Zusammenfassung

  • Bayern Münchens Rechtsverteidiger setzt auch offensiv Akzente

  • Der 22-Jährige wehrt sich gegen Vergleiche mit Philipp Lahm

  • Experten wie Bundestrainer Löw trauen ihm eine riesige Karriere zu

Köln - Mit einem Tor, einem Assist und einer "weißen Weste" hat Joshua Kimmich im Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht unterstrichen, welche Fähigkeiten er hat. Der 22-Jährige zeigte einmal mehr eine nahezu fehlerfreie Leistung und schickt sich an, den FC Bayern München in dieser Saison zu weiteren Titeln zu führen.

>>> Hol dir Joshua Kimmich für deine Fantasy-Elf

Vergangenen Dienstag, Allianz-Arena München. Es lief die 65. Minute, als Joshua Kimmich auf Außen entwischte und präzise ins Zentrum flankte, wo Thiago frei am langen Pfosten stehend zum 2:0 für die Bayern vollstreckte. Später setzte Kimmich den Schlusspunkt: In der 90. Minute verlud er den Keeper der Belgier mit einem eleganten Täuschungsmanöver und schob den Ball zum 3:0-Endstand ins leere Tor. Es war ein Finish, mit dem der Münchener einmal mehr seine Geschicklichkeit und Gelassenheit demonstrierte.

Kein Philipp-Lahm-Klon

Zweifelsohne spielt Joshua Kimmich schon mit dem Selbstverständnis und Selbstvertrauen eines ganz Großen. Da überrascht es nicht, dass er in dieser Saison bislang alle Pflichtspiele über 90 Minuten absolviert hat. Auch in der Nationalmannschaft genießt er größtes Vertrauen. 21 Länderspiele vom Anfang bis zum Ende hat der Außenverteidiger absolviert - so viele wie zuletzt der große Franz Beckenbauer.

Wegen seiner Position auf dem Feld, aber auch seines Auftretens abseits des Rasens, drängt sich unweigerlich immer wieder der Vergleich mit Bayerns Legende Philipp Lahm auf, der nach der vergangenen Saison seine Karriere beendete. Zwar will der Gelobhudelte nicht als Philipp-Lahm-Klon wahrgenommen werden. Dennoch nimmt er seine Rolle als Nachfolger des zurückgetretenen Weltmeisters in der Münchener Defensive an.

© imago

"Wenn ich die Wahl habe, ob ich 30, 35 Mal als Rechtsverteidiger auflaufe oder 20 Spiele auf der Sechs mache, dann würde ich immer rechts hinten wählen", sagte der 22-Jährige dem kicker. Dabei ist Kimmichs angestammte, gelernte Position eigentlich im defensiven Mittelfeld. Der Confed-Cup-Sieger bekräftigt aber, dass er die Position des Rechtsverteidigers "nicht mit Wider willen", sondern "mit voller Überzeugung und Leidenschaft" spiele.

Nun war Philipp Lahm einer der besten offensiven Verteidiger mit großartigen Flanken. Und auch Kimmich zeichnet ein offensiver Instinkt und eine Spielintelligenz aus, durch die er sich immer wieder in den Angriff einschaltet. Der Lohn: Vergangene Saison schoss der gebürtige Rottweiler innerhalb eines Monats vier Tore in fünf Bundesliga-Spielen.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Tatsächlich erinnern seine offensiven Aktionen an einen weiteren Bayern- und Deutschland-Teamkollegen: Thomas Müller. Denn auch Joshua Kimmich ist vielseitig einsetzbar, und als Verteidiger nimmt er Angriffspositionen ein, die für einen Abwehrspieler eher unorthodox sind und ihm Tore der Marke Müller ermöglichen. Ein Beispiel ist der Treffer gegen den 1. FC Köln in der Bundesliga-Saison 2016/17:

Video: Kimmich trifft gegen Köln

Löw: "Eines der allergrößten Talente"

Joachim Löw traut Kimmich "eine Riesenkarriere" zu. Das habe er irgendwie im Gefühl, sagte der Bundestrainer während des Confed-Cups im Sommer. Löw zeigt sich besonders von der Einstellung des 22-Jährigen begeistert: "Joshua ist eines der allergrößten Talente, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. Er hat diesen Biss und diesen Hunger, in jedem Training an seine Leistungsgrenze zu gehen."

Kimmich versucht, sich von den Lahm-Vergleichen zu distanzieren und betont seinen Wunsch, "seinen eigenen Weg" in seiner Karriere zu gehen. Gleichwohl gibt es kaum ein schöneres Kompliment, als in einem Atemzug mit einer Fußballlegende genannt zu werden. Kimmich ist vielleicht weniger ein Lahm-Klon und mehr ein Lahm-Müller-Hybrid; ein Mix aus traditioneller deutscher Zähigkeit und moderner taktischer Flexibilität, der angreifen und verteidigen kann.

Matthias Sammer sieht in Spielern wie Joshua Kimmich die Zukunft des deutschen Fußballs. Er hält ihn gar für befähigt, tragende Rollen nicht nur beim FC Bayern einzunehmen. "Jos wird eine ganz prägende Rolle im deutschen Fußball einnehmen. Er wird in meinen Augen der Führungsspieler", sagte der ehemalige Sportdirektor.

Auch menschlich sei Kimmich herausragend. "Er bringt Eigenschaften mit, die so außergewöhnlich sind. Ob in der Offensive oder Defensive. In der Art und Weise wie er auftritt, was er sagt, wie er es sagt, was er von sich gibt." Kimmich komme dabei "ohne Kriegsbemalung und ohne behangene Ohren" aus, der 22-Jährige habe etwas "Ursprüngliches. Und das ist einfach schön."

Quiz: Teste Dein Wissen!