Dortmund - Hier haben sie ihn bejubelt und gefeiert, hier hat er vor ihnen voller Respekt seine Kappe gezogen – die Gelbe Wand und Jürgen Klopp, das war sieben Jahre lang eine außergewöhnliche Verbindung. Am Samstag nach seinem vorerst letzten Heimspiel wird der Trainer Abschied nehmen von den Fans auf der riesigen Dortmunder Südtribüne.

Leidenschaftlich und emotional, zugleich locker und cool – und vor allem immer authentisch. Jürgen Klopp hatte es nicht wirklich schwer, nach seinem Amtsantritt 2008 die Herzen der BVB-Fans im Sturm zu erobern. Schon bei seiner Vorstellung als neuer Trainer sprang der Funke über. Dieser Typ passte einfach ins Ruhrgebiet, wo man ehrlich und geradeheraus ist und aus seinen Gefühlen kein Geheimnis macht. Und Klopp machte seinerseits schnell klar, dass ihm die Liebe der Fans zu ihrem Verein, das Herzblut und die bedingungslose Treue imponieren.

BVB mit Leib und Seele

Von Beginn an war auf beiden Seiten große Sympathie da, nach sieben gemeinsamen Jahren ist daraus tatsächlich "Echte Liebe" geworden. Kein Trainer vor Jürgen Klopp hat Borussia Dortmund so gelebt, ist auch ganz offen eine solch emotionale Bindung eingegangen. Für die Anhänger ist er längst mehr geworden als der sportliche Übungsleiter – Klopp verkörpert den BVB und alles, was diesen Verein ausmacht, mit Leib und Seele.

Natürlich sind es auch die grandiosen Siege und großen Triumphe, die sportlichen Sternstunden  und Titelgewinne, die den gemeinsamen Weg geprägt haben. Vollgasfußball in Verbindung mit hoher Laufbereitschaft und großer Leidenschaft, den der Coach seiner Mannschaft eingeimpft hat, damit konnte sich jeder Fan komplett identifizieren.

Menschenfänger im besten Sinne

Aber es war eben nicht nur der erfrischende Fußball à la Klopp, der dieses Verhältnis zu einem so besonderen gemacht hat. Es war vor allem der Mensch Klopp, der sich mit seiner offenen Art, seinem befreienden Lachen und nicht zuletzt seinen kultigen Sprüchen einen Platz in den Herzen gesichert hat. Auf der Mitgliederversammlung des Vereins, der Trainer und Mannschaft traditionell beiwohnen, hatte Jürgen Klopp wenige Monate nach seinem Amtsantritt unerwartet das Wort an die Anwesenden gerichtet. Er war spontan, er war witzig und er war emotional - ein Menschenfänger im besten Sinne.

Dass dieser Typ seine Emotionen manchmal auch ungezügelt auf und neben dem Platz auslebt, hat ihn nur noch stärker an die schwarz-gelbe Fangemeinde gebunden. Auch für seine Ausraster wird Jürgen Klopp von der Gelben Wand und darüber hinaus in Dortmund geliebt. Seine Wutausbrüche sind stets als das verstanden worden, was sie waren - authentisch, geprägt von Emotion, Motivation und vor allem kompletter Identifikation mit diesem Verein.

Im Schmerz vereint

Gemeinsam haben Fans und Trainer aber nicht nur die großen Titel gefeiert und Momente voll unbändiger Freude erlebt. Gemeinsam hat man auch gelitten und sich gegrämt – auch das gehört zu einer "Echten Liebe". Als Mario Götze den Club überraschend Richtung München verließ, war das für Trainer und Fans gleichermaßen  mehr als eine Enttäuschung. Die Niederlage im Champions-League-Finale in Wembley, als das bayrische Imperium nach dem Dortmunder Doublesieg ein Jahr zuvor zurückgeschlagen hatte, vereinte Klopp und die Gelbe Wand in Schmerz und Stolz gleichermaßen.

Immer haben Jürgen Klopp und die Borussia-Fans zueinander gestanden – auch in diesem letzten, sportlich so schwierigen Jahr. Kein Wort des Unmuts an den sportlich Verantwortlichen, statt dessen Zuspruch und Aufmunterung, Schulterschluss und absolute Loyalität. Und hinein in all die Trauer und Schockstarre, als Klopp seinen Abschied zum Saisonende bekannt gegeben hatte, auch jede Menge Respektsbekundungen und  tiefe Dankbarkeit.

Es wird Tränen geben

Am Samstag nun heißt es Abschied nehmen. Nach dem Spiel gegen Bremen will Jürgen Klopp ganz persönlich seinem Stadion und seiner Gelben Wand Tschüß sagen. Einen offiziellen Termin vor dem Spiel hat er abgelehnt. Nach dem Abpfiff aber ist dann jener Moment gekommen, den irgendwie keiner wahr haben will. Es wird viele Tränen geben – begleitet von der Sehnsucht und Hoffnung, sich genau hier genau so eines Tages wiederzusehen.

Wie sagte doch Jürgen Klopp selbst? "Ich möchte mir nicht vorstellen, was sich in mir abspielt, wenn das Spiel abgepfiffen ist und ich feststelle, dass ich über einen relativ langen Zeitraum nicht mehr als Verantwortlicher in diesem Stadion sein werde."

Dietmar Nolte

Interaktive Infografik: Die Ära Jürgen Klopp beim BVB