Leverkusen - Mit der Einwechslung von Josip Drmic kam die Wende im rheinischen Derby. Als der Leverkusener Stürmer nach der Halbzeit Stefan Kießling im Sturmzentrum ersetzte, spielte die Werkself groß auf. Mit einem Doppelpack und einem Assist betrieb der Schweizer Nationalspieler Eigenwerbung beim 5:1-Erfolg von Bayer 04 Leverkusen gegen den 1. FC Köln. Im Interview gibt sich Josip Drmic erstaunlich selbstbewusst. Selbst Platz 1 in der Meisterschaft hält er noch für möglich.

Frage: Josip Drmic, Glückwunsch zum Derbysieg gegen Köln und Ihren beiden Toren. Beschreiben Sie einmal Ihre Gefühlslage.

Josip Drmic: Ich freue mich, dass wir gewonnen haben und die drei Punkte in Leverkusen geblieben sind. Wir sind als Mannschaft aufgetreten und haben gezeigt, zu was wir fähig sind. Es hat einfach nur Bock gemacht zu spielen. Die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen.

"Viel Selbstvertrauen getankt"

Frage: Sie haben erstmals doppelt für Leverkusen getroffen. War das für Sie der Durchbruch bei der Werkself?

Drmic: Keine Ahnung, das müssen andere beurteilen. Ich habe schon in anderen Spielen bewiesen, was ich drauf habe. Ich würde nicht sagen, dass dies der Durchbruch war. Ich habe in der Nationalmannschaft gespielt und meine Tore gemacht.

Frage: Täuscht der Eindruck oder hätten Sie gerne noch länger gespielt und noch mehr Tore gemacht?

Drmic: Absolut, so war es. Ich hatte große Freude am Spiel und war mit Begeisterung auf dem Platz. Ich war froh, so viele Spielminuten zu bekommen und wollte, dass das Spiel so lange wie möglich geht. Gegen Monaco hatte ich auch viele Chancen, die aber nicht genutzt. Heute hat sich das Blatt gewendet. Ich bin froh, dass ich getroffen habe und der Knoten jetzt geplatzt ist.

Frage: Wie gut haben Ihnen die beiden Tore im Derby getan?

Drmic: Jedes Tor tut gut und ist wichtig. Ich habe viel Selbstvertrauen getankt.

Frage: Was hat Ihnen der Trainer zur Halbzeit zur Einstimmung mitgegeben?

Drmic: Nicht so viel. Er hat gesagt, dass ich mich reinhauen, kämpfen, für die Mannschaft alles geben und versuchen soll, das Tor zu erzielen. Als Stürmer weiß ich ja, was mein Job ist und was ich auf dem Platz machen muss. Darauf bereiten wir uns die ganze Woche vor.

Frage: Rechnen Sie sich Chancen auf einen Platz in der Startelf aus?

Drmic: Das weiß ich nicht. Ich werde bereit sein und werde alles dafür geben, dass ich fit und fähig bin, 90 Minuten zu spielen. Ich werde im Training Gas geben und versuchen, mich dem Trainer aufzudrängen. Schlussendlich stellt er die Mannschaft auf.

Frage: Sie haben vor dem Spiel gesagt, dass es nach einem Derbysieg gegen Köln für Sie in Köln unbequem werden könnte. Wie unbequem werden die kommenden Tage nach diesem Doppelpack?

Drmic: Für mich war dieses Derby eine neue Erfahrung, die ich sehr genossen habe. Ich weiß nicht, was für Sachen jetzt auf mich zukommen. Auf jeden Fall werde ich mit meiner Familie und meinen Jungs nach Hause gehen und mal schauen, was passiert. Ich hoffe, es wir nicht allzu unbequem.

"Vor dem Tor nicht viel überlegen"

Frage: Auch gegen Monaco hatten Sie Ihre Torchance, aber nicht getroffen. Was hat diesmal den Unterschied ausgemacht?

Drmic: Man sollte vor dem Tor nicht zu viel überlegen, sondern besser das Ding einfach reinmachen. Hauptsache, der Ball zappelt im Netz. Gegen Monaco hat es anders ausgesehen, heute lief alles positiv. Ich freue mich, dass es geklappt hat.

Frage: Sie haben gegen Monaco und Köln eine Halbzeit lang von der Bank aus gesehen, wie defensiv viele Gegner versuchen, gegen die Leverkusen zu bestehen. Wie sehr freuen Sie sich auf das Spiel in München, in dem der Gegner auch versuchen wird, selbst Fußball zu spielen?

Drmic: Die letzten Gegner haben sich immer hinten reingestellt und versucht, uns das Leben schwer zu machen. Jetzt kommt ein Gegner mit einem großen Namen und sehr viel Qualität. Wir wissen, wozu die Bayern fähig sind. Es wird sicher ein spannendes Spiel. Ich habe schon gegen die Bayern gespielt und weiß, dass es nicht einfach wird, als Stürmer einen Weg durch diese Abwehr zu finden. Ich freue mich einfach auf das Spiel und mich auf diesem Niveau zu messen. Es ist eine tolle Erfahrung für jeden Spieler.

Frage: Ihr Trainer Roger Schmidt freut sich darüber, dass er jetzt erstmals seit der Saisonvorbereitung eine Trainingswoche mit der kompletten Mannschaft vor sich hat. Wie wichtig ist das vor dem Bayern-Spiel?

Drmic: Das ist sehr wichtig. Wenn wir in München etwas holen wollen, müssen wir über unsere Grenzen gehen. Wir müssen mehr machen und kämpfen als die Bayern, wenn wir sie bezwingen wollen. Einfach wird es nicht. Jetzt ist es aber erst einmal wichtig, runter zu kommen und zu regenerieren. Danach werden wir topbereit für die Bayern sein.

Frage: Leverkusen hat in den kommenden Wochen mit den Spielen gegen die Bayern, Benfica, Mönchengladach, Hoffenheim und Frankfurt noch ein strammes Programm mit starken Gegnern vor sich. Was wollen Sie in diesem Jahr noch erreichen? Ist Platz 2 in Reichweite?

Drmic: Wir haben unsere Ziele und wollen noch so viele Punkte wie möglich holen. Wir werden alles dafür tun, weil diese Punkte sehr wichtig für uns sind. Der 2. Platz ist schön. Aber auch der 1. Platz ist möglich (Tabelle). Wir haben noch mehr als eine halbe Saison zu spielen. In der Bundesliga ist alles möglich.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski