Dortmund - Für Jonas Hofmann ist die Partie von Borussia Dortmund beim 1. FSV Mainz 05 (Freitag ab 20 Uhr im Liveticker) ein ganz besonderes Spiel. Schließlich hatte sich der Dortmunder Mittelfeldspieler in der vergangenen Saison zum FSV ausleihen lassen. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Hofmann über die Gefühle, die seine Rückkehr nach Mainz auslöst, über sein Selbstverständnis und über seinen jetzigen Trainer Thomas Tuchel.

bundesliga.de: Herr Hofmann, am kommenden Spieltag muss der BVB nach Mainz, wohin Sie in der vergangenen Saison ausgeliehen wurden. Welche Gefühle löst die Rückkehr aus?

Jonas Hofmann: Ein wenig fühlt sich das an als hätte man es mit einem Trainingsspiel zu tun, weil man die meisten der Gegenspieler bestens kennt. Ich freue mich jedenfalls riesig darauf, die Jungs wiederzutreffen. Schließlich sieht man sich nur zweimal im Jahr. Nichtsdestotrotz werde ich hochkonzentriert in diese Begegnung gehen, wenn ich denn spielen sollte.

bundesliga.de: Gemeinsam mit Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz haben der ehemalige BVB-Trainer, Jürgen Klopp, und der aktuelle, Thomas Tuchel, den FSV Mainz in der Bundesliga etabliert; wie sehen Sie die 05er?

Hofmann: Ich kann Mainz nur in den allerhöchsten Tönen loben. Es hat mir richtig großen Spaß gemacht für diesen Club zu spielen. Dort ist alles tatsächlich so, wie es nach außen hin immer wirkt, also sehr lebensfroh und weltoffen. Hat man etwas auf dem Herzen, kann man jederzeit zum Präsidenten oder zum Manager kommen. In der Mannschaft stehen super Charaktere, und das Team hinter dem Team ist ebenfalls absolut top. Ich habe mich dort in kürzester Zeit sehr wohl gefühlt.

"Kann Mainz nur in den höchsten Tönen loben"

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bundesliga.de: Auch die Fans des "Karnevalsvereins" sind besonders...

Hofmann: Stimmt. Die Mainzer Fans sind fantastisch. Die Stimmung in der Coface Arena ist immer hervorragend. Und wäre meine Verletzung nicht gewesen, hätten wir noch viel mehr Spaß miteinander gehabt als das ohnehin der Fall war.

bundesliga.de: Die Ausleihe war nicht zuletzt gedacht, um Ihnen Spielpraxis zu geben. Wegen der schweren Knie-Verletzung wurden es aber nur ein Dutzend Partien; war es ein verlorenes Jahr?

Hofmann: Ich denke, dass es trotzdem ein gutes Jahr war, auch wenn ich mir natürlich mehr Spiele gewünscht hätte. Letztlich aber kann man selbst eine so bittere Verletzung nutzen, um sich selbst und seinen Körper besser kennenzulernen. Ich möchte zwar ganz sicher nicht von Glück sprechen, dass ich mich gerade jetzt, in jungen Jahren, verletzt habe. Aber ich denke, dass ich heute noch relativ gutes Heilfleisch habe und die Verletzung auch deshalb so gut ausgeheilt ist. Sollte es tatsächlich so etwas wie Vorbestimmung geben, könnte man vielleicht sagen, dass die Verletzung - wenn es denn schon sein musste - zur richtigen Zeit kam.

bundesliga.de: Waren Sie auch ein wenig froh, dass Sie den Absturz des BVB in der vergangenen Hinrunde nicht miterleben mussten?

Hofmann: Nein. Darüber was hätte passieren können, wenn ich statt in Mainz noch beim BVB gewesen wäre, habe ich mir nie Gedanken gemacht. Auch wenn ein Trainer oft nur an kleinen Rädchen dreht, um etwas zu verändern, wäre es sicherlich vermessen zu behaupten, dass es für den BVB anders gelaufen wäre, hätte ich damals im Kader gestanden und vielleicht des Öfteren Einsätze bekommen. Deshalb macht es keinen Sinn mehr, über diese Zeit zu sprechen. Das ist Geschichte. Wir sind nun sehr ordentlich in die neue Saison gestartet und schauen nur nach vorne.

"Thomas Tuchel ist ein extrem cleverer Mensch"

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bundesliga.de: Mit Thomas Tuchel ist der ehemalige Mainzer Trainer, der dort just im Sommer 2014 aufgehört hatte, als sie kamen, jetzt Ihr Trainer beim BVB. Was für ein Bild haben Sie von Tuchel?

Hofmann: Thomas Tuchel ist ein extrem cleverer Mensch, der genau weiß, was er tut, und immer genaue Vorstellungen und einen exakten Plan davon hat, wie er spielen lassen und welche Fußball-Philosophie er verfolgen will.

bundesliga.de: Mit welchen Erwartungen an die Zusammenarbeit sind Sie in die Saison gegangenen?

Hofmann: Ich habe mich sehr auf Thomas Tuchel gefreut. Wir haben schon im Vorfeld der Saison miteinander telefoniert, und meine Erwartungen sind bisher in Erfüllung gegangen. Und ich denke, dass Trainer und Mannschaft hervorragend miteinander harmonieren.

bundesliga.de: Es wird kolportiert, das Training sei jetzt komplexer als bei Jürgen Klopp?

Hofmann: Es ist wie überall im Leben, wenn man etwas Neues lernen muss. Wenn man es einmal erklärt bekommt und dann ein paar Mal gemacht hat, funktioniert es auch. Es mag sein, dass das Neue auf Außenstehende, die jahrelang das Training unter Jürgen Klopp beobachtet und damit häufig Dasselbe gesehen haben, zunächst etwas ungewöhnlich wirkt. Selbstverständlich stellt Thomas Tuchel auch hohe Ansprüche an die Mannschaft. Ich finde, wir trainieren richtig gut unter ihm und setzen seinen Plan meistens sehr gut um.

bundesliga.de: Vor wenigen Wochen sind Sie 23 geworden, und Ihre BVB-Kameraden haben Ihnen mit "Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist Du kein Talent mehr" gratuliert; verstehen Sie sich nun als gestandener Bundesliga-Spieler?

Hofmann: Ganz ehrlich, als gestandener Bundesliga-Spieler sehe ich mich noch nicht. Es läuft bisher zwar gut für mich in dieser Runde, ich habe schon einige Spiele gemacht und auch in den vergangenen Jahren bereits viel erlebt und z. B. einige Male Champions League gespielt. Trotzdem denke ich, dass der Status "gestandener Bundesligaspieler" voraussetzt, dass man in einer Saison auf 20, vielleicht 25 Spiele kommt. Zudem ist mein Ehrgeiz viel zu groß, als dass ich angesichts meiner bisherigen Einsätze behaupten würde, dass ich bereits ein gestandener Profi bin.

"Bin noch kein gestandener Bundesliga-Spieler"

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bundesliga.de: In der Tat läuft es bisher sehr gut für Sie, vor allem, wenn man die hohe Qualität des Kaders berücksichtigt. Liga, Europa League und DFB-Pokal - Sie sind überall zu längeren Einsätzen gekommen und haben auch schon getroffen...

Hofmann: Die Qualität im Kader ist in der Tat enorm. Aber wir sprechen ja auch von Borussia Dortmund. Da ist es völlig normal, dass ein großer Konkurrenzkampf herrscht. Umso wichtiger ist es, diesen Kampf anzunehmen und sich immer wieder zu zeigen, um sich durchzusetzen. Erst wenn man diesen Konkurrenzkampf besteht und sich dauerhaft in die Startelf gekämpft hat, sollte man davon sprechen, dass man ein gestandener Bundesliga-Spieler ist.

bundesliga.de: Beim 1:5 beim FC Bayern München saßen Sie die gesamten 90 Minuten auf der Bank. Waren Sie darüber froh?

Hofmann: Was heißt froh?! Ich denke, dass der Trainer richtig entschieden hat, als er nach dem zwischenzeitlichen 3:1 für die Bayern umgehend gewechselt und zwei offensive Spieler gebracht hat. Wen er dann bringt, ist selbstverständlich seine Entscheidung. Mal ist es der eine, mal der andere. Und es ist kein Drama, wenn man dann selbst nicht berücksichtigt wird. Aber nein, ich war nicht froh und hätte grundsätzlich sehr gerne gespielt. Ob ich allerdings wirklich hätte helfen können, kann ja auch niemand sagen.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Ursachen dafür, dass es nach dem herausragenden Saisonstart seit drei Spielen nicht mehr rund läuft?

Hofmann: Hätten wir gegen Darmstadt und Hoffenheim nicht jeweils den Sieg verschenkt, stünden heute vier Punkte mehr auf unserem Konto. Damit wären es gerade einmal drei Punkte Rückstand auf den Tabellenführer, und die Situation wäre eine ganz andere. Nichtsdestotrotz stehen wir auf dem zweiten Tabellenplatz und haben uns zu einigen der Spitzenteams, mit denen wir uns messen wollen, bereits ein kleines Polster erarbeitet. Wir sind im DFB-Pokal weiter und in der Europa League Gruppenerster. Mit diesem Zwischenstand können wir sehr zufrieden sein. Lediglich die beiden schon angesprochenen Unentschieden trüben das Bild etwas. In beiden Spielen hatten wir die Chance, die Punkte mitzunehmen, haben Sie aber liegen lassen. Daran müssen wir jetzt arbeiten.

Das Gespräch führte Andreas Kötter