Hamburg - Juan Bernat war für die meisten Fußball-Fans in Deutschland ein unbeschriebenes Blatt. Der Spanier kam vor der Saison vom FC Valencia zum FC Bayern. Kritiker rechneten dem kleinen Linksfuß nur wenig Chancen auf große Einsatzzeiten aus. Doch in dieser Saison kam Bernat bislang in allen Pflichtspielen zum Einsatz und scheint bei Trainer Pep Guardiola gesetzt.

Beim 0:0 in Hamburg war der 21-Jährige mal wieder einer der Aktivposten im Team des deutschen Rekordmeisters. Bernat feuerte drei Torschüsse ab - so viele hatten sonst nur noch Thomas Müller und David Alaba auf ihrem Konto. Nach dem Abpfiff sprach bundesliga.de exklusiv mit dem Spanier über die Partie beim HSV, seine Leistung bislang und seinen Eindruck von der Bundesliga und dem FC Bayern.

bundesliga.de: Herr Bernat, fühlt sich das 0:0 in Hamburg ein wenig wie eine Niederlage an?

Juan Bernat: Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Aber wir haben uns sicherlich mehr erhofft. Doch der HSV hat ein großartiges Team, das uns alles abverlangt hat. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht so richtig ins Spiel gefunden. Im zweiten Durchgang war das besser, doch vor dem Tor fehlte uns die nötige Konsequenz, um ein Tor zu schießen.

bundesliga.de: Erneut wurde die Startelf auf gleich vier Positionen umgestellt. Macht das die Sache schwieriger?

Bernat: Das darf keine Ausrede sein. Wir haben nicht bloß elf Spieler, sondern der ganze Kader hat eine hohe Qualität. Alle Spieler sind jederzeit bereit, alles zu geben, wenn der Trainer ruft. Schließlich ist das auch für jeden immer eine Chance, sich zu beweisen. Von daher muss das nicht als Grund für das Remis herhalten.

"Der deutsche Fußball ist direkt und physisch stark"

bundesliga.de: Sind Sie denn mit Ihrer Leistung im bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Bernat: Ja, ich bin sehr zufrieden. Denn der Trainer schenkt mir das Vertrauen. Und ich versuche, ihm dieses Vertrauen in jedem Spiel so gut es mir möglich ist zurückzuzahlen.

bundesliga.de: Was ist der Unterschied zwischen dem Fußball in Deutschland und Spanien?

Bernat: Da gibt es schon ein paar Unterschiede. Der deutsche Fußball ist sehr direkt und physisch stark. Aber das System von Pep Guardiola hat schon viele Ansätze vom spanischen Fußball.

bundesliga.de: Ihr Heimatclub, der FC Valencia, hat viel Tradition. Aber was bedeutet es, bei einem Verein wie dem FC Bayern zu spielen?

Bernat: Der FC Bayern ist ein großer Club und gehört zu den besten Mannschaften der Welt (Vereinsdaten). Ich habe die letzten Jahre harte dafür gearbeitet, so eine Chance zu bekommen. Und das genieße ich jeden Tag aufs Neue.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie sich in München gesetzt? Träumen Sie von einer Berufung in die spanische Nationalmannschaft?

Bernat:(lacht) Das wäre natürlich eine schöne Sache. Aber letztlich wäre das ein Bonus, denn daran denke ich momentan nicht. Meine volle Konzentration gilt dem FC Bayern. Ich will hier viele Titel gewinnen.

"Deutsch ist noch ein wenig kompliziert"

bundesliga.de: Für die ausländischen Spieler ist die Sprachbarriere oft eine erste Hürde bei einem Wechsel in die Bundesliga. Wie war es für Sie beim FC Bayern, mit den anderen Spaniern?

Bernat: Für mich war es schon eine schwierige Situation, da ich zum ersten Mal von zuhause weggegangen bin. Aber dadurch, dass beim FC Bayern viele Spanier und spanische sprechende Spieler (Kader) und Verantwortliche sind, war diese Umstellung und die Integration in die Mannschaft für mich schon etwas komfortabler als für andere.

bundesliga.de: Und wie sieht es mit Ihrem Deutsch aus?

Bernat: Oh, das ist noch ein wenig kompliziert für mich. Aber ich besuche fleißig den Unterricht und es wird ganz langsam schon besser.

Das Gespräch führte Michael Reis