Schicksalhaft für Borussia Dortmund: Am 4. Spieltag wird Mario Götze (M.) in der 77. Spielminute des Platzes verwiesen. Seither läuft's nicht mehr rund beim BVB
Schicksalhaft für Borussia Dortmund: Am 4. Spieltag wird Mario Götze (M.) in der 77. Spielminute des Platzes verwiesen. Seither läuft's nicht mehr rund beim BVB
Bundesliga

Junge, komm bald wieder

München - Der amtierende Meister Borussia Dortmund musste zuletzt zwei Niederlagen in Folge einstecken, das klingt nicht unbedingt nach Krise. Aber vom erfolgsverwöhnten BVB wird eigentlich viel mehr erwartet. So eine "Serie" von zwei verlorenen Spielen hatte es in der Meistersaison 2010/11 jedenfalls nicht gegeben. Cheftrainer Jürgen Klopp bekennt: "Eine Niederlage hat wenig Sinn, außer dass man daraus lernen kann."

Doch nach dem sechsten Spieltag hat man nun schon drei Niederlagen zu verarbeiten, der erhoffte Lerneffekt blieb aus. Die beiden Gegentore von Hannover 96, die Dortmund zuletzt die Führung und den sicher geglaubten Sieg entrissen, setzte es innerhalb von 116 Sekunden.

Barrios und Götze schmerzlich vermisst

Inzwischen müssen sich die Dortmunder schon vorrechnen lassen, dass es vor ihnen in den letzten 26 Spielzeiten nur einmal einen amtierenden Meister mit einer negativen Bilanz nach sechs Partien gab. Der VfB Stuttgart brachte es in der Saison 2007/08 auf zwei Siege, ein Remis und drei Niederlagen, genau wie der BVB momentan.

Klopp hat indes alle Mühe, die Löcher im Kader zu stopfen. Derzeit fehlen dem Trainer mit Lucas Barrios und Mario Götze zwei wichtige Leistungsträger. Deren Ausfall macht sich im Auftreten der Mannschaft, in den Ergebnissen und in den Statistiken bemerkbar, wie bundesliga.de aufdeckt.

Der paraguayanische Spitzenstürmer Barrios zog sich Ende Juli bei der Copa America einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu und wartet immer noch auf seine Genesung. Dabei war er in der Vorsaison ein entscheidendes Element des Erfolgs. 16 Tore machten ihn zum teaminternen Torschützenkönig. Alle 13 Partien, in denen er erfolgreich abschloss, konnte Dortmund für sich entscheiden. Mit insgesamt 22 Torbeteiligungen war er zusammen mit Mario Götze der Topscorer des BVB.

Mit dem Platzverweis nahm das Unglück seinen Lauf

Stichwort Götze: Der Youngster wurde nach dem Weggang von Nuri Sahin innerhalb kürzester Zeit zum zentralen Spieler der Mannschaft. Vor kurzem wurde er auch noch zum Nationalspieler auserkoren. Mit seinem Spiel verzückt er die Fußballwelt - doch wehe, er fällt aus. Am 4. Spieltag wurde er in der Partie gegen Leverkusen vom Platz gestellt. Das böse Nachspiel seiner Roten Karte: Zwei Spiele Sperre, eben jene Spiele, die Dortmund in den letzten Wochen verlor.

Dabei sah anfangs alles so vielversprechend aus: Beim Saisonauftakt gegen den HSV war Götze direkt an allen drei Treffern seiner Dortmunder beteiligt, schoss sogar selbst ein Tor. Und auch am dritten Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg konnte er mit einer wunderschönen Vorlage auf Robert Lewandowski punkten.

Warten und Hoffen

So kennt man ihn noch aus der vergangenen Saison, in der er mit 16 Torvorlagen nach Tiffert (20) und Ribery (17) zu den Top-Vorbereitern der Bundesliga gehörte. Ligaweit erlangte Götze Platz 6 der Scorer-Liste als bester Dortmunder neben Lucas Barrios. Schon in der abgelaufenen Spielzeit gehörte er zu den Stammkräften, fehlte nur bei einem einzigen Spiel, dem 2:0 gegen den FC Bayern.

So sollte es eigentlich auch im Jahr nach der Meisterschaft für den Jüngling weitergehen. Götzes Leidenschaft und Spielfreude sind noch immer ein nicht zu unterschätzender Antrieb für den BVB. Momentan stimmt es eben an anderer Stelle nicht. Es bleibt abzuwarten, ob sein Wiedereinstieg nach der Rotsperre den erhofften Aufschwung bewirken kann. Und wenn mit der Rückkehr von Barrios die Offensivachse wieder gefestigt ist, kann Borussia Dortmund endlich wieder nach vorne statt zurück blicken.

Sabine Glinker