Es sollte eigentlich nur ein gemütlicher Urlaub in München werden. Lange vorher geplant, mit alten Freunden ausgemacht, aber es kam alles ganz anders.

Statt Urlaub gibt es jetzt für Jupp Heynckes viel Arbeit. Er muss dem großen FC Bayern wieder auf die Beine helfen. "Es ist eine außergewöhnliche Situation für den Verein", sagt Heynckes bei seiner Vorstellung am Dienstag.

70 Journalisten nehmen "Don Jupp" in Empfang. Der Nachfolger des entlassenen Jürgen Klinsmann präsentiert sich in bester Laune. Seine Mine wird aber ernst, wenn es um die nächsten Wochen des FC Bayern geht.

Psychologe Heynckes ist gefragt

"Wir müssen die direkte Qualifikation der Champions League erreichen", so Heynckes, der sich in den kommenden fünf Wochen vor allem als Psychologe einbringen will. "Wir müssen die Mannschaft von der Blockade frei bekommen", sagt er. "Wir müssen ihnen sagen, dass sie besser sind, als sie beispielsweise gegen Schalke gespielt haben."

Anstatt die Spieler jeden Tag besser zu machen, wird das kickende Personal der Münchener jeden Tag daran erinnert, dass sie ohnehin große Klasse besitzen. "Das ist nicht der FC Bayern, wie er sich zuletzt auf dem Platz präsentiert hat", so Heynckes, der das Treiben seiner Mannschaft auf Zeit zuletzt live in der Allianz Arena beobachtete.

Die SMS aus München

Wie bereits erwähnt, sollte der Ausflug ins Stadion nur eine Etappe des Urlaubs in Süddeutschland sein. Doch nach der Niederlage merkte er wie ernst die Lage bei seinem Ex-Club ist. "Ich wusste, dass es ein Meeting des Vorstands geben wird", verrät Heynckes.

Dass er im Anschluss an dieses Treffen der Herren Rummenigge, Hoeneß, Hopfner und Nerlinger eine SMS mit der Bitte um Rückruf bekommen sollte, erwartete er nicht. Aber als die Nachricht von Karl-Heinz Rummenigge auftauchte, wurde Heynckes schnell klar, was Sache ist: "Sie wollen mit dir reden", sagte er sich.

Der Rest ist bekannt: Rückruf, Rücksprache mit der Ehegattin und Abflug nach München, um den FC Bayern in der schwierigen Zeit zu helfen.

Hilfe bei der Trainersuche

"Es ist ein Freundschaftsdienst für den FC Bayern und für Uli", sagt Heynckes, der eine Verlängerung seines Engagements als Trainer ausschließt. Helfen will er dem FC Bayern auf der Suche nach einem neuen Trainer, "wenn man mich fragt". Dass die Münchener Verantwortlichen fragen werden, verrieten sie bereits einen Tag zuvor.

Doch dies ist nicht das Thema der Bayern in den nächsten Tagen - zumindest nicht von Heynckes, der sich um eine Mannschaft kümmern muss. Ein Gespräch mit Vorgänger Klinsmann gab es nicht - wird es auch nicht geben. "Ich habe die Erfahrung, um selber mir ein Bild der Mannschaft zu machen. Das habe ich immer so gehandhabt."

"Kein Traumstart"

Gegen "seine" Borussia aus Mönchengladbach geht unverhofft seine Karriere weiter. "Das ist alles andere als ein Traumstart, aber die Borussia hatte genug Möglichkeiten aus dieser Lage herauszukommen."

Dennoch wird es für ihn kein Spiel wie jedes andere - an dem Ort, wo er eigentlich vor ein paar Tagen als Tourist vorbeigeschaut hatte…

Von der Säbener Straße berichtet Fatih Demireli