München - Die Streitfrage um das beste Alter eines Fußballers ist so alt wie die Sportart selbst. Die einen sagen, ein Spieler sei mit 25 Jahren auf dem Zenit, weil die körperlichen Voraussetzungen dann am besten sind. Andere führen die Spielintelligenz ins Feld, die ein Profi erst am Ende seiner Zwanziger erreiche. Wieder andere verfechten die Meinung, man müsse bedingungslos auf junge, hungrige Talente setzen.

Doch wie sieht die Altersstruktur im Profibereich tatsächlich aus? Welche Jahrgänge bekommen die meiste Einsatzzeit? Und in welchem Alter schießen die Spieler die meisten Tore? bundesliga.de hat die Hinrunde unter die Lupe genommen und mit den Werten von vor zehn Jahren verglichen.

23-Jährige mit der meisten Einsatzzeit

Eine klare Tendenz zeichnet sich ab: Die Spieler avancieren in immer früheren Jahren zu Leistungsträgern ihrer Vereine. Vor zehn Jahren bekamen beispielsweise die 25-Jährigen den größten Anteil der Spielzeit, heute sind es die 23-Jährigen, die am längsten auf dem Rasen stehen.

Besonders deutlich ist der Zuwachs der Spielminuten bei den 19 Jahre alten Profis. Mario Götze, Marc-Andre ter Stegen und David Alaba sind prominente Vertreter dieser Altersklasse. Während die 19-Jährigen vor einem Jahrzehnt nicht einmal ein Prozent der Spielzeit entfiel, waren es in der laufenden Hinrunde knapp viereinhalb Prozent. Die Übungsleiter geben ihren Talenten also sehr viel früher die Chance, sich zu beweisen.

Gleichzeitig ist der Anteil der über Dreißigjährigen merklich geschrumpft. Die Profis müssen sich wesentlich früher als in der Vergangenheit Gedanken um ihre Karriere nach der Karriere machen. Borussia Mönchengladbachs Nachwuchskoordinator Roland Virkus bestätigte diese Entwicklung im Interview mit dem Magazin 11 Freunde. "In der Jugend werden die Jungs sowohl sportlich als auch mental auf eine bevorstehende Karriere vorbereitet. Meine Meinung ist aber: Der Zyklus wird sich verändern", sagte Virkus: "Die Leistungskurve dieser Generation steigt in jungen Jahren schnell nach oben, wird aber auch wieder früher nach unten gehen. Mit 26, 27 Jahren könnte das 'beste Fußballalter' erreicht sein."

"Schneller Erfolg ist mit jungen Spielern schwierig"

Undenkbar scheint es heute, dass ein Feldspieler mit über 43 Jahren noch auf dem Rasen steht, wie es in der Spielzeit 1987/88 der Fall war. Klaus "Tanne" Fichtel lief damals noch für Schalke 04 auf - bis heute hält er damit den Rekord als ältester eingesetzter Bundesligaspieler. Zum Vergleich: In der Hinrunde war Hannovers Altin Lala mit knapp 36 Jahren der älteste eingesetzte Profi.

Der 67 Jahre alte Rekordspieler Fichtel sieht den aktuellen Jugendtrend kritisch. "Das Problem ist, dass man jungen Spielern Zeit geben muss, wenn man sie verpflichtet", sagt Fichtel im bundesliga.de-Interview: "Für einen Verein, der schnellen Erfolg will, ist das mit jungen Spielern schwierig." Dortmund sei in der Vorsaison die Ausnahme gewesen, glaubt er.

Der BVB wurde der jüngste Meister der Bundesliga-Geschichte - die eingesetzten Akteure waren im Schnitt 24,3 Jahre alt. Doch nicht nur der Meister setzte auf junge Kicker. In der vergangenen Saison lag bei keinem Club das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler bei über 28 Jahren - das hatte es seit der Saison 89/90 nicht mehr gegeben.

Dieser Trend setzt sich aktuell fort: Wolfsburg stellt mit einem Altersschnitt von 27,3 Jahren das älteste Team dieser Spielzeit. Die "Wölfe" wären in der Saison 1999/00 damit noch das drittjüngste Team gewesen.

Nicht nur jung, sondern auch wichtig

Junge Spieler stehen heute aber nicht nur häufiger und länger auf dem Feld, sie erzielen auch in jüngeren Jahren mehr Tore als es Anfang des Jahrtausends der Fall war (Bild 2 der Bildergalerie). Am erfolgreichsten waren in der Hinrunde die 26 Jahre alten Spieler, zu denen beispielsweise Mario Gomez und Lukas Podolski gehören. Dieser Jahrgang erzielte 69 der insgesamt 438 Tore (bei acht Eigentoren). Vor zehn Jahren zeichneten noch die 28 Jahre alten Angreifer für den Löwenanteil der Hinrundentore verantwortlich (59 Treffer).

Besonders bemerkenswert ist die Altersentwicklung auf einer Position, die lange als Hort der erfahrenen Recken galt: der Torwartposition. Die eingesetzten Bundesligakeeper dieser Saison waren im Schnitt nur 25,9 Jahre alt - so jung wie nie zuvor in der Bundesliga-Geschichte.

Dass es der jungen Garde beim Thema Alter nicht an Schlagfertigkeit mangelt, bewies Stuttgarts Keeper Sven Ulreich in der Rückrunde des Vorjahres. Auf die Frage, ob es ihm nicht an Erfahrung für den Abstiegskampf mangele, erwiderte der damals 22-Jährige: "Jung und erfahren gibt es im Fußball nicht. Das gibt es nur auf dem Straßenstrich."

Andreas Messmer



Wie die Altersstruktur aufgeschlüsselt nach Mannschaftsteilen aussieht, und wie es im Vergleich in der 2. Bundesliga aussieht lesen Sie in den kommenden Tagen auf bundesliga.de.