Zusammenfassung

  • Jupp Heynckes eilt von Sieg zu Sieg und stellt neue Rekorde auf

  • In Sachen Aufstellung hat der 72-Jährige aktuell die Qual der Wahl

  • "Ich mache das, was ich für richtig empfinde. Das hat auch jeder zu akzeptieren", sagt der Bayern-Trainer

München - Das Viertelfinale der Champions League ist für den FC Bayern München dank des klaren 5:0-Erfolgs über Besiktas Istanbul nur noch einen kleinen Schritt entfernt. Der deutliche Sieg war auch das Resultat der komplexen Gedankenspiele von Trainer Jupp Heynckes. "Solch ein Kantersieg ist natürlich sehr erfreulich, aber ich habe vor dem Spiel nicht darüber nachgedacht hoch zu gewinnen", gestand Heynckes, der damit seine Rekordserie weiter ausbaut und auch die aktuell größte Herausforderung mit Blick auf seine Startelf meistert.

Seit Beginn seiner vierten Amtszeit beim Rekordmeister hat Heynckes lediglich ein Spiel nicht gewonnen. Der Erfolg gegen den türkischen Meister am Dienstag war wettbewerbsübergreifend der 14. Sieg in Serie, damit stellte Heynckes den Vereinsrekord von Trainerlegende Pal Csernai aus dem Jahr 1980 ein.

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In der Champions League baute der Bayern-Coach seine Siegeserie auf saisonübergreifend zehn Spiele aus und stellte damit den gemeinsamen Rekord von Louis van Gaal und Carlo Ancelotti in dem Wettbewerb ein.

Bayerns luxuriöse Situation

Heynckes' bislang letzte Niederlage liegt fast fünf Jahre zurück. An jenem 13. März 2013 beim 0:2 gegen den FC Arsenal fanden sich in der Startelf Namen wie Daniel van Buyten, Mario Mandzukic, Philipp Lahm, Thomas Müller und Arjen Robben, der in besagter Saison die Bayern mit seinem Tor im Finale von Wembley zum Titelgewinn in der Champions League schießen sollte. Gerne hätte der Niederländer auch am Dienstag gegen Besiktas von Anfang an mitgeholfen, den Grundstein für eine Wiederholung dieses Triumphs zu legen. "Ich bin 34, ich genieße den Fußball, ich mache alles dafür. In solchen Spielen wollen natürlich alle spielen. Und ich auch", sagte Robben, der schließlich kurz vor der Pause für den leicht angeschlagenen James Rodriguez eingewechselt wurde.

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Die luxuriöse Situation, dass die Bayern - abgesehen von Torhüter Manuel Neuer - aktuell von größeren Verletzungssorgen verschont sind, bietet Heynckes vielfältige Möglichkeiten. "Ich wollte zuhause unbedingt zu null spielen, deswegen habe ich auch mit Arturo Vidal und Javi Martinez von Anfang an gespielt. Ich wollte kein Risiko eingehen", erklärte Heynckes seine Aufstellung.

Heynckes: "Ich bin für alle Spieler verantwortlich"

Jupp Heynckes, FC Bayern München
Jupp Heynckes, FC Bayern München © gettyimages / Adam Pretty

Zugleich ist sich der 72-Jährige der Herausforderung bewusst. "Es ist schön, dass wir die Spieler haben und wenn ein Spieler nicht zufrieden ist, wenn er in einem solchen Spiel nicht von Anfang spielt, ist das ganz normal. Dafür habe ich vollstes Verständnis", sagte Heynckes. "Ich muss das Ganze managen, ich bin für alle Spieler verantwortlich. Deswegen mache ich das, was ich für richtig empfinde. Das hat auch jeder zu akzeptieren und Punkt."

Heynckes' Qual der Wahl steckt eben auch im wortwörtlichen Sinne in der Qualität des Kaders. "Wir haben nur Härtefälle", sagt Thomas Müller. Die Entscheidungen des Trainers müsse man daher akzeptieren und "in positive Energie ummünzen". Das tat Robben nach seiner Einwechslung in vorbildlicher Manier. Mit seinen typischen Tempo-Dribblings riss er in Überzahl gegen die kompakte Defensive der Gäste immer wieder wichtige Lücken. "Arjen ist sehr gut reingekommen. Er hat gezeigt, was er für eine Klasse hat", lobte Sportdirektor Hasan Salihamidzic den Edeljoker.

Für Kapitän Müller ist es daher ein großer Vorteil, "dass Schwung von der Bank kommt, den brauchen wir. Das ist auch eine unserer Stärken." Aber vor allem sorgt Heynckes mit all seiner Erfahrung dafür, dass er jedem Spieler das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. "Der Trainer spricht mit den Spielern, die wissen immer Bescheid. Er erklärt ihnen immer die Lage und was er vorhat. Das akzeptiert jeder", sagt Salihamidzic. "Jeder zieht mit. Das ist der Grundstein des Erfolges."

Aus München berichtet Maximilian Lotz