München - Die Verantwortlichen des FC Bayern wussten ganz genau, welche schwere Aufgabe auf Jupp Heynckes zukommen würde. Knappe vier Wochen hat der 66-jährige Cheftrainer Zeit, den Rekordmeister auf die neue Saison vorzubereiten - und gleichzeitig die hohen Erwartungen von Vorstand und Fans zu erfüllen.

Vier Wochen, um die Neuzugänge Manuel Neuer, Nils Petersen, Rafinha sowie Rückkehrer David Alaba und Leihgabe Takashi Usami ins Team zu integrieren und für die anstehenden Aufgaben in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und der Champions-League-Qualifikation vorzubereiten.

Größtes Vertrauen in Heynckes

Klingt nicht nur schwer, sondern ist es auch. Doch Heynckes und die Bayern haben eine lange Vorgeschichte, feiern mit dem Saisonauftakt 2011/2012 bereits ihre dritte Liaison. Da verwunderte es auch niemanden, als Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge Heynckes als "richtigen Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit" lobte und ihn zum "Wunschkandidaten" ernannte. Vier Wochen? Solchen Zeitdruck kennt Heynckes bei den Bayern noch aus der jüngeren Vergangenheit:

Am 27. April 2009 verpflichteten die Münchner den Weltmeister von 1974 fünf Spieltage vor Saisonende, nachdem mit Jürgen Klinsmann die Qualifikation zur "Königsklasse" zu scheitern drohte. Das Ergebnis der kurzen Liaison war Platz zwei hinter Meister Wolfsburg und die direkte Teilnahme an der Champions League. Damals - wie auch Heute - genoss der akribische "Architekt" Heynckes bei den Bayern größtes Vertrauen, nachdem er bereits zwischen 1987 und 1991 zwei Meisterschaften an die Isar holte. Rummenigge brachte es auf den Punkt: "Jupp kennt den FC Bayern."

Umso besser, denn nun muss es also wieder ganz schnell gehen. Der Bundesliga-Auftakt gegen Mönchengladbach ist am 7. August, ein erfolgreicher Start - anders als in den vergangenen zwei Jahren - soll das Fundament für die angepeilte Meisterschaft bilden. "Das wird kein Selbstläufer", so Rummenigge bei der offiziellen Saisoneröffnung der Münchner in der Allianz Arena: "Aber mit Jupp Heynckes können
wir das Ziel erreichen."

Durchschnittsalter bei 25 Jahren

Das Ziel, nämlich die Deutsche Meisterschaft, wird Heynckes mit einem für die Münchner ungewöhnlich jungen Kader verfolgen, das Durchschnittsalter liegt gerade einmal knapp über 25 Jahre. "Als ich 1987 zum FC Bayern kam, waren manche der Spieler noch nicht geboren", so Heynckes. Genau genommen sind es neun aktuelle Bayern-Stars (Sattelmaier, Breno, Contento, Badstuber, Alaba, Kroos, Petersen, Müller und Gustavo).

Schwierigkeiten dürfte Heynckes der Mix aus Jungspunden und gestandenen Profis aber kaum machen, wie er bereits in seinen vergangenen zwei Jahren in Leverkusen beweisen konnte. Dennoch ist der 66-Jährige gespannt: "Das wird eine riesige Herausforderung und ein großes Stück Arbeit. Ich bin sehr zuversichtlich. Es reizt mich, mit solchen Topspielern zu arbeiten", gestand der Fußball-Lehrer und fügte hinzu: "Die Leistung zählt, nicht das Alter."

Zudem wird Mannschafts-Baumeister Heynckes, der sich mit steigenden Alter als "offener und zugänglicher" bezeichnet, mindestens einen weiteren Baustein in Form eines Spielers dazubekommen. Da das Transferfenster bis zum 31. August geöffnet ist, wollen die Bayern noch die eine oder andere Verpflichtung tätigen: "Wir sind noch nicht ganz am Ende", bestätigte Sportdirektor Christian Nerlinger und fügte an: "Wir haben noch einiges vor."

"Macht mir Spaß, mit beiden zu spielen"

Die Konkurrenz um Meister Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen - für Bastian Schweinsteiger die größten Rivalen um den Titel - ist vor den Münchnern gewarnt, die allein sieben Nationalspieler aus dem Kader von Bundestrainer Joachim Löw in ihren Reihen haben. "Das zeigt die Qualität des FC Bayern", so Kapitän Philipp Lahm, der nach der Verpflichtung von Rechtsverteidiger Rafinha wieder auf seine geliebte linke Seite wechseln wird, wie Heynckes bestätigte.

Nun also kehrt Lahm Flügelflitzer Arjen Robben buchstäblich den Rücken und wechselt zu Franck Ribery. Für Lahm keine große Umstellung: "Es macht mit beiden Spaß zu spielen." Genua-Neuzugang Rafinha hingegen ist einfach nur froh, nicht mehr gegen den Holländer spielen zu müssen: "Gegen Robben waren die Spiele immer schwer. Jetzt wird es für den Gegner schwer."

Wenig Zeit, aber viel Kraft: Trotz der knappen Vorbereitung scheint Heynckes also ideale Voraussetzungen zu haben, um die Bayern wieder an die Spitze zu führen. Präsident Uli Hoeneß würde es freuen und seinem Saison-Wunsch näher bringen: "Ich möchte am liebsten auf der Ehrentribüne sitzen und schöne Spiele sehen."

Aus der Allianz Arena berichtet Barnabas Szöcs