Mönchengladbach - Die Siegesserie von Borussia Mönchengladbach geht weiter. Der 3:1-Heimerfolg gegen Schalke 04 war der fünfte Dreier der Fohlen in der Bundesliga nacheinander. Damit liegt die Borussia nun bereits auf Rang 7 und hat nur noch drei Punkte Rückstand auf Platz 4. Der Gladbacher Außenverteidiger Julian Korb wird den Erfolg gegen die Knappen in besonders guter Erinnerung behalten, gelang ihm doch in seinem 54. Bundesliga-Spiel sein Premierentor. Nach der Partie stellte er sich zum Interview.

Frage: Herr Korb, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg der Borussia, vor allem aber zu Ihrem ersten Tor im Profifußball. Wie haben Sie es gesehen?

Julian Korb: Vielen Dank. Das wurde nun aber auch wirklich mal langsam Zeit. Raffael hat in seiner unnachahmlichen Manier zwei Gegenspieler stehen lassen, dann Übersicht bewiesen und mich mit einem sehr guten Pass genau in den Lauf eingesetzt. Ich gehe dann Risiko, nehme den Ball mit dem Vollspann und schieße ihn in die lange Ecke.

Frage: Sie sind in den letzten Wochen in Ihrer Spielart wesentlich offensiver geworden. Hängt das mit Ihnen selbst zusammen oder gibt Ihnen der Trainer außen mehr Möglichkeiten?

Korb: Ich glaube schon, dass der Trainer die Außenverteidiger ein bisschen höher sehen will. Das kommt mir auch zugute, weil man ein bisschen näher am Tor ist. Man kann beim Gegenpressing Bälle erobern und sich direkt ins Spiel nach vorne einschalten. Ich finde das gut.

"Man sieht, was alles passieren kann"

Frage: Damit setzt die Borussia ihre Gegner unter Druck. Auch Schalke ist heute in der ersten Halbzeit mit dieser Spielweise kaum zurecht gekommen.

Korb: Das sehe ich auch so. Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt und uns leider nicht belohnt, sondern ganz im Gegenteil ein unglückliches Gegentor bekommen. Das war ärgerlich. Wir wollten dann zur zweiten Halbzeit aus der Kabine kommen und den Druck erhöhen. Das hat anfangs nicht ganz so gut geklappt. Aber wir konnten uns noch steigern und haben am Ende verdient mit 3:1 gewonnen.

Frage: Erst gab es fünf Niederlagen in der Bundesliga, dann fünf Siege. In der Tabelle ist Borussia von Platz 18 auf Position 7 geklettert. Die Mannschaft ist jetzt da angekommen, wo sie hin will - auf einem einstelligen Platz mit Blickrichtung Europa. Wie kann sich die Situation innerhalb von wenigen Wochen so drehen?

Korb: So Geschichten schreibt ja nur der Fußball. Man sieht daran, was alles passieren kann. Erfolge sind keine Selbstverständlichkeit. Man muss immer Gas geben, am Limit spielen und sich das Glück ein Stück weit erarbeiten. In den ersten fünf Spielen haben wir ganz hart erfahren, wie es auch laufen kann. Jetzt glauben wir wieder an unsere Stärken und eigenen Qualitäten. Auf dem Zug wollen wir so lange wie möglich bleiben.

Frage: Am Mittwoch geht es gegen Schalke direkt im Pokal weiter. Wie gehen Sie die Aufgabe an?

Korb: Wir wollen natürlich eine Runde weiter kommen. Wir wissen, dass es auf Schalke ein ganz anderes Spiel werden wird. Es geht wieder bei null los, wir müssen wieder am Limit spielen, um diese starke Schalker Mannschaft zu schlagen. Deshalb ruhen wir uns nicht auf diesem 3:1-Sieg aus, sondern wissen, dass wir wieder alles abrufen müssen.

"Sehr gute Aktionen über außen"

Frage: Ist es ein Vorteil, so schnell wieder auf den gleichen Gegner zu treffen? Bleibt Ihnen jetzt die Videoanalyse erspart?

Korb: Ich weiß nicht, ob es ein Vor- oder Nachteil ist. Es kommt nicht sehr häufig vor, dass man innerhalb von vier Tagen zweimal gegen den gleichen Gegner spielt. Wir nehmen es an und sind auf gar keinen Fall übermütig, nur weil wir heute 3:1 gewonnen haben. Es wird ein hartes Stück Arbeit.

Frage: Was hat heute den Unterschied ausgemacht?

Korb: Wir haben sehr gut von hinten heraus gespielt und gut durch Flachpässe oder lange, diagonale Pässe das Spiel aufgebaut. Wir hatten sehr gute Aktionen über außen. Es hat gut gepasst.

Frage: Die Borussia hat nun fünf Spiele in Folge gewonnen, diesmal zwar keinen Elfmeter gegen sich bekommen, dafür aber ein Eigentor erzielt. "Normale" Spiele hat die Mannschaft zurzeit kaum drauf.

Korb: Das macht aber nichts. Wir sind froh und glücklich, dass wir das Spiel gewinnen konnten. Es war aber wieder nur ein Spiel.

"Wünsche Andre gute Besserung"

Frage: Wie ordnen Sie die Platzierung in der Tabelle nun ein?

Korb: Darüber machen wir uns keine Gedanken, weil wir genau wissen, wie sich eine schlechte Phase anfühlt. Wir gucken nicht so genau auf die Tabelle, auch wenn wir natürlich wissen, dass wir hochgerutscht sind. Wir sind noch am Anfang der Saison, es kann sich noch viel ändern.

Frage: Der Sieg hat leider einen faden Beigeschmack wegen des Fouls von Johannes Geis an Andre Hahn, der verletzt vom Platz getragen werden musste. Wie haben Sie die Situation gesehen?

Korb: Der Ball kommt hoch aus der Luft. Johannes Geis hat Andre nicht gesehen. Es war eine sehr unglückliche Aktion und sicher keine Absicht von Johannes. Ich kenne ihn von der U21 und schätze ihn nicht so ein. Mir tut es sehr leid für den Andre und ich wünsche ihm auf diesem Weg gute Besserung.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski