Köln - Mitten im Interview platzt Bayer 04 Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler herein, um seinen Youngster Julian Brandt zu umarmen und ihn mit den besten Wünschen nach Rio zu verabschieden. Zusammen mit seinem Teamkollegen Lars Bender und der deutschen Olympia-Fußballnationalmannschaft geht der Blondschopf nämlich auf große Reise. Bevor Julian Brandt die Koffer packt, spielte er mit der Werkself noch 1:1 gegen den FC Porto und beantwortete exklusiv die Fragen von bundesliga.de.

bundesliga.de: Julian Brandt, Bayer 04 Leverkusen ist seit einigen Wochen wieder im Training und hat unter der Woche in einem Testspiel 1:1 gegen den FC Porto gespielt. Wie bewerten Sie den Auftritt?

Julian Brandt: In solchen Testspielen sieht man ganz gut, dass noch ein bisschen was fehlt. In den nächsten Wochen und im Trainingslager wird sicher noch einiges passieren.

bundesliga.de: In diesem Jahr war die Sommerpause besonders lang. Wie haben Sie die persönlich genutzt und verbracht?

Brandt: Für mich war es seit sechs oder sieben Jahren die erste richtig große Pause. Ich hatte meinen Trainingsplan dabei und habe individuell etwas gemacht. Es war einmal Zeit für Dinge, die man sonst nicht machen kann. Ich habe viele Freunde getroffen. Und irgendwann wackelten auch wieder die Füße.

bundesliga.de: Die Abstimmung im Testspiel gegen Porto sah schon ganz gut aus. Bayer 04 hat nicht so viele Veränderungen im Kader. Wie gehen Sie die neue Saison an?

Brandt: Der Kern des Kaders und eigentlich die ganze Mannschaft ist bis auf Christoph Kramer geblieben. Die Neuen werden schnell gut integriert sein. Das wird kein Problem geben. Die Abstimmung stimmt, die meisten Spieler wissen, wie sie pressen. Und die Neuzugänge werden das auch lernen oder haben in Hoffenheim oder Ingolstadt auch nicht vollkommen anders gespielt.

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bundesliga.de: Sie sprechen Kevin Volland an, der aus Hoffenheim zur Werkself gestoßen ist. Was für ein Typ ist er?

Brandt: Er ist ein guter Typ. Er fügt sich gut ein, macht in den Testspielen viele Tore. Mit ihm haben wir einen guten Jungen geholt. Seine Verpflichtung wird sich sicher auszahlen.

bundesliga.de: Er hat in einem Interview auch schon gesagt, dass er sich vorstellen kann, mit Leverkusen Titel zu holen. Auch Hertha-Trainer Pal Dardai hält große Stücke auf Bayer 04 und tippt die Werkself als kommenden Meister. Wie nehmen Sie diese Ankündigungen war?

Brandt: Dass Leverkusen sehnsüchtig auf einen Titel wartet, ist kein Geheimnis. Man muss aber auch realistisch bleiben. Die Bayern und die Dortmunder sind momentan sehr gut drauf. Wir aber auch. Ich denke, dass der DFB-Pokal für uns immer mal drin ist. Letztes Jahr sind wir unglücklich rausgeflogen. Daraus müssen wir lernen.

bundesliga.de: Nächste Woche fliegen Sie mit der Olympiamannschaft nach Brasilien, danach kommt die Bundesliga. Was haben Sie sich für die Saison vorgenommen?

Brandt: Bei den Olympischen Spielen wollen wir auf jeden Fall etwas holen. Ich denke, dass wir eine gute Truppe beisammen haben. Wir fahren da sicher nicht als Touristen-Mannschaft hin, die sich Rio angucken will. Es wäre eine geile Sache, wenn wir von dort mit einer Medaille wieder heimfahren könnten. Danach geht dann direkt die Saison los. Für mich persönlich wäre es gut, wenn der Lauf der letzten Saison weitergeht.

bundesliga.de: Was wollen Sie von Olympia an weiteren Erfahrungen mitnehmen?

Brandt: Die Eröffnungsfeier verpassen wir, weil wir einen Tag vorher unser erstes Spiel haben. Wir werden alle drei Tage spielen und wahrscheinlich nicht viel Zeit haben, andere Sportarten vor Ort zu verfolgen. Im Idealfall haben wir sechs Spiele in zwei Wochen.

bundesliga.de: Mit Bayer 04 haben Sie in den letzten Jahren immer die Champions League erreicht, zuletzt als Dritter. Ist das auch die Vorgabe für die kommende Saison?

Brandt: Ja, das sollte schon unser Ziel sein, am besten auf direktem Weg über Platz 3. Der würde auch den Ansprüchen von Leverkusen gerecht.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski