Dortmund - Beim 4:1-Sieg über Eintracht Frankfurt brannte Borussia Dortmund einmal mehr ein Offensivfeuerwerk ab – und Julian Weigl war wieder mittendrin. Der 20-Jährige hat sich nicht nur auf Anhieb einen Stammplatz beim BVB erspielt, er stellte in dieser Partie mit 189 Ballkontakten auch einen neuen Saisonrekord auf (zu den Topdaten der Partie).

Nach der Partie erklärte Weigl im Interview, warum sein Trainer Thomas Tuchel zwischenzeitlich trotzdem nicht gut auf ihn zu sprechen war, warum sich die ganze Mannschaft besonders über den Treffer von Mats Hummels gefreut hat und wie der BVB am Mittwoch im Pokal in Augsburg auftreten sollte.

Frage:Julian Weigl, das war eine klare Leistungssteigerung im Vergleich zur letzten Partie in der Europa League am Donnerstag. War es schwierig, wieder auf Powerfußball umzuschalten?

Julian Weigl: Wir wissen ja, was in unserer Mannschaft steckt. Jeder war heiß auf dieses Spiel, jeder wollte sich von unseren Fans im heimischen Stadion gut in die Winterpause verabschieden. Ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen.

Frage: Gleich in der Anfangsphase lag der BVB allerdings erstmal zurück.

Weigl: Es ist natürlich ärgerlich, dass wir wieder mit der ersten und fast auch einzigen Chance des Gegners direkt ein Tor kassieren, dann auch noch nach einem Konter. Aber wir sind trotzdem ruhig geblieben und haben unser Spiel durchgezogen. Am Ende sind wir auch in der Höhe als verdienter Sieger vom Platz gegangen.

"Habe gehört, dass jemand an der Linie tobt"

Frage: Bei dem Konter standen sechs Dortmunder gegen zwei Frankfurter. Was ist trotzdem schief gelaufen?

Weigl: Wir hatten die Situation eigentlich im Griff. Seferovic haben wir gut gestellt, als er den Ball hatte. Ihm blieb nur der Ausweg, quer nach hinten zu spielen. Da kam Alex Meier dann aber frei zum Schuss. Ich wollte ihn noch blocken, aber er hat genau gegen meine Laufrichtung geschossen. Dabei habe ich Roman Bürki auch noch die Sicht versperrt. Alle Torschüsse kannst du nicht verhindern, aber in dieser Szene waren wir tatsächlich genügend Spieler, um das zu tun. Das müssen wir nächstes Mal anders verteidigen.

Frage: Der Trainer schien in der ersten Halbzeit nicht immer mit allen Ihren Entscheidungen auf dem Platz zufrieden zu sein. Was hat ihn gestört?

Weigl: Das kann ich gar nicht so genau sagen (lacht). Ich habe auch nur gehört, dass da an der Linie jemand tobt. Ich hatte zwei Situationen, in denen ich die ruhigere Variante gewählt habe. Wahrscheinlich hätte ich da besser einen schnellen Gegenangriff einleiten sollen. Ich habe aber zum Beispiel in einer Situation zu spät gesehen, dass Marco Reus frei war (lacht). Aber mit 20 Jahren darf ich auch mal eine falsche Entscheidung treffen. Daher hoffe ich, dass der Trainer mit verzeiht. Und in der zweiten Halbzeit war es dann auch besser. Da hatte ich auch gefährliche Bälle nach vorne.

Frage: Beim 3:1 durch Mats Hummels hat sich die Mannschaft ganz offensichtlich nicht nur über den Treffer, sondern auch mit dem Schützen gefreut. Stimmt dieser Eindruck?

Weigl: Ja klar, Mats schießt ja auch nicht jeden Tag ein Tor. Natürlich haben wir uns für ihn gefreut. Zuletzt ist viel gesagt und geschrieben worden über ihn, auch viel Negatives – da freut man sich doppelt, wenn er es seinen Kritikern zeigt. Und ein schönes Tor war es auch noch. So trifft er den Ball auch nicht immer.

"Es ging schneller, als ich mir erträumt habe"

Frage: Sie selbst haben sich in dieser Hinserie auf Anhieb in die Mannschaft gespielt und sind aus der Stammelf nicht mehr wegzudenken. Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit aus?

Weigl: Es ist alles viel schneller gegangen, als ich es mir vorher erdacht oder erträumt habe. Ich musste im Sommer realistisch sein: Ich kam von einem Zweitligisten, in unserem Kader stehen Top-Spieler. Ich wollte einfach ankommen, ganz viel aufsaugen und für mich selbst lernen. Dann habe ich viel, viel Spielzeit bekommen, worüber ich natürlich richtig froh bin. Jetzt habe ich mir neue Ziele gesetzt, möchte meine Leistung bestätigen und in der Mannschaft bleiben. Weiter Minuten sammeln, mit der Mannschaft erfolgreich sein und unseren Fans jetzt bis zur Pause noch zwei Siege schenken – das sind konkret die nächsten Ziele.

Frage: Am Mittwoch geht es im DFB-Pokal zum FC Augsburg, bei dem die Formkurve nach oben zeigt. Was rechnen Sie sich aus?

Weigl: Leicht wird es auf jeden Fall nicht in Augsburg. Sie sind im Aufwind und in einem K.o.-Spiel kann alles passieren. Da entscheiden manchmal auch Kleinigkeiten. Aber wenn wir die Partie so angehen wie unser Heimspiel gegen Augsburg und sie von Anfang an packen, dann wird es brutal schwer, uns zu schlagen. Und mit genau diesem Selbstvertrauen müssen wir dort auftreten.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte