München - Die Saison 2011/12 ist Geschichte. Neben zahlreichen neuen Rekorden, wie den sensationellen 81 Punkten der Dortmunder oder einem neuen Zuschauer-Bestwert, lassen sich viele weitere Auffälligkeiten finden.

So war es die jüngste und die fairste Saison aller Zeiten; es gab wenige, aber gefährliche Ecken, zwei überragende Ballermänner, viele Grünschnäbel im Tor und viel Routine auf der Trainerbank. bundesliga.de hat die Splitter der 34 abgelaufenen Spieltage zusammengefasst.

- Das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler in dieser Saison beträgt 25,76 Jahre. So jung war die Bundesliga letztmals vor 38 Jahren im Spieljahr 73/74

- In der Rückrunde wurde der Schnitt gehalten (obwohl die einzelnen Spieler ja alle älter werden). Teilweise waren die Teams mit Youngstern erfolgreich wie der SC Freiburg, teilweise nicht wie Werder Bremen

- Das älteste Team dieser Spielzeit (Augsburg mit einem Schnitt von 27,16 Jahren) wäre in der Saison 99/00 noch das drittjüngste Team gewesen!

- Leverkusen, Dortmund, Schalke und Hoffenheim (mit 24,3 Jahren am jüngsten) unterboten alle die Marke von 25 Jahren und waren als Erster, Dritter, Fünfter und Elfter damit ziemlich erfolgreich

Wieder ein neuer Zuschauer-Rekord

- Im Schnitt sahen 45.116 Fans die Spiele, der bisherige Bestwert für eine komplette Saison lag bei 42.653 (aufgestellt 10/11). Insgesamt 13.805.496 Besucher sahen die 306 Spiele, das ist ein sensationeller neuer Saisonrekord

- Primus war natürlich wieder der BVB, der als erster Verein der Geschichte überhaupt einen Schnitt von über 80.000 Zuschauern pro Heimspiel verzeichnet (80.521, bisheriger BVB- und Bundesliga-Rekord war 79.647)

- Bei den Bayern waren wie seit Jahren alle 34 Spiele ausverkauft

- Der Tore-Schnitt ist von 2,92 pro Partie in der letzten Saison auf 2,86 gesunken (das bewegt sich etwa im Mittel der letzten zehn Jahre). 11/12 fielen 875 Tore, in der Vorsaison 894

- Kein Wunder, es wurden weniger Torschüsse abgegeben als in jeder anderen Saison seit Beginn der Datenerfassung vor 20 Jahren

- Der Trend ist dabei kontinuierlich rückläufig, 93/94 waren es noch 9963 Torschüsse (33 pro Spiel), 02/03 nur noch 8586 und jetzt erstmals unter 8000 (7997 - also 26 pro Spiel)

- "Vorreiter" ist Köln, der FC gab ganze neun Torschüsse pro Spiel ab. So selten versuchte seit Ermittlung der Werte vor 20 Jahren kein anderes Team, ein Tor zu erzielen!

- Was die Ergebnisse angeht, hat sich die Bundesliga im Vergleich zur letzten Saison wieder normalisiert: 10/11 endeten erstmals in der Bundesliga-Geschichte ein Drittel der Partien mit einem Auswärtssieg, jetzt sank der Anteil wieder auf 29 Prozent

- Dafür stieg der Anteil der Remis wieder von sehr geringen 21 Prozent auf 26 Prozent

- Im Durchschnitt der letzten 20 Jahre seit Beginn der Datenerfassung gab es in einer Saison über 11.300 Fouls. In der abgelaufenen Saison waren es erstmals unter 10.000 Fouls (9.566), jetzt sank der Wert noch einmal (9.511)

- 58 Platzverweise sind allerdings einer mehr als letzte Saison und 17 mehr als im Rekordjahr 09/10 (nur 41 Platzverweise waren deutlich der geringste Wert seit Einführung der Gelb-Roten Karte)

- Ein Grund für die wenigen Fouls neben cleverem und fairem Zweikampfverhalten: Es gibt in der Bundesliga auch immer weniger Zweikämpfe, im Spieljahr 06/07 waren es noch 247 pro Spiel, in dieser Saison nur noch 217

- Im modernen Fußball spielen einige Teams immer raumorientierter, Taktik spielt eine größere Rolle; wenn allerdings eine Mannschaft wie der 1. FC Köln im Abstiegskampf von allen Teams die wenigsten Zweikämpfe führt, ist das eher bedenklich

- Es gab nicht nur wenige Fouls, sondern auch fast 100 Handspiele weniger als letzte Saison (415 zu 506, die Schiedsrichter ließen hier zuletzt im Zweifel weiter laufen)

- Auch die Abseitsfalle ist out, 1914 Abseitsstellungen sind einer der geringsten Werte der letzten 20 Jahre (08/09 waren es über 200 mehr). Erfreulich für die Fans: So wird der Spielfluss selten unterbrochen

Sichere Elfmeterschützen

- In dieser Saison wurden 87 Prozent aller Strafstöße verwandelt (66 von 76)

- Das ist die beste Quote der Bundesliga-Geschichte! In keiner der bisherigen 48 Spielzeiten wurden mehr als 84 Prozent aller Elfmeter verwandelt

- 2878 Ecken sind die wenigsten seit Beginn der Datenerfassung vor 20 Jahren (die wenigsten hatte Köln). 93/94 waren es noch 4053 Eckbälle

- Dennoch sind 94 Tore nach Eckbällen ein neuer Rekord seit Beginn der Datenerfassung!

- Ein Grund dafür ist der sehr fragwürdige Verzicht vieler Trainer bzw. Torhüter, die beiden Pfosten zu besetzen. Etliche der Eckballtore hätten von Feldspielern auf der Linie verhindert werden können

- Freistoß-Künstler sucht man in dieser Saison vergeblich, nur 14 Freistöße wurden direkt verwandelt, das ist deutlich der geringste Wert der letzten 20 Jahre! Letzte Saison waren es noch 21, in den beiden Spieljahren davor sogar jeweils 31

- Dortmund und Bayern lieferten sich ein tolles Duell um die Meisterschaft, ein direktes Freistoßtor brachten sie aber beide nicht zu Stande (wie noch vier andere Teams, der einzige Spieler mit zwei Freistoßtoren ist Mönchengladbachs Juan Arango)

- Insgesamt gab es so wenige Weitschusstore wie seit neun Jahren nicht mehr; dabei jammerten die Torhüter bei Einführung des neuen Einheitsballs noch, dass dieser so flattern würde und damit unberechenbar sei

- Bei den Flanken sind 6632 ebenso wie bei den Ecken die wenigsten seit Beginn der Datenerfassung. Hier wurde das allerdings nicht durch mehr Effektivität ausgeglichen, 152 Flankentore sind ebenfalls der geringste Wert seit Gründung der "ran-Datenbank"

- Vor zwei Jahren waren es noch 37 Flankentore mehr!

- Gründe: Im modernen 4-5-1-System spielen oft Stürmertypen mit einem stärkeren "Innenfuß" wie Robben oder Schürrle auf dem Flügel, zudem gibt es im Zentrum dann nur noch einen Stürmer als Flankenabnehmer. Mannschaften wie Mönchengladbach oder Leverkusen (nur vier bzw. fünf Flankentore) setzten nicht auf Flügel- sondern auf Kombinationsspiel, der HSV machte aus 430 Flanken ganze drei Tore (Ligaminus) und Köln verzichtete nicht nur weitgehend auf Torschüsse und Zweikämpfe, sondern auch auf Flanken

- Mit ter Stegen, Leno, Ulreich, Unnerstall, Zieler, Kraft, Baumann und Trapp etablierten sich etliche junge Torwarttalente in der Bundesliga

- Gerade ter Stegen überzeugte durchgängig, auch Leno, Ulreich oder Zieler waren Leistungsträger ihrer Teams; zu insgesamt verbesserten Torwart-Leistungen hat der "Jugend-Wahn" allerdings nicht geführt

- Die Bundesliga-Keeper haben in der laufenden Spielzeit nur extrem schwache 69 Prozent der Torschüsse abgewehrt (in der Rückrunde war es noch schlechter). In den letzten 20 Jahren war die Bilanz nur in der letzten Saison leicht schwächer. Zeiten wie 95/96, als die Keeper 76 Prozent der Torschüsse abgewehrt haben, sind schon lange vorbei

- Auffällig bei der Beurteilung der Torhüter heutzutage: Es wird immer wieder gefeiert, wie gut die Keeper mitspielen und per Fuß mit dem Ball umgehen können. Die Basis des Torwartspiels ist aber immer noch, gegnerische Torschüsse abzuwehren und da liegt bei dem einen oder anderen (Rensing 62 Prozent, Baumann 65 Prozent, Unnerstall 66 Prozent und Kraft 67 Prozent) doch einiges im Argen

Wettschießen um die Torjägerkanone

- Die Spitze der Torschützenliste ist beeindruckend: Klaas-Jan Huntelaar traf 29 Mal, Mario Gomez 26 Mal

- Zwei Spieler mit zusammen 55 Saisontoren gab es letztmals im Spieljahr 80/81, damals wurde Karl-Heinz Rummenigge mit 29 Treffern Torschützenkönig und Manfred Burgsmüller folgte mit 27 Toren

- Von 1988 bis 2002 reichten noch 7 Mal weniger als 20 Treffer, um Torschützenkönig der Bundesliga zu werden. Die Stürmer profitieren seitdem von der flächendeckenden Einführung der Viererkette in der Abwehr (einen Gomez hätte man gerne einmal gegen einen Karlheinz Förster oder Jürgen Kohler gesehen…)

- Dortmunds Robert Lewandowski traf zwar "nur" 22 Mal, erwies sich aber als sensationell kompletter Stürmer ohne Schwächen, der neben seinen Treffern auch noch zehn Tore auflegte und technisch geniale Aktionen mit enormer Einsatzfreude verband

- Das Meisterschaftsrennen fand auf höchstem Niveau statt: Borussia Dortmund spielte die beste Bundesliga-Saison aller Zeiten (81 Punkte)

- Die Bayern haben die beste Bilanz, mit der es für sie trotzdem nur zur Vize-Meisterschaft reichte (73 Punkte). In 15 der bisherigen 16 Jahre mit der 3-Punkte-Regelung reichten 73 Zähler zur Meisterschaft.

- Der BVB ist seit 28 Spielen ungeschlagen, die letzte Niederlage gab es am 18. September 2011 in Hannover (1:2). Das ist die zweitlängste Serie der Bundesliga-Geschichte (nach dem HSV Anfang der 80er) und die längste innerhalb einer Saison

- Und diese Serie wurde nicht mit vielen Remis zusammen geklaubt: 23 Siege und fünf Remis bedeuten für die alles überragende Klopp-Elf unfassbare 74 Punkte aus den vergangenen 28 Partien (dazu wurde noch das Pokalendspiel erreicht, so dass Dortmund erstmals überhaupt das Double gewinnen kann)

- Kaiserslautern, Köln und Hertha holten 2012 zusammen nur 27 Punkte (7, neun und 11). Das ist eine desolate Bilanz

- Alle drei Vereine haben in der Rückrunde zusammen so viele Punkte geholt wie der SC Freiburg allein (27 Punkte)

- Der ebenfalls schwache HSV darf sich bedanken, dass diese drei Teams noch schwächer waren. Augsburg und Freiburg retteten sich mit Mini-Etats, aber Teamgeist

Routine an der Linie

- Auf dem Spielfeld wurde auf Jugend gesetzt, an der Linie auf Routine

- Mit der Rückkehr von Otto Rehhagel, dem zweitältesten Trainer der Bundesliga-Geschichte, sind gleich mehrere "Kinder der Bundesliga" auch aktuell noch am Werk

- Der Hertha-Coach bringt es auf 1033 Spiele als Spieler und Trainer in der Bundesliga (natürlich Rekord), Jupp Heynckes folgt mit 977 auf Platz zwei in diesem Ranking, Felix Magath mit 793 auf Rang drei und Thomas Schaaf mit 708 auf Platz 6

- Insgesamt war der Trainerstuhl wie seit Jahren ein Schleudersitz, echte Kontinuität wird hier wohl auf Sicht nicht einkehren. Auf zwölf Trainerwechsel in der letzten Saison folgten jetzt wieder 9

- Ebenfalls wie üblich: Mal waren die Trainerwechsel sehr erfolgreich (Stevens, Streich, Hyypiä/Lewandowski), mal überhaupt nicht (Skibbe, Rehhagel, Balakov)

- Das zweifellos beste Spiel der Saison (ein Fußballfest mit unglaublichem Niveau und Tempo, dazu perfekter Dramaturgie) war das 4:4 zwischen Dortmund und Stuttgart am 28. Spieltag. Womöglich hat es nie ein besseres Bundesliga-Spiel gegeben

- Die Meisterschaft entschieden haben die beiden 1:0-Siege des BVB gegen die Bayern

- Dazu gab es einige Kantersiege: Die Bayern schlugen Freiburg 7:0, Hoffenheim 7:1, Hertha 6:0 (mit drei Elfern) und Hamburg 5:0, Dortmund gewann in Köln mit 6:1, gegen Köln 5:0 und in Hamburg sowie gegen Wolfsburg jeweils mit 5:1, Schalke und Mönchengladbach schossen Bremen jeweils mit 5:0 ab, Stuttgart die Hertha auch

- Leverkusen und Hertha trennten sich kurioserweise zwei Mal mit 3:3, wobei das Heimteam jeweils erst mit 2:0 in Führung ging und dann mit 2:3 in Rückstand geriet, um in der Schlussphase doch noch auszugleichen

- Die größte Sensation: Ausgerechnet Hertha BSC brachte Dortmund die einzige Niederlage in den letzten 33 Heimspielen bei (2:1 am 5. Spieltag)