitäten auch für das ZDF arbeitet und zudem an einem Buch schreibt.

30-seitiges Strukturprogramm

Zunächst wird der frühere Keeper von Rekordmeister Bayern München aber ab Mitte April in China dabei helfen, Torwart-Talente zu finden. Frei nach dem Motto "China sucht den Super-Torwart" wird im Reich der Mitte eine typisch asiatische Unterhaltungssendung ausgestrahlt, in der Kahn als Star der Jury die Schlussmänner in "Dieter-Bohlen-Manier" beurteilt. "Später soll das auch auf Japan ausgedehnt werden, auf Korea, Malaysia und Indonesien", sagte Kahn.

Trotz seiner zeitintensiven Aktivitäten in China will der 86-malige Nationalspieler die Bundesliga aber nicht aus den Augen verlieren. Nicht umsonst hat Kahn ein 30-seitiges Strukturprogramm erarbeitet, das auch Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies imponierte.

"Das ist richtig. Ich habe Erfahrung aus 20 Jahren Bundesliga und 14 Jahren bei Bayern München. Deshalb hatte ich auch ganz klare Vorstellungen, wie es strukturell bei Schalke aussehen könnte. Aber in der Kürze der Zeit war das nicht umsetzbar", sagte Kahn.