Berlin - Mit dem hochverdienten Punktgewinn beim 0:0 gegen Borussia Dortmund (Spielbericht) beeindruckte Hertha BSC viele Experten. So auch José Mourinho, der von der Tribüne des Berliner Olympiastadions eine starke Leistung seines Ex-Spielers Salomon Kalou sah.

Erneut war er einer der stärksten Berliner auf dem Platz, auch wenn er es versäumte, Hertha zum Sieg zu schießen: Salomon Kalou. Der ivorische Nationalspieler machte weite Weg und setzte sich ein ums andere Mal gegen mehrere Dortmunder durch. Keinem Zweikampf ging Kalou aus dem Weg, am Ende stand die für einen Offensivspieler beeindruckende Quote von 59 Prozent gewonnener Duelle. 15 Zweikämpfe entschied Kalou für sich - kein andere Spieler mehr

Kalou: "Hätten drei Punkte verdient"

Trotzdem: Offensivleute werden eher an Toren und Vorlagen gemessen. Ganz besonders gilt das für Kalou, der mit zehn Treffern nicht nur Herthas gefährlichster Angreifer ist, sondern damit vor dem Spieltag ligaweit unter den Top Fünf rangierte (zur Torjägerliste).

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Doch gegen den BVB kam Kalou lediglich zwei Mal zum Abschluss. In der 34. Minute traf er den Ball nicht richtig. Aber gut zehn Minuten vor Schluss wurde es brandgefährlich, als der Offensivmann nach einer BVB-Ecke einen Hertha-Konter von der Strafraumgrenze mit einem satten Schuss abschloss und nur knapp das Gehäuse von Roman Bürki verfehlt. So grämte sich der trotzdem immer lächelnde Kalou nach Abpfiff: Obwohl er "ein gutes Spiel" gesehen hatte, sei es am Ende "unglücklich" gewesen, "dass wir nicht gewonnen haben: Wir hätten drei Zähler verdient gehabt".

Was Kalou in diesem Moment noch nicht ahnte: Star-Trainer José Mourinho hatte sich die Partie als Gast von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Berliner Olympiastadion angesehen. Nein, das habe er vorher nicht gewusst, erklärte der Angreifer. Auch für ihn ist "The Special One" ein ganz besonderer Trainer: Er holte ihn 2006 in die Premier League zum FC Chelsea, wo der Ivorer zum internationalen Topstar reifte. "Von ihm habe ich eine Menge gelernt", so Kalou.

Auch der BVB knackt die Hertha-Abwehr nicht

Doch auch unter Hertha-Coach Pal Dardai hat sich der 30-Jährige nochmal weiterentwickelt. Auch wenn er vielleicht nicht mehr der ganz große Defensivkünstler wird – Kalou hat mit seinem neu entwickelten Fleiß im Spiel gegen den Ball seinen Anteil an den defensiven Topwerten von Hertha.

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Nur der FC Bayern kassierte weniger Gegentore als die Berliner, die nun in fünf der letzten sechs Partien ihren Kasten sauberhielten. Zudem schaffte Dardais Team als erstes in dieser Saison das Kunststück, gegen Dortmund ohne Gegentor zu bleiben – immerhin stellt der BVB noch vor Bayern mit 52 Treffern die stärkste Offensive der Liga (die Topdaten zum Spiel).

Das sind Werte, die auch Mourinho, dem passionierten Prediger des Defensivfußballs, imponieren dürften. Einziges Manko aus Hertha-Sicht: Nach drei Partien warten die Hauptstädter immer noch auf ihren ersten Sieg im Jahr 2016. "Drei Unentschieden bedeuten auch, dass wir noch nicht verloren haben", sah Kalou die positive Seite.

Doch am Mittwoch wird diese Serie faktisch enden: Im Viertelfinale des DFB-Pokals tritt Hertha beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim an – und bekanntlich kann nur eins der beiden Teams ins Halbfinale einziehen. Welches das sein wird, darüber gibt es bei Kalou keine Zweifel: "Wir gewinnen. Ganz sicher!"

Aus berlin berichtet André Anchuelo