Bremen - In Bremen reiben sich derzeit nicht nur die Fans immer wieder verwundert die Augen, wenn sie einen Blick auf die Mannschaftsaufstellung werfen. In den sechs Spielen unter Viktor Skripnik bekamen bereits sechs Spieler aus seiner ehemaligen U 23 die Chance, sich in der Bundesliga zu bewähren.

Gegen Hannover 96 überraschte der Ukrainer mit der Berufung von Melvyn Lorenzen als Vertreter des verletzten Top-Torjägers Franco di Santo. Der etatmäßige Angreifer Nils Petersen schaffte nicht einmal den Sprung in den Kader. Dabei hatte der 20-jährige Lorenzen nach knapp einjähriger Verletzungspause zuvor gerade mal zwei Kurzeinsätze in der Regionalliga Nord absolviert.

Youngster Lorenzen und Selke treffen

"Wir hatten abgesprochen, er spielt so lange es geht und gibt mir ein Zeichen, wann er rausmöchte", verriet Skripnik nach dem Spiel. Dieses Zeichen gab Lorenzen knapp zehn Minuten nach der Pause.

Kurios: Ersatz Davie Selke stand bereits zur Auswechslung bereit, als Lorenzen mit seiner letzten Aktion mit einem "Weltklasse-Tor" (Kapitän Clemens Fritz) den SV Werder 2:1 in Führung brachte.

Und auch der 19-Jährige traf und rettete den Bremern mit seinem Treffer zum 3:3-Endstand in der 88. Minute gegen Lieblingsgegner Hannover 96 einen Punkt. Die Niedersachsen haben zuletzt und zum bisher einzigen Mal in 27 Aufeinandertreffen am 22. März 2003 (2:1) an der Weser gewonnen.

Vier U-23-Akteure in der Startelf

Neben Lorenzen standen mit Keeper Richard Strebinger, Levent Aycicek und Janek Sternberg drei weitere U-23-Akteure in der Startformation.

"Jeder Spieler kann sich im Training empfehlen. Ich muss spüren, dass er für Werder brennt", beschreibt Skripnik seine Anforderungen an die Spieler für einen Platz im Kader. Anforderungen, die in den Augen des 45-Jährigen offensichtlich die Jungen im Kader erfüllen.

"Das muss nicht immer funktionieren", gibt Skripnik zu, "aber natürlich gestehe ich jungen Spielern Fehler zu." Und Fehler sind dazu da, sie zu korrigieren. So wie im Fall Janek Sternberg.

"Sie sind unsere Zukunft"

Den 22-Jährigen nahm Skripnik noch vor der Pause vom Feld. "Trainer, der läuft mit mir und dem Ball in den Strafraum", verriet Skripnik, dass der schmächtige Außenverteidiger zugab, einfach kein Mittel zu finden, Hannovers kräftigen Angreifer Jimmy Briand zu stoppen.

Aber das war eine Ausnahme. "Die Jungs machen ihre Aufgabe sehr gut", lobt Skripnik seine Jungen Wilden. "Sie sind unsere Zukunft." In Bremen ist man schon gespannt, mit welcher Aufstellung Skripnik am Mittwoch in Mönchengladbach überraschen wird.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs