Spricht man über die besten Innenverteidiger der Bundesliga, ja vielleicht sogar Europas, ist an ihm einfach kein vorbeikommen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Josip Simunic ist eine Ein-Mann-Mauer, eine ganze Felswand in der Brandung.

Sein Zweikampfverhalten ist beispielhaft und mit seiner Einstellung vermag er es immer wieder, seine Mitspieler zu motivieren und anzustacheln. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit galt Simunic als Rüpel, als knallhart und ohne Rücksicht auf Verluste spielend.

Los ging s in "Down Under"

Doch zurück auf Anfang. Geboren im australischen Canberra und aufgewachsen auf dem Land bekam Simunic als Jugendlicher im Förderprogramm des Australian Institute of Sport die Chance, seine fußballerischen Fähigkeiten weiterzubilden. 1996 erhielt er daraufhin ein Engagement bei den Melbourne Knights.

Nur ein Jahr später folgte er der Wechsel in die Bundesliga. In zwei Jahren kam er beim Hamburger SV nur spärlich zum Einsatz und auch in seiner ersten Saison bei Hertha BSC (2000/01) kam Simunic meist nur als "Joker" zum Einsatz.

Durchbruch an der Spree

2001 gelang der Durchbruch bei den Berlinern. Doch seine robuste Spielweise sorgte immer wieder für Aufsehen. Bei der WM 2006 schrieb er auf diese Weise sogar Geschichte. Ausgerechnet im Spiel gegen Australien kassierte der Kroate drei gelbe Karten - ein einzigartiger Schiedsrichterirrtum.

In der Hinrunde der Saison 2006/07 spitzte sich die Situation zu. Gleich drei Mal wurde Simunic vorzeitig zum Duschen geschickt. So auch am 17. Spieltag zum Abschluss der Hinrunde gegen Bremen, als er Christian Schulz am Kopf traf.

Alles wird im Kopf entschieden

"Die Reaktion der Leute war interessant und irritierend für mich. Sie haben in mir einen Spieler gesehen, der durchgedreht ist", sagte Simunic rückblickend. "Ich habe in diesem Moment gemerkt, dass es an mir liegt. Ich war selbst schuld an diesem schlechten Image. Ich entscheide, was ich mache, nicht jemand anderes. Ich habe daraus sehr viel gelernt."

Der kroatische Nationalspieler hatte das Problem erkannt und legte den Hebel um. Er nahm sogar psychologische Hilfe in Anspruch. Anfangs nur, weil es ihm der Verein geraten hatte. Doch Simunic erkannte schnell: "Psychologie ist der wichtigste Aspekt im Profisport."

Neue Station Hoffenheim

Jahrelang verschlang er regelmäßig Bücher zu dem Thema. Dass man als Profisportler noch immer ab und an seltsam angeguckt wird, wenn man zugibt, sich mit Psychologie zu beschäftigen, stört ihn nicht. Heute ist Simunic ein Vorbild für sich und andere, eine echte Säule des Teams.

Und dieses Team heißt seit Sommer 2009 Hoffenheim. Nach über 200 Bundesliga-Spielen für Hertha fand der Abwehrrecke eine neue Heimat im idyllischen Kraichgau. Hier geht alles ein wenig ruhiger und gelassener zu als in der Weltstadt Berlin. Aber genau das gefällt Simunic. So bekommt man schließlich den Kopf schneller frei.

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