Zusammenfassung

  • Julian Weigl feiert nach schwerer Verletzung im Mai sein lang ersehntes Comeback
  • "Es gab Tage, an denen ich keinen sehen und einfach nur nach Hause wollte."
  • Er spricht auch über den Konkurrenzkampf und das neue System des BVB

Dortmund - Julian Weigl ist wieder da! Im Mai hatte sich der Nationalspieler das Sprunggelenk gebrochen, jetzt feierte der 22-Jährige beim 5:0-Sieg des BVB über den 1. FC Köln sein lang ersehntes Comeback in der Bundesliga. Nach seinem ersten Einsatz über knapp 30 Minuten sprach ein glücklicher Weigl über die schwierigen Phasen seiner langen Zwangspause, die neue Spielweise unter Peter Bosz und die glänzenden Perspektiven der Borussia.

Frage: Julian Weigl, wie war der Moment für Sie, nach vier Monaten Verletzungspause endlich wieder auf dem Platz zu stehen?

Julian Weigl: Traumhaft! Ich hätte es mir nicht viel schöner vorstellen können. Die Jungs hatten bis zu meiner Einwechslung ja schon ein bisschen Vorarbeit geleistet. So war es kein Spiel auf des Messers Schneide und für mich ein stückweit einfacher reinzukommen. Es hat riesigen Spaß gemacht. Da weiß man dann auch, dass sich die harte Arbeit in der Reha gelohnt hat.

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"Ich bin generell ein positiver Mensch. Trotzdem gab es Tage, an denen ich keinen sehen und einfach nur nach Hause wollte."

Frage: Es war die erste schwere und längere Verletzung in Ihrer Karriere. Wie haben Sie diese Zeit empfunden?

Weigl: Es war tatsächlich etwas ganz Neues für mich. Und es gab auch schwierige Zeiten. Momente, in denen es einfach nicht voran geht und in denen du nur im Kraftraum bist, während die Jungs rausgehen zum Trainieren. Das zieht dich schon ein Stück herunter. Aber ich bin generell ein positiver Mensch und habe immer versucht, die positiven Dinger heraus zu ziehen. Trotzdem gab es Tage, an denen ich keinen sehen und einfach nur nach Hause wollte. Aber als das Laufen irgendwann wieder ging, als der Ball dann dazu kam – da hast du Bock auf jeden Fortschritt, der kommt.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Alexander Scheuber

Frage: Die Situation im Kader ist für Sie auch ungewöhnlich. Vor Ihrer Verletzung waren Sie unumstrittener Stammspieler, jetzt haben Sie mit Nuri Sahin einen ganz starken Konkurrenten auf Ihrer Position. Wie gehen Sie damit um?

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Weigl: Im Moment mache ich mir darüber noch keine Gedanken. Ich bin jetzt froh, erstmal überhaupt wieder im Kader zu stehen und zum ersten Mal wieder eingewechselt worden zu sein. Nuri hat es bisher sehr gut gemacht. Wir haben auch sehr viele Spiele, daher ist es wichtig und gut, wenn wir Zwei uns gegenseitig pushen. Wir sind keine eisernen Konkurrenten, sondern verstehen uns sehr, sehr gut. Ich freue mich für ihn nach seiner schwierigen Zeit in der letzten Saison mit diversen Verletzungen und wenigen Spielanteilen, dass er wieder so Fuß fassen konnte. Man wird sehen, wie der Trainer es künftig steuert und wer die Nase vorn hat. Vielleicht hat es auch etwas mit dem Gegner zu tun, wie der Trainer aufstellt, da wir ja doch ein stückweit andere Spielertypen sind. Für mich ist es jetzt einfach wichtig, dass ich gesund bin, mich gut fühle und das Bein keine Probleme macht. Nur die Luft macht noch ein bisschen Probleme.

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Frage: Wenn Sie die Luft ansprechen – wofür reicht sie denn zurzeit schon?

Weigl: Da ich vorher noch nie so schwer verletzt war, kann ich das nur schlecht sagen. Ich fühle mich auf jeden Fall gut. Die knappe halbe Stunde gegen Köln war absolut okay. Es wäre auch noch ein bisschen mehr gegangen. Jetzt muss man mal sehen, wie es sich weiter entwickelt.

"Ich war trotz der Verletzung bei fast allen Sitzungen dabei. Wir haben meine Reha-Zeiten immer so gelegt, dass ich an den Besprechungen mit der Mannschaft teilnehmen konnte. Ich denke, ich habe schon verstanden, wie wir spielen."

Frage: Ist die Verletzung eigentlich noch im Hinterkopf? Oder ist das Vertrauen in die eigenen Knochen schon wieder komplett da?

Weigl: Vor zwei Wochen war es noch so, dass ich mich zwar frei gefühlt habe. Aber ich hatte die Verletzung noch im Hinterkopf, so dass man im Zweikampf vielleicht automatisch ein Stück zurückzieht. Da hat mir mein Einsatz in der U23 des BVB in der Regionalliga geholfen. Da habe ich einen Schlag genau auf mein Sprunggelenk bekommen. Ich war erschrocken, aber ich habe auch gemerkt, dass es nicht mehr geschmerzt hat. Das war ein lösender Moment. Da habe ich gemerkt, dass das Ding hält.

Frage: Die Spielweise von Borussia Dortmund hat sich unter Peter Bosz verändert. Konnten Sie die Abläufe schon verinnerlichen oder fehlt Ihnen da noch etwas, weil Sie die Vorbereitung nicht komplett absolvieren konnten?

Weigl: Das Gute ist, dass ich trotz der Verletzung bei fast allen Sitzungen dabei war. Wir haben meine Reha-Zeiten immer so gelegt, dass ich an den Besprechungen mit der Mannschaft teilnehmen konnte. Ich denke, ich habe schon verstanden, wie wir spielen. Natürlich passiert es mir im Training oder auch jetzt im Spiel manchmal noch, dass man seine Automatismen der vergangenen zwei Jahre noch drin hat. Daher wird es noch ein bisschen Zeit brauchen. Aber ich denke, ein stückweit habe ich es schon verinnerlichen können.

Video: Mittelfeld als Herzstück - der BVB im Taktik-Check

Frage: Was ist es konkret, was sich für Sie auf Ihrer Position im Mittelfeld unter Peter Bosz geändert hat?

Weigl: Bei Ballbesitz soll ich höher stehen und mich zwischen den Ketten aufhalten. Gegen den Ball ist die größte Veränderung, dass wir sehr hoch pressen und der Sechser mit hochschieben muss, wenn wir den Gegner vorne attackieren wollen. Das ist für mich neu. Aber ich freue mich darauf, ein Stück weiter vorne zu agieren. Vielleicht kann ich so mit Balleroberungen auch mal Tore vorbereiten oder auch mal entscheidende Pässe spielen.

Frage: Der BVB führt nach vier Spieltagen mit zehn Punkten und ohne jedes Gegentor die Tabelle an. Ist die Stimmung in der Mannschaft entsprechend gut?

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"Das Wichtigste für uns ist es, dass wir Vertrauen haben in das System und in die Philosophie. Mit den Ergebnissen werden wir bestätigt."

Weigl: Die Stimmung ist natürlich sehr gut. Wir sehen, dass das System immer mehr greift. Wir merken, dass wir immer dominant spielen können, dass unser Gegenpressing super funktioniert und dass wir hinten gut stehen. In London gegen Tottenham haben wir zwar mal Tore kassiert und verloren, aber wir haben kein unterirdisches Spiel gemacht. Das Wichtigste für uns ist es, dass wir Vertrauen haben in das System und in die Philosophie. Mit den Ergebnissen werden wir bestätigt. Dass wir in der Bundesliga bislang immer zu Null gespielt haben, ist super. Vor allem, weil wir auch wissen, dass wir selbst vorne immer zuschlagen können. Das ist ein sehr beruhigender Zustand.

Frage: Was trauen Sie dem BVB in dieser Saison zu?

Weigl: Es ist noch zu früh, jetzt schon eine Marschroute auszurufen. Wir sind sehr froh, dass es so gut läuft. Jetzt fahren wir natürlich auch nach Hamburg, um dort zu gewinnen. Und das würde ja auch heißen, dass wir in der Tabelle erstmal weiter ganz oben stehen bleiben.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte