Köln - Seit Wochen spielt Julian Brandt in großer Form auf. Der Youngster von Bayer 04 Leverkusen hat in den letzten sechs Partien immer getroffen und so einen maßgeblichen Anteil am Aufschwung der Werkself gehabt. Im Interview spricht der 20-Jährige über den Saisonendspurt und seine Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme.

Frage: Julian Brandt, Bayer 04 Leverkusen hat zwei Spieltage vor Saisonende den 3. Platz sicher unter Dach und Fach gebracht. Die letzten sieben Spiele wurden alle gewonnen, bei den letzten sechs steuerten Sie jeweils ein Tor bei. Wie wichtig waren Ihnen persönlich Ihre Tore?

Julian Brandt: Die Mannschaft steht über meinem eigenen Wohl. Die Platzierung zwei Wochen vor Saisonende ist wichtiger als meine sechs Tore, die ich jetzt gemacht habe. Für mich ist es top, wenn es läuft und ich der Mannschaft helfen kann. Ich bin glücklich, so wie der ganze Rest der Truppe hier.

Frage: Wie hat die Mannschaft den Erfolg gefeiert? Wurde schon die Prämie auf den Kopf gehauen?

Brandt: Nein, es war vergleichsweise ruhig, weil die meisten Spieler nach dem Spiel gegen Hertha relativ fertig waren. Die Prämie kommt in die Mannschaftskasse und wird nicht nur unter den Spielern, sondern unter dem ganzen Tross aufgeteilt. Das ist nur fair.

Frage: Welche Rolle spielt es, den 3. Platz bereits klar gemacht zu haben?

Brandt: Für den Kopf ist es super, die Champions League zwei Wochen vor Saisonende fix zu haben. Keiner kann uns das mehr nehmen. Wenn uns vor vier oder fünf Monaten jemand gesagt hätte, ihr kriegt den dritten Platz zwei Spieltage vor Saisonende, hätte das jeder genommen.

"Ich bin ganz gechillt"

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Frage: Mit Ihren tollen Leistungen in den letzten Wochen haben Sie sich auch für die Nationalmannschaft empfohlen. Rechnen Sie noch damit, auf den EM-Zug aufspringen zu können oder ist eine Teilnahme bei Olympia wahrscheinlicher?

Brandt: Es gab noch keine Zeichen aus höheren Regionen. Ich bin auch relativ gelassen. Was kommt, das kommt, was nicht, das kommt nicht. Ich mache mir überhaupt keinen Stress. Ich plane zunächst meinen Urlaub, weil in dem Zeitraum von der U21 nichts ansteht. Wenn ein Anruf kommt, dann kommt ein Anruf. Wie gesagt: Ich mache mir weder Hoffnungen, noch erwarte ich etwas vom Bundestrainer. Ich bin ganz gechillt.

Frage: Aber Sie würden sich auch nicht gegen Berufung wehren.

Brandt: Klar würde ich liebend gerne zur EM fahren, das ist das Ziel von jedem jungen Spieler, der noch nicht in der A-Nationalmannschaft gespielt hat. Man kann aber Olympia auch nicht als Trostpreis sehen, weil es ein unfassbar geiler Wettbewerb ist. Deswegen ist es eine Win-Win-Situation.

Frage: Wie haben Sie und die Mannschaft es aufgenommen, dass Torhüter Bernd Leno der Werkself in der kommenden Saison erhalten bleibt?

Brandt: Ich bin froh, dass Bernd bleibt, weil er auch ein guter Freund ist. Er ist eine tragende Säule in unserer Mannschaft. Es hilft uns, dass er bleibt. Er ist auch nicht der einzige, der seine Klausel nicht gezogen hat. Auch Karim Bellarabi hat gesagt, dass er bleibt. Genauso Stefan Kießling oder Vladen Yurchenko. Das ist ein wichtiges Zeichen an die Mannschaft. Wir haben eine sehr junge Mannschaft und konnten uns nun ein Jahr entwickeln. Vielleicht geht es nächstes Jahr noch besser für uns aus. Wenn der Großteil der Mannschaft bleibt, ist das super. Wir sind dann einfach eingespielt. Dann kommt auch immer mehr Erfolg.

"Wollen die Gladbacher ein bisschen ärgern"

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Frage: Ist mit dieser Mannschaft auch ein Titel möglich?

Brandt: In Leverkusen wartet man sehnsüchtig darauf, mal einen Titel einzufahren. Die Deutsche Meisterschaft ist immer sehr schwer zu gewinnen. Aber warum nicht den DFB-Pokal. Wir haben auch eine gute Mannschaft. Wir haben uns in den letzten Jahren immer unter den besten vier durchgesetzt. Dieses Jahr sind wir die dritte Kraft, Stand jetzt auch relativ eindeutig. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Wir haben eine gute Mannschaft.

Frage: Wie gehen Sie in die beiden letzten Saisonspiele?

Brandt: Wir wollen jetzt erstmal nach dem Sieg in Köln auch im Derby die Gladbacher ein bisschen ärgern.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski