Zusammenfassung

  • Julian Brandt glänzt nach seiner Einwechslung mit einem Tor und einer Vorlage

  • Das 5:1 in Mönchengladbach soll Bayer 04 Leverkusen Schwung für die kommenden Aufgaben geben

  • Brandt: "Wir stecken jetzt voller Selbstbewusstsein"

Mönchengladbach - Mit der Einwechslung von Julian Brandt kam der Erfolg. Nach einer schwachen Vorstellung in den ersten 45 Minuten trumpfte Bayer 04 Leverkusen bei Borussia Mönchengladbach danach groß auf. Die Werkself drehte das rheinische Derby und machte aus einem 0:1-Pausenrückstand einen grandiosen 5:1-Erfolg. Der Nationalspieler steuerte ein Tor und ein Assist zum Kantersieg bei und stellte sich danach zum Interview.

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Frage: Julian Brandt, die erste Spielhälfte haben Sie noch von draußen verfolgt, in der zweiten haben Sie auf dem Platz gestanden. Wie haben Sie den ersten Durchgang von der Bank aus erlebt?

Julian Brandt: Es war keine gute erste Halbzeit von uns, dass muss man schon zugeben. Aber es ist schwer eine Leistung zu beurteilen, wenn man nicht selbst auf dem Platz steht. Ich wusste schon vor dem Pausenpfiff, dass ich zur zweiten Halbzeit kommen und versuchen werde, vieles besser zu machen. Wir haben unser System umgestellt, was elementar wichtig war. Danach hatten wir einen besseren Zugriff auf die komplette Gladbacher Mannschaft und konnten unsere Konter eiskalt ausnutzen. Meiner Meinung nach gab es zwei Knackpunkte in der Partie. Zum einen der Schuss von Thorgan Hazard, den Bernd Leno großartig pariert. Und dann der Ausgleich zum 1:1, den Sven Bender kurz nach Halbzeit macht. Dadurch sind wir so in Fahrt gekommen, dass vieles geklappt. Dann gewinnt man auch mal 5:1.

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Frage: Nach dem Ausgleich war fast jeder Schuss ein Treffer. Kam Ihnen das manchmal sogar einfacher vor als im Training?

Brandt: Na, das kommt darauf an. Wir hatten auch schon Trainingseinheiten, in denen viele Tore gefallen sind. Aber die Leichtigkeit war heute definitiv gegeben. Nach dem 2:1 und 3:1 hatten wir diese Sicherheit. Es hat fast alles funktioniert. Unser Pressing hat super geklappt, wir haben nicht zu hoch, sondern im Mittelfeld gepresst. Wir hatten super Konterszenen. Wendell hat die Latte getroffen, Joel Pohjanpalo kommt rein und schießt ein Tor. Auf die zweite Halbzeit können wir stolz sein, über die erste müssen wir noch einmal reden.

Brandt: "Wir stecken jetzt voller Selbstbewusstsein"

Frage: Der Trainer sprach vor dem Spiel von einer richtungsweisenden Partie. Ist heute der Knoten geplatzt?

Brandt: In den letzten Wochen haben wir häufiger die Chancenverwertung bemängelt. In dieser Hinsicht ist heute der Knoten geplatzt. Aber wir haben in letzten Wochen auch nicht mehr verloren und sind jetzt seit vier Spielen ungeschlagen. Das ist schon einmal sehr positiv. Im Hinblick auf die Spiele am Dienstag (im Pokal gegen Union Berlin, die Red.) und Samstag (gegen den 1. FC Köln, die Red.) ist das Ergebnis von heute super. Wir stecken jetzt voller Selbstbewusstsein. Auch für die Tabelle war der Sieg ein wichtiger Schritt und ein richtungsweisendes Spiel.

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Frage: Hätten Sie bei Ihrer Einwechslung für möglich gehalten, dass das Spiel so kippt?

Brandt: So was ist immer schwer zu beurteilen. Ich bin aber sofort gut ins Spiel gekommen. Und die Mannschaft hatte direkt nach ein, zwei Minuten die erste Chance von Leon Bailey. Da hast du direkt gemerkt, dass wir wieder zurückkommen können, auch wenn der Gegner in der ersten Halbzeit sehr dominant war. Das ist uns umgekehrt ja auch schon passiert. Wir haben in der letzten Woche das Spiel gegen Wolfsburg (2:2, die Red.) beherrscht, dann macht der VfL den Ausgleich und ist auf einmal im Spiel. Ich liege natürlich nicht gerne zurück. Aber heute war der Rückstand okay, damit wir auch einmal hinterher rennen und viel dafür arbeiten mussten, damit so ein Sieg zustande kommt. Mental war das ein sehr wichtiger Schritt.

Spiel ist "eine Ansage an die Konkurrenz"

Frage: Ist dieses 5:1 der Werkself auch eine Ansage an die Konkurrenz?

Brandt: Definitiv. Spielerisch haben wir in dieser Saison auch schon in ein oder zwei Partien eine Ansage gemacht. Aber nicht ergebnistechnisch. Das ist uns heute gelungen.

>>> Die Stimmen von Bayer 04 Leverkusen nach dem 5:1-Erfolg (bayer04.de)

Frage: Wie gut hat Ihnen das Tor getan?

Brandt: Sehr gut. Ich war aber auch in keinem Loch oder hatte sehr lange nicht getroffen. Aber es ist immer schön, wenn du ein Tor machst oder vorbereitest. Für mich sind solche Erlebnisse immer sehr wichtig. Wenn ich der Mannschaft dadurch helfen kann, ist es noch schöner.

© imago / Jan Huebner

Frage: Was fehlt Leverkusen noch, um eine derartige Balance im eigenen Spiel hinzubekommen, dass solche extremen Schwankungen wie zwischen der ersten und zweiten Halbzeit künftig ausbleiben?

Brandt: Was genau fehlt, weiß ich gar nicht. Ein bisschen fehlt uns, dass wir uns als Mannschaft früher sammeln, wenn wir einmal nicht ins Spiel kommen wie heute in der ersten Halbzeit. Da müssen wir Spieler auf dem Platz während einer Unterbrechung erkennen: "So klappt es nicht, lasst es uns anders machen." Wir warten immer erst bis zur Halbzeit, das dauert natürlich. Wenn vor der Pause das 0:2 fällt, bricht uns das wahrscheinlich das Genick. Es wäre sehr sinnvoll, wenn wir es schneller bemerken und schneller andere Sachen machen. Wir sind Spieler, wir können es beurteilen, wie es auf dem Feld ist und dementsprechend reagieren. Wenn wir das hinbekommen, spielen wir zukünftig nicht mehr eine ganze Halbzeit schlecht, sondern vielleicht nur noch 15 Minuten.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski