Frankfurt - Im November 1986 haben wir ein Buch geschrieben über Karl-Heinz Körbel, der Kollege Hartmut Scherzer und ich. Über die Inhalte hatte es schon damals keine unterschiedlichen Meinungen gegeben. Es ging um die Bundesliga, das große Talent dieses Ausnahmespielers, sein Debüt im Alter von siebzehn Jahren gegen Gerd Müller im Heimspiel der Frankfurter Eintracht gegen Bayern München am 14.Oktober 1972, seine großen Erfolge, auch über den Familienmenschen Körbel, der verheiratet ist mit Margarethe und eine Tochter hat, Carla. 

Über den Titel des Buchs aber haben wir, die Autoren, mit ihm diskutiert. Am Ende stand auf dem Umschlag: "Der treue Charly". Es war eine treffende Bezeichnung, damals wie heute. Es ist sein Markenzeichen geworden und geblieben. An diesem Montag feiert er seinen 60. Geburtstag.

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Vereinstreue reißt auch nach aktiven Karriere nicht ab

Ja, Körbel war immer treu. Seiner Eintracht, für die er 602 Bundesligaspiele bestritten hat, so viele wie kein anderer vor ihm und bislang keiner nach ihm. Insgesamt waren es sogar 720 Pflichtspiele, neben der Liga noch 70 im DFB-Pokal und 48 im UEFA-Pokal. Körbel aber, und das war für sein Leben wahrscheinlich viel wichtiger, ist sich selbst treu geblieben. "Ich bin nicht der treue Charly im Sinne von brav und lieb", hat er gerade in diesen Tagen in einem Zeitungsinterview gesagt, "ich kann bei aller Fröhlichkeit auch ziemlich stur sein". Immer dann nämlich, wenn er ein Ziel verfolgt, das er für richtig erkannt hat. Egal ob privat oder beruflich.

Charly Körbel ist ein Mann, dem man vertrauen kann. Er ist ehrlich, er ist oen, er ist, wie man heute sagen würde, authentisch. Wo Körbel drauf steht, ist auch Körbel drin. Das war schon in seiner aktiven Karriere so. Wer Körbel aufstellte, wusste, was er bekam. Einen großen Kämpfer, einen disziplinierten Spieler, einen Mann, der sein letztes Hemd gibt für seine Mannschaften. Neunzehn Jahre hat er für die Eintracht gespielt, von 1972 bis 1991. Er hat dabei Höhen und Tiefen miterlebt. Bei allen vier Pokalsiegen der Eintracht war er dabei, beim letzten 1988 als Kapitän. Er hat mitgeholfen, dass die seine Eintracht in seiner Karriere nie abgestiegen ist. Er hat seine schwerste Stunde im schwarz-rot gestreiften Trikot mit dem Adler auf der Brust erlebt, als ihm im Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg am 5. Mai 1984 das rechte Schien- und Wadenbein brach. Gut vier Monate später hat er wieder auf dem Platz gestanden.

Körbel war und ist auch nach seiner aktiven Karriere wichtig für die Eintracht wie nur ganz wenige. In der kritischsten Phase des Clubs konnten sie sich, natürlich, auf ihn verlassen. 2002 hatte der Deutsche Fußball-Bund dem Club aus wirtschaftlichen Gründen zunächst die Lizenz verweigert. Es begann der Kampf ums Geld und gegen die Zeit. Mit vielen anderen gab Körbel alles. Ihm öffneten sich Türen, die anderen damals verschlossen waren. Die frühere Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Petra Roth, die am Montag auch vor 300 geladenen Gästen (Körbel: "Alles Freunde und Weggefährten") die Laudatio auf den Jubilar halten wird, hatte Körbel in den Römer in ihr Büro bestellt. Von ihm wollte sie wissen, auf wen und was sie sich verlassen konnte in jenen schweren Zeiten bei der Eintracht. Körbel antwortete ehrlich wie es seine Art ist, Roth und andere glaubten ihm und halfen dem Club.

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Leiter der Fußballschule ist omnipräsent bei der Eintracht

Körbel hatte damals nicht nur um die Eintracht gekämpft, sondern auch um seine Berufung. Seit 2001 betreibt er die "Eintracht Frankfurt Fußballschule". Bis heute ist dies eine einzige Erfolgsgeschichte. Wer in den Sommer- oder Herbstferien einen Platz bei Körbel und prominenten Trainern haben will, muss sich beeilen, Plätze sind rar. Inzwischen wird die Fußballschule exportiert, in China und Japan sind Körbel und Kollegen wie Norbert Nachtweih, Cezary Tobollik oder jüngst auch Torwart-Legende Oka Nikolov aufgetreten, in vielen Teilen Deutschlands sowieso. Und wie wäre es bei ihm anders zu erwarten, Körbel lässt es sich nicht nehmen, noch immer auf dem Platz zu stehen. Mittendrin zwischen den Kindern. "Ich will meine Erfahrung und mein Wissen weitergeben", sagt er.

Neben der Leitung der Fußballschule hat er bei der Eintracht keine aktuelle Funktion. Und trotzdem ist er omnipräsent, das Gesicht des Clubs. Körbel berät den Vorstand, Körbel berät auch den jeweiligen Trainer, Körbel geht auf der Geschäftsstelle ein und aus, Körbel ist nah dran an der Mannschaft. Er ist bekannt und beliebt. Auch bei anderen Vereinen, bei ehemaligen Gegnern oder Mannschaftskollegen aus der Nationalmannschaft (6 Länderspiele) wie Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß. Es ist kein Zufall, dass hier drei Spieler des FC Bayern aufgezählt werden. Zu den Münchnern hatte er immer ein besonderes Verhältnis. Auf dem Spielfeld haben sie sich nicht wirklich lieb gehabt, kein Wunder, haben die Bayern doch in der Körbel-Ära zwischenzeitlich achtzehn Jahre lang nicht in Frankfurt gewinnen können. Abseits des Platzes aber wurden Freundschaften geknüpft. "Ich habe den größten Respekt, was dort geleistet wird", sagt Körbel. Auch bei seinem Ehrentag wird eine Delegation der Bayern erwartet.

Als Journalist habe ich Körbel über seine gesamte Karriere begleitet, wir sind ein Jahrgang. Das größte Kompliment, dass ich ihm machen kann: Er hat sich bis heute nicht verändert. Er ist immer Mensch geblieben, egal ob als großes Fußballtalent, als Nationalspieler, als Spielführer der Eintracht, als Bundesligastar oder in all seinen Aufgaben nach der aktiven Karriere. Wer ein Problem hat, kann zu ihm kommen, Charly hat immer ein offenes Ohr. Dazu passt, dass er seine Geburtstagsgäste gebeten hat, auf Geschenke zu verzichten und lieber zu spenden für seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Dietmar Roth, der nach einem Schlaganfall versucht, ins normale Leben zurückzufinden.

Herzlichen Glückwunsch, Charly.

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Josef "Peppi" Schmitt ist gleicher Jahrgang wie Körbel und ebenfalls ein Frankfurter Urgestein. Der Sportjournalist arbeitete zunächst als Redakteur bei der Abendpost Nachtausgabe. Seit 1988 ist er als "Freier" tätig, unter anderem für die Frankfurter Neue Presse und die FAZ. Außerdem ist er Autor des Buches "Karl-Heinz Körbel und die Eintracht. Der treue Charly".