Zusammenfassung

  • Nach langwierigen Adduktorenproblemen ist Julian Weigl wieder fit
  • Im Dortmunder Mittelfeld herrscht jedoch großes Gedränge
  • Weigl: "Ich bin kein geduldiger Mensch"

Köln – Knapp vier Monate sind ins Land gegangen, als Julian Weigl von Borussia Dortmund zuletzt in der Bundesliga auf dem Platz stand. Komplizierte Adduktorenprobleme hatten den 23-Jährigen nahezu die gesamte Sommervorbereitung gekostet. Nun drängt Weigl zurück ins Team – und muss dort seinen Platz erst einmal finden.

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"Ich bin kein geduldiger Mensch", gab Weigl auf einer Presserunde Anfang der Woche zu Protokoll und fügte hinzu: "Um auf mein Niveau zu kommen, brauche ich Spiele." Für den einst absolut unumstrittenen defensiven Mittelfeldspieler gilt es aber zunächst erst einmal, sich unter Lucien Favre zu behaupten.

Nur noch ein Sechser im zentralen Mittelfeld

Denn Weigl, der von seinem großen Förderer Thomas Tuchel im Jahr 2015 vom Bankdrücker beim TSV 1860 München überraschend zum BVB gelotst worden war und dort dank seines schnellen und soliden Passspiels unverzichtbar wurde und zum Nationalspieler aufstieg, erlebte in der letzten Saison den ersten kleinen Knick in seiner Karriere. Sowohl unter Peter Bosz als auch unter dessen Nachfolger Peter Stöger zählte Weigl nicht immer zur ersten Wahl. Und auch Joachim Löw berücksichtigte ihn in der vergangenen Saison nicht mehr für die Nationalelf.

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Doch für das präferierte Spiel von Lucien Favre könnte Weigl wieder zum zentralen Element des BVB werden. Das nahezu fehlerfreie Passspiel kombiniert mit den strategischen Fähigkeiten Weigls passen gut ins Konzept des Schweizers. Allein die Plätze im zentralen Mittelfeld scheinen bei Dortmund aktuell vergeben. Im derzeitigen 4-3-3 haben Axel Witsel auf der Sechs sowie das Pärchen Thomas Delaney und Mo Dahoud etwas offensiver auf der Acht absolut überzeugt.

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Chance spätestens in den englischen Wochen

Weil Weigl im Grunde aber ausschließlich als Sechser in Frage kommt, bleibt für ihn im 4-3-3 aktuell nur noch eine potenzielle Position gegenüber dem über lange Zeit eingespielten Dortmunder 4-2-3-1. Und die wird ausgerechnet von Königstransfer Axel Witsel ausgefüllt. Kaum vorstellbar, dass Weigl nun den belgischen Nationalspieler verdrängen kann.

Für Weigl kein Problem: Gegenüber Witsel hat er nicht nur größten Respekt ("ein Spieler mit seiner Erfahrung und Klasse hat uns letztes Jahr gefehlt"), er glaubt auch durchaus daran, dass beide gemeinsam agieren können: "Das hat im Training schon gut funktioniert." Eine Möglichkeit wäre etwa mit Weigl als Sechser, während Witsel auf die Acht rückt, oder in einem System mit zwei Sechsern. Dass Lucien Favre die gesamte Saison im 4-3-3 spielen lässt, scheint außerdem eher unwahrscheinlich.

Julian Weigl beim Testspiel gegen Osnabrück © imago / DeFodi

Bei der Reserve in der Regionalliga sowie beim Testspiel gegen Osnabrück konnte Weigl zuletzt wieder über die vollen 90 Minuten Wettkampfpraxis sammeln. Nun drängt er auch in der Bundesliga wieder in die Mannschaft. Am Freitag beim Auftaktspiele des 3. Spieltags gegen Eintracht Frankfurt könnte es schon so weit sein. "In den englischen Wochen wird schließlich jeder gebraucht", fügt Weigl an. Und die beginnen ja schon in der kommenden Woche mit der Champions League.

Karol Herrmann