Köln - Jede Meisterelf hat ihre besonderen Helden. Beim FC Bayern des Jahres 2015 steht in Manuel Neuer der weltbeste Torhüter zwischen den Pfosten, vorne stürmt und trifft der unaufhaltsame Arjen Robben - und das sind nur zwei aus einer Gemeinschaft von Weltklassespielern und Weltmeistern. Umso erstaunlicher, dass sich der Quasi-Nobody Juan Bernat einen Stammplatz in diesem Kreis erkämpft hat.

Juan wer? Der Mann vom FC Valencia war in Deutschland nicht jedem Fußball-Experten geläufig, als der damals 21-Jährige im Sommer 2014 zum FC Bayern wechselte. Außenverteidiger, Linksfuß - der Spanier war schnell bei vielen als Ersatz für David Alaba einsortiert.

Doch es kam anders. Schon beim ersten Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg spielte der Spanier volle 90 Minuten. Bis zum 30. Spieltag verzichtete Trainer Pep Guardiola nur zwei Mal auf seinen Lieblingsschüler, lediglich Thomas Müller stand in 29 Spielen auf dem Rasen.

"Eine Weltklasse-Entwicklung genommen“

"Ich wusste nicht, dass er so gut ist. Er spielt immer giftig und ist sehr schnell", zeigte sich sogar Bernat-Kenner Guardiola in der "Welt" überrascht von der überragenden Entwicklung seines Landsmanns. "Der Junge hat eine Weltklasse-Entwicklung genommen", adelte Sportvorstand Matthias Sammer den jungen Spanier.

Die Frage Bernat oder Alaba beantwortete Guardiola folgerichtig mit Bernat und Alaba. Meist rückte Bernat eine Position weiter vor auf der linken Seite und spielte seine Stärken aus: Dynamik, Laufstärke und Zug zum Tor.

Dauerläufer und- sprinter

Bernat ist Dauerbrenner und Dauerrenner: Er legte bei Bayern in dieser Saison absolut gesehen die meisten Sprints hin (712),  spulte die zweitgrößte Laufstrecke (280,3 km) nach Thomas Müller ab und gab 29 Torschüsse ab. Sein erstes - und einziges Bundesliga-Tor - erzielte er am 18. Spieltag beim 1:4 in Wolfsburg.

"Es lief für mich bis jetzt wirklich wie in einem Traum. Mit gerade einmal 21 Jahren wage ich diesen Schritt in ein neues Land, in eine neue Liga, und dann läuft es gleich so toll für mich, dass ich in dieser super Mannschaft ein fester Bestandteil werde. Meine Erwartungen wurden alle übertroffen", zog ein hoch zufriedener Bernat Mitte Februar im "Bayern Magazin“ ein Zwischenfazit.

Außergewöhnlich fair

Bemerkenswert ist auch die außergewöhnliche Fairness des Spaniers. In 2285 Spielminuten beging er in dieser Bundesliga-Saison nur elf Fouls, also im Schnitt alle 208 Minuten eins. Nur eine Gelbe Karte steht in seiner "Sünderkartei". Auch diese Zahlen unterstreichen sein Geschick im Zweikampf und ein überdurchschnittliches Spielverständnis.

Inzwischen ist Bernat auch Nationalspieler Spaniens. Nachdem er alle Jugend-Nationalteams ab der U16 durchlaufen hatte, debütierte er am 12. Oktober 2014 im Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2016 gegen Luxemburg. Dabei traf Bernat sogar zum 4:0-Endstand.

Noch ein Titel - oder zwei?

Die Premierensaison beim FC Bayern könnte also kaum besser laufen. Wobei der Titelhunger nicht gestillt ist. DFB-Pokal und Champions League finden ja noch mit Beteiligung der Bayern und Bernat statt. Ein zweiter - oder sogar dritter - Titel neben der deutschen Meisterschaft wäre fast nur logisch für die sensationelle Saison des Juan Bernat.