Wolfsburg - Er war rechts, links und natürlich auch in der Spielfeldmitte zu finden. Julian Draxler war ständig unterwegs, stets anspielbereit und gewann mit seinem unbändigen Einsatz bei seinem Debüt vor heimischen Publikum gleich die Herzen der VfL Wolfsburg-Fans.

Das Ganze krönte der Ex-Schalker mit dem entscheidenden Treffer zum 1:0 des VfL Wolfsburg über ZSKA Moskau. "Ich glaube, viel zu meckern gibt es nicht", freute sich der21-Jährige nach der Partie. "Wenn es was zu bemängeln gibt, dann dass wir den Sack hätten früher zumachen müssen."

"Waren spielerisch sehr stark"

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Frage: Herr Draxler, den Champions-League-Auftakt mit 1:0 gewonnen, das entscheidende Tor erzielt. Haben Sie sich ihr Debüt vor heimischen Publikum in etwa so vorgestellt?

Julian Draxler: Ich glaube viel zu meckern gibt es nicht. Wir haben zu Hause gewonnen. Das war enorm wichtig. Dass ich das Tor gemacht habe, ist natürlich sehr schön. Aber wir hätten auch viel eher Ruhe haben können. Wir haben das Spiel viel zu lange offen gehalten. Wenn es was zu bemängeln gibt, dann dass wir den Sack hätten früher zumachen müssen. Aber das ist jetzt meckern auf hohem Niveau.

Frage: Also im Endeffekt, was man einen Arbeitssieg nennt?

Draxler: Nein. Ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt haben. Wir waren spielerisch sehr stark. Von daher würde ich sagen, dass es ein verdienter Sieg war, nur am Ende nicht hoch genug.

Frage: Premiere vor heimischen Publikum - und das in der Champions League. Ist da eine besondere Anspannung zu spüren?

Draxler: Auf jeden Fall ist das eine besondere Anspannung. Aber ich bin ja jetzt auch schon lange im Geschäft. Das muss man ausblenden und Leistung zeigen. Und das hab' ich gemacht.

"Wichtig ist, dass wir flexibel sind"

Frage: Beschreiben Sie kurz das entscheidende Tor aus Ihrer Sicht. Zunächst der Kopfball und dann den Nachschuss reingemacht...

Draxler: Das war eine schöne Flanke von Max (Kruse; die Red.). Aber es ist ja bekannt, dass das Kopfballspiel nicht meine allergrößte Stärke ist. Daher bin ich froh, dass ich den Nachschuss reingemacht habe.

Frage: Viel Zeit zu trainieren hatten Sie ja noch nicht. Trotzdem hat das Zusammenspiel mit Max Kruse schon sehr gut funktioniert. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Draxler: Der Trainer hat vorm Spiel gesagt, wir sollen uns ergänzen und abwechselnd fallen lassen, um Luis (Gustavo; die Red.) zu unterstützen, der ja allein auf der Sechs agiert hat. Und Luis hat dann auf dem Weg nach hinten die Kommandos gegeben, wer wen zu nehmen hat. Wir haben dieses System ja noch nicht einmal im Training gespielt, aber der Trainer hatte volles Vertrauen in Max und mich. Und ich glaube, besonders in der ersten Halbzeit, haben wir das sehr gut gemacht.

Frage: Eine Option auch für die Zukunft?

Draxler: Warum nicht. Aber wichtig ist, dass wir flexibel sind. So kann der Trainer von Spiel zu Spiel entscheiden, was für welchen Gegner das richtige System ist. Heute hat das sehr gut gepasst.

Frage: Der VfL hatte auf dem Papier eine sehr offensive Ausrichtung. Ein Garant für den Sieg?

Draxler: Wenn man im Sechzehner präsent ist, dann fällt es natürlich leichter, Tore zu machen. Und es war heute so, dass wir mit vielen Leuten in der Box waren. Wir haben das nur nicht in Tore umgesetzt.

Frage: Im zweiten Spiel der Gruppe hat Eindhoven 2:1 gegen Manchester United gewonnen. Sagt das schon was aus?

Draxler: Natürlich guckt man dahin. Aber nach dem ersten Spiel schon auf die Tabelle zu schauen, ist viel zu früh.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs