Hamburg - Exakt 776 Autobahn-Kilometer liegen zwischen der Münchener Allianz- und der Hamburger Imtech-Arena. Einen längeren Weg muss man in Deutschland nirgendwo zurücklegen, um von einer Bundesliga-Spielstätte zur anderen zu gelangen. HSV-Neuzugang Julian Green hat diese Strecke am Freitag erstmals hinter sich gebracht. Der vom FC Bayern München ausgeliehene Offensivspieler ist einer der neuen Hoffnungsträger beim Hamburger Sport-Verein.

Denn genauso weit, wie die beiden Stadien des Deutschen Meisters und des "Bundesliga-Dinos" auseinander liegen, klaffte zum Ende der vergangenen Saison auch in der Tabelle die Lücke zwischen den beiden Clubs. Neben anderen Neuzugängen (wie Lewis Holtby), soll der für ein Jahr vom FCB ausgeliehene Green den Hanseaten dabei helfen, den Abstand zwischen dem Meister und dem Fast-Absteiger, der sich nur über die Relegation in der Bundesliga halten konnte, wieder auf ein gesundes Maß zu verringern.

Eine Saison wie im Zeitraffer

"Die Mannschaft ist super und ich sehe hier sehr gute Möglichkeiten, um mich weiterzuentwickeln", sagte der 19-Jährige Newcomer der vergangenen Saison bei seiner Ankunft an der Elbe am Freitag, wo er zum Medizincheck antrat und sich später die Arena im Hamburger Volkspark anschaute. "Ich freue mich darauf, werde Gas geben und versuchen, mich durchzusetzen."

Wie im Zeitraffer verlief Greens vergangene Saison: Vom Regionalliga-Spieler wurde er unter Pep Guardiola in München zunächst zum Bundesliga-Spieler, sammelte später sogar Einsatzminuten in der Champions-League und avancierte bei der Weltmeisterschaft in Brasilien unter US-Coach Jürgen Klinsmann zum Stammspieler der Amerikaner. Nicht zuletzt durch sein spektakuläres Tor im Achtelfinale gegen Belgien machte er auf sich aufmerksam.

Ruhig, bodenständig, normal

Nun will Green beim HSV angreifen. "Mein Ziel ist es, im Training alles zu geben, um möglichst viel zu spielen. Es geht darum, mich auf höchstem Niveau durchzusetzen", sagt er. Bodenständig, so wie man den jungen Stürmer in den letzten Monaten immer wieder kennengelernt hat. Und genau so, wie er sich auch selbst beschreibt: "Ich bin ein ganz normaler Typ. Ganz bodenständig. Ich bin ein ganz ruhiger."

Durch diese Charaktereigenschaften möchte Julian Green zusammen mit dem Hamburger SV zum Erfolg finden. Dabei helfen werden ihm aber auch seine außergewöhnlichen spielerischen Qualitäten. Er ist technisch hochbegabt, verfügt über ein gutes Spielverständnis und über einen fulminanten Abschluss. Das sagt er auch über sich selbst: "Ich bin schnell, torgefährlich und unberechenbar." Alles Eigenschaften, die den Hanseaten in den letzten Monaten oft fehlten.

"Ich werde mich durchsetzen"

Auch von seinen bisherigen Trainern bekam Green die Unterstützung, für ein Jahr den Schritt in den Norden zu gehen. Jürgen Klinsmann empfahl ihm, das Leihgeschäft durchzuziehen und auch Pep Guardiola gab ihm mit auf den Weg, beim HSV "Gas zu geben" und sich "durchzusetzen".

"Das werde ich tun", sagt Green selbstbewusst. Die Möglichkeit, dies seinem "alten" Coach Guardiola zu Beweisen, hat er bereits in zwei Wochen. Denn dann ist der FC Bayern am 4. Bundesliga-Spieltag in Hamburg zu Gast. Und ein Teil der Hoffnungen der Hausherren ruhen auf dem 19-Jährigen Stürmer mit deutschem und US-amerikanischem Pass. Am Freitag reiste er sofort wieder nach München, um letzte Dinge zu klären. Am Sonntag wird er dann die 776 Kilometer erneut in Angriff nehmen, um endgültig in Hamburg anzukommen.

Dennis-Julian Gottschlich