Dortmund - Jürgen Klopp verlässt den BVB, diese Nachricht hatte ganz Dortmund in einen kollektiven Schockzustand versetzt und war auch an seinen Spielern alles andere als spurlos vorbei gegangen ist. Nach dem Sieg über Paderborn erlaubten die Profis einen Einblick in ihre Gefühlswelt.

Und ließen zugleich keinen Zweifel, dass diese drei Punkte erst der Anfang für einen würdigen Trainer-Abschied sein sollen.

"Mussten uns erst einmal sammeln"

Keine Gefühlsduselei, volle Konzentration auf das Spiel - nicht mehr und nicht weniger hatte der Coach vor der Partie von Fans und Spielern gleichermaßen eingefordert. Dass dies auch für die Profis nach Klopps Ankündigung vom Mittwoch (Große Gesten der BVB-Stars) so leicht gar nicht war, verriet Marcel Schmelzer nach dem 3:0-Erfolg:

"Wenn man sieben Jahre miteinander verbringt und eine super Zeit zusammen erlebt hat, dann ist das ein extremer Schock, der auch sehr schwer zu verarbeiten ist. Aber wir wussten, dass wir für 90 Minuten den Kopf ausschalten müssen."

Alle habe der bevorstehende Rücktritt des Trainers "ein ganzes Stückweit mitgenommen", bestätigte Matthias Ginter. Und Roman Weidenfeller, unter Klopp zum Nationaltorhüter gereift, gestand: "Nach dieser Nachricht mussten wir uns alle erst einmal sammeln."

"Großer Verlust für den Verein"

Aber auch wenige Tage später ist die Gefühlswelt der Spieler noch weit von normalem Alltag entfernt. Für Weidenfeller überwiegt die "Dankbarkeit durch und durch. Wir haben sieben tolle Jahre miteinander verbracht, hatten ganz tolle Momente, große Titel, glorreiche Nächte."

Auch Shinji Kagawa erlaubte nach dem Paderborn-Spiel einen Einblick in sein Seelenleben - und dort herrscht vor allem große Trauer: "Natürlich ist viel Wehmut dabei. Es ist sicherlich ein sehr großer Verlust für diesen Verein. Und gerade ich bin dem Trainer sehr dankbar, er hat mich extrem weiterentwickelt."

Umso mehr, meint der Japaner, müsse die Mannschaft nun alles raus hauen - und liegt damit auf einer Linie mit seinen Mitspielern.

Abschiedsschmerz kommt früh genug

Der 3:0-Heimsieg an diesem Samstag soll nur der Auftakt gewesen sein für ein fulminantes Saisonfinale in Schwarz-Gelb, das im Idealfall mit dem erneuten Einzug in den Europapokal und dem Gewinn des DFB-Pokals enden könnte. "Alle haben jetzt das hundertprozentige Ziel, Jürgen Klopp einen gebührenden Abschied zu bereiten. Das hat er einfach verdient", ließ Mats Hummels keinen Zweifel.

Die Marschrichtung bei der Borussia ist klar: Erst sollen Siege her, der Abschiedsschmerz wird dann noch früh genug kommen. Unausweichlich, mit aller Wucht. Beim letzten Heimspiel gegen Bremen am 23. Mai werden Tränen fließen. Auf den Rängen, bei Jürgen Klopp, wohl auch bei seinen Spielern. "Aber jetzt haben wir noch ein paar Wochen zusammen", brachte Jakub Blaszczykowski seine Gefühlslage auf den Punkt: "Und diese Zeit mit dem Trainer will ich genießen und mich jeden Tag freuen, dass ich mit Jürgen arbeiten kann."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

Video: Ende einer Ära